Film : Jennifer Lawrence: Medien übersättigen die Menschen

Jennifer Lawrence sieht ihren aktuellen Film als «eine interessante Liebesgeschichte in einer fürchterlichen Zeit».
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Jennifer Lawrence sieht ihren aktuellen Film als «eine interessante Liebesgeschichte in einer fürchterlichen Zeit».

Für viele Schauspielerinnen wäre ein Oscar Anfang 20 eine Bürde - nicht so für Jennifer Lawrence. Sie schafft es, mit ihren Blockbustern für Teenies ein Idol zu sein und auch bei den Kritikern viel Lob für Independent-Produktionen einzuheimsen.

shz.de von
18. November 2013, 17:57 Uhr

Nun kommt «Tribute von Panem - Catching Fire» in die Kinos und die 23-Jährige legt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa besonderen Wert auf die politische Seite des Epos.

Frage: Was war beim Dreh des zweiten Teils anders als beim ersten?

Antwort: Nun, wir haben einen neuen Regisseur, Francis Lawrence. Er ist ganz zauberhaft, ein unglaublicher Mensch. Und wir haben auf Hawaii gedreht - das war eine große Veränderung.

Frage: Und Sie hatten gerade einen Oscar gewonnen, hat das etwas verändert?

Antwort: Nein, nicht wirklich. Es hat mich eher zum Ziel für allerlei Witze gemacht. Sie haben mich jeden Tag am Set damit aufgezogen. Alle waren sehr nett zu mir, als ich an den Drehort kam, haben drei Sekunden applaudiert, das war's dann aber auch.

Frage: Sie haben zwei ältere Brüder, hat Sie das in irgendeiner Weise auf Ihre Rolle als Katniss vorbereitet?

Antwort: Es hat mich definitiv darauf vorbereitet, mit Josh and Liam zusammenzuarbeiten. Sie sind wie meine Brüder - adoptiert, sozusagen.

Frage: Aber Sie mussten sie auch küssen...

Antwort: Ja, stimmt, ich musste sie küssen, das war dann etwas anders als bei Brüdern.

Frage: Josh hat gesagt, dass Sie sehr gut küssen...

Antwort: Josh ist auch ein sehr guter Küsser, muss ich zugeben. Es ist sehr süß von ihm, dass er das gesagt hat.

Frage: Es kommt im Film ja nicht so darauf an, Gefühle zu zeigen. Fanden Sie das in Ordnung oder hätten Sie sich gewünscht, mehr Gefühle zeigen zu können?

Antwort: Nun, es ist eine interessante Liebesgeschichte in einer fürchterlichen Zeit. Sie können in dieser Zeit nicht einfach in den Wald rennen und ihren ersten Kuss genießen. Sie wachsen im Krieg auf. Katniss meint das auch so, als sie sagt: «Ich habe keine Zeit, jemanden zu lieben.» Man kann sich heute zum Glück nicht vorstellen, dass es viele Dinge gibt, die wichtiger sind als das eigene Leben, dass man nicht einmal verliebt sein kann. Also es ist richtig, dass die Gefühle im Film nicht besonders stark sind, weil sie für Katniss gerade keinen so hohen Stellenwert haben.

Frage: Die Tribute von Panem-Geschichte ist ja auch deswegen interessant, weil sie eine politische Ebene hat. Dort, aber auch in vielen realen Ländern kann man seine politische Meinung nicht so offen äußern wie etwa in den USA oder in Deutschland. War das bei der Entscheidung für den Film auch maßgeblich?

Antwort: Ja, absolut. Ich war ein großer Fan der Bücher lange bevor ich am Film mitgearbeitet habe. Es ist toll, was die Bücher jungen Erwachsenen mit auf den Weg geben: nämlich dass sich Geschichte wiederholt, wenn wir nicht genau aufpassen. Wenn wir nicht genau hinsehen, wird die Kluft zwischen Arm und Reich wachsen und die Regierungen werden zu viel Kontrolle ausüben. Es war immer in der Geschichte so, dass die Menschen für ihre Freiheit kämpfen mussten. Das betrifft aber auch die Medien.

Frage: Inwiefern?

Antwort: Die Medien übersättigen die Menschen, alle wollen alle Informationen haben. Alle Leute fühlen sich berechtigt, Fotos von mir zu schießen, wenn ich im Supermarkt einkaufen gehe und berechtigt zu wissen, was ich an einem Samstag unternehme. Und die Medien liefern das den Leuten. Wir leben in einer Gesellschaft, in der es keinen echten Schockfaktor mehr gibt und dadurch wird das immer schlimmer. Es verstärkt sich. Was wird unserer Welt passieren, wenn wir diese unfairen Wünsche und Bedürfnisse immer weiter füttern?

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