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Film : Gefühlvolles Drama mit Star-Besetzung: «Der Butler»

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Berlin (dpa) – In Steven Spielbergs Welterfolg «Die Farbe Lila» debütierte die US-amerikanische Talk-Queen Oprah Winfrey 1985 als Schauspielerin im Kino und bekam dafür gleich eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2013 | 10:33 Uhr

In den vergangenen Jahren machte sich die TV-Ikone auf der großen Leinwand rar - und kehrt nun in einer Hauptrolle in Lee Daniels «Der Butler» zurück. Wie einst Spielberg reflektiert der Regisseur darin auf publikumswirksame Art den Kampf von Menschen mit schwarzer Hautfarbe gegen Missachtung und Misshandlung in den USA des 20. Jahrhunderts und gilt bereits als ein großer Favorit für die nächste Oscar-Verleihung.

Angeregt wurde das Filmdrama von der wahren Lebensgeschichte Eugene Allens (1919–2010). Er bediente von 1952 bis 1986 acht US-Präsidenten im Weißen Haus in Washington. Die bilderbuchartig aufgefächerte Story von «Der Butler» lehnt sich allerdings nur vage an die Tatsachen an. Deshalb heißt die Titelfigur im Film nicht Eugene Allen, sondern Cecil Gaines. Cecil muss als Kind eines Baumwollpflückers mit ansehen, wie seine Mutter missbraucht und sein Vater ermordet wird. Als Waise wird er in der Villa der Peiniger seiner Eltern zum «Hausnigger» ausgebildet. Das ermöglicht ihm später die Arbeit in einem Hotel. Von dort gelangt er schließlich als Butler ins Weiße Haus.

Zu den Lebensmaximen von Cecil, dem Oscar-Preisträger Forest Whitaker eine berührende, leise Würde schenkt, gehört es, sich nie Gedanken über Politik zu machen. Deshalb kann er auch nicht verstehen, dass sich sein ältester Sohn Louis als Student der Bürgerrechtsbewegung anschließt und im Kampf für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner sein Leben riskiert. Das kostet Cecil nicht nur die Liebe von Louis. Auch seine Frau Gloria (Oprah Winfrey) zieht sich zurück und flüchtet sich in den Alkohol. Cecil begreift die Zusammenhänge erst sehr spät, beinahe zu spät für das Heil seiner Familie.

Emotionaler Höhepunkt des Films ist jene Episode, in denen der greise, längst aus dem Dienst ausgeschiedene Butler die Wahl von Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika miterlebt. Er, der wegen seiner Hautfarbe einst als minderwertig und zweitklassig abgestempelt wurde, der Angst haben musste, erschossen zu werden, wenn er eine weiße Frau auch nur ansah, kann einem schwarzen ersten Mann im Staat zujubeln.

Regisseur Lee Daniels, der für sein drastisches Sozialdrama «Precious» 2010 eine Oscar-Nominierung bekam, reiht in «Der Butler» nun Episode an Episode. Er zeigt Wendepunkte der US-amerikanischen Innenpolitik zur Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft aus der Sicht Cecils. So wird beispielsweise die Ermordung von John F. Kennedy, der ein Umdenken der Gesellschaft wesentlich förderte, durch Cecils Beistand für dessen Witwe Jackie reflektiert. Besonders ausführlich beleuchtet er jedoch die langsame Wandlung Cecils durch das Engagement seines Sohnes.

In den USA avancierte der Film sofort zum Kassenhit. Viele Kritiker jubelten. Adjektive wie «brillant», «begeisternd» und «bewegend» waren mehrfach zu lesen. Im Fachblatt «The Hollywood Reporter» heißt es zudem, das Drama sei «ein filmisches Wikipedia über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung im 20. Jahrhundert». Tatsächlich erinnert «Der Butler» mit seiner Fülle an stichpunktartigen Szenen an die Art der Artikel der Internet-Enzyklopädie.

Die Mehrzahl der Schauspielstars brilliert in den Rollen von ehemaligen US-Präsidenten und deren Gattinnen. Jane Fonda und Alan Rickman als Ehepaar Reagan, Robin Williams als Dwight D. Eisenhower und John Cusack als Richard Nixon liefern pointierte komödiantische Kurzauftritte. Auch deswegen wird Daniels Ehrung der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bereits als möglicher Oscar-Kandidat gehandelt. Das wurde allerdings einst auch «Die Farbe Lila». Der Film bekam 1986 elf Nominierungen – gewann dann aber nicht eine einzige der begehrten Trophäen.

Der Butler

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