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Film : «Global Player»: Familienfirma kämpft gegen das Aus

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Die Lage ist trostlos: Das mittelständische Familienunternehmen «Bogenschütz & Söhne», das seit Generationen Textilmaschinen produziert, steht vor dem Aus. Chinesische Investoren könnten die Firma vielleicht retten, doch der Seniorchef Paul Bogenschütz stemmt sich dagegen.

Ein knorriger und grimmiger Typ von altem Schrot und Korn, der die Geschicke des Unternehmens zwar in die Hände seines Sohnes Michael (Christoph Bach) gelegt hat, sich aber noch immer kräftig in die Geschicke des Unternehmens einmischt und nie vergisst, auf sein Veto-Recht zu pochen. Doch hat die Firma in einer globalisierten Welt überhaupt eine Chance zu überleben?

Von der hippen Szene-Metropole in die Provinz: Nach seiner gefeierten Berlin-Trilogie («Berlin is in Germany», «One Day in Europe», «Berlin Calling») ist der deutsche Regisseur Hannes Stöhr in seine Heimat Baden-Württemberg zurückgekehrt, um seinen höchst aktuellen Film «Global Player - Wo wir sind isch vorne» mit reichlich Lokalkolorit zu drehen. Stöhr ist im schwäbischen Hechenheim aufgewachsen, dort kennt er sich aus, kennt die Landschaft und die Menschen mit ihren Eigenarten.

«Global Player», zwischen Drama und leiser Komödie changierend, ist im besten Sinne auch ein Heimatfilm - ohne jeden folkloristischen Kitsch. Immer wieder rückt Stöhr die Hohenzollern Burg in der Schwäbischen Alb in den Mittelpunkt - gern auch mal wolkenverhangen, wenn Ungemach droht. Den chinesischen Investoren gefällt das majestätische Bauwerk so gut, dass sie gleich ihr Kaufinteresse signalisieren. Hier sitzt das Geld. Zeit für eine kurze Abhandlung über Maultaschen («Herrgottsb'scheißerle») hat der Regisseur auch gefunden. Und es hilft, wenn man Schwäbisch oder Badisch spricht, aber «Global Player» versteht man auch so.

Die Firma «Bogenschütz & Söhne» ist nicht mehr konkurrenzfähig. Die Maschinen sind in China billiger, in Bangladesch wird günstiger produziert. Und schon lange hat Michael Bogenschütz kein Geld mehr. Das Haus gehört bereits der Bank, die keine Kredite mehr gibt. Bald können die Gehälter nicht mehr gezahlt werden. Kann sich Michael Bogenschütz gegen seinen übermächtigen Vater durchsetzen, oder muss er am Ende auch noch seinen geliebten gelben Porsche verkaufen?

«Global Player» ist neben aller Globalisierungsfragen auch die Geschichte einer traditionsreichen Familie, die sich schon lange fremd geworden ist. Die Krise lässt alle wieder enger zusammenrücken. «Die Wirklichkeit ist komplex», schreibt Stöhr auf seiner Facebook-Seite. Wichtig sei es, den richtigen Blickwinkel und den richtigen Ton für die Geschichte zu finden. Seine Vorstellung vom Geschichtenerzählen hat er auf wunderbar unspektakuläre Weise mit «Global Player» umgesetzt.

Global Player - Wo wir sind isch vorne

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erstellt am 30.Sep.2013 | 09:47 Uhr

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