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Film : «Großstadtklein»: Passable Komödie mit deutschen Jungstars

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Wogende Weizenfelder, endlose Feldwege. Plötzlich wird die Stille zerschnitten von Motorengeheul. Hilfe, die Dorfrocker kommen! Ole (Jacob Matschenz) düst mit seine beiden Kumpanen Ronny (Kostja Ullmann) und Marcel (Pit Bukowski) auf uralten DDR-Mopeds vom Typ «Schwalbe» durch den Sand von Mecklenburg-Vorpommern.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2013 | 00:26 Uhr

Abheben werden diese drei Typen hier nicht mehr. Für Ole ist das beschauliche Provinzleben abrupt beendet, als seine Familie ihn nicht ohne Hintergedanken für ein Praktikum nach Berlin schickt. Er soll bei seinem coolen Cousin Rokko (Klaas Heufer-Umlauf) wohnen und die seit Jahren zerstrittene Sippe wieder zusammenführen. Stattdessen verliebt sich Ole Hals über Kopf in die flippige Fritzi (Jytte-Merle Böhrnsen), Rokkos beste Freundin. Da ist das Chaos vorprogrammiert.

Regisseur Tobias Wiemann, der auch das Drehbuch schrieb, erzählt in seinem Spielfilmdebüt ganz unterhaltsam die nicht ganz neue Geschichte vom Landei, das in die Großstadt kommt und dort sein blaues Wunder erlebt. Produziert wurde diese gut besetzte, bisweilen aber auch arg schematische Komödie von Tom Zickler und Til Schweiger. Von Berlin bekommen wir nur die Postkartenansicht von der Oberbaumbrücke zu sehen, das Dorfleben bleibt diffus. Einen richtigen Beruf hat nur Fritzi, und die ist Erzieherin, wegen der süßen Kinderchen. Die Prügeleien sind redundant. Und warum der einzige richtige Stinkstiefel in diesem Film unbedingt schwul sein muss, bleibt das Geheimnis des Drehbuchautors.

«Wir schicken ihn nicht in den Krieg. Wir schicken ihn nur zur eigenen Familie», sagt Oles Mutter beim Abschied und sein Vater kontert: «Und wo ist da der Unterschied?». Ole und Rokko raufen sich schnell zusammen, aber ihre Väter brauchen schon volle neunzig Minuten, um die Versöhnung hinzubekommen. Dabei gibt Oles Papa (Markus Hering) den störrischen Provinzler mit Jagdgewehr im Anschlag, während Rokkos Alter (Tobias Moretti) den sportiven Berliner Kiezkämpfer mimt, der immer unter Hochdruck steht. Da gerät dann die bittersüße Liebesgeschichte zwischen dem unbeleckten Ole und der ziemlich durchtriebene Großstadtgöre Fritzi ein wenig in den Hintergrund.

Besonders tiefschürfend kommt diese «Boy meets Girl»-Komödie mit Stadt-Land-Kontrast und kaputtem Familienhintergrund nicht daher, aber sie ist unterhaltsam und routiniert inszeniert, auch wenn das Drehbuch manchmal auf der Stelle tritt und sich die meisten Probleme viel zu schnell in Landluft auflösen. Stark sind, wie so oft in deutschen Filmen, die Schauspieler, denen man noch bessere Drehbücher wünschen würde. Allen voran überzeugt Jacob Matschenz («Renn, wenn du kannst») als naiv-verschmitzter Dorfbubi, auch TV-Star Klaas Heufer-Umlauf («Circus HalliGalli») zeigt als schnoddriger Städter komisches Talent. Dazu kann man über den herrlich drögen Markus Hering und den wie immer wunderbar wandelbaren Tobias Moretti herzhaft lachen.

Großstadtklein

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