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Film : Federico Fellinis Genie lebt fort

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Er hat der Filmkunst eigenwillige und gewagte Werke beschert. Preise sammelte er im Dutzend ein, und nicht nur wegen seiner löwenhaften Gestalt ragte er heraus.

Nur gut eine Hand voll anderer Regisseure haben sich wie Federico Fellini einen Platz ganz oben im Olymp der Filmkunst sichern können. «La Strada», «Die Müßiggänger» oder «Satyricon» sind längst Klassiker des genialen Mannes aus Rimini, der vor 20 Jahren (am 31. Oktober 1993) in Rom gestorben ist. Ein Mythos war er schon zu Lebzeiten. Die Lücke jedoch ist riesig - in Italien fehlt seitdem ein «Märchenerzähler» von seinem Kaliber.

Italien vermisst seinen Fellini sehr: Seine kritische Stimme zu Werbung und Fernsehen verstummte für immer, gerade als ein Mailänder Medienzar und Milliardär namens Silvio Berlusconi seine politische Karriere startete und das Medium Fernsehen vor ziemlich fragwürdigen Neuerungen stand. Und: Der «Seiltänzer zwischen Traum und Realität» Fellini steht für eine längst vergangene Glanzzeit des italienischen Films. Noch immer werden in ungezählten italienischen Haushalten die Videokassetten mit seinen Meisterwerken abends eingeschoben.

Dabei spaltete der Starregisseur durchaus, wollte es sicher auch so: Tosender Applaus, aber auch Pfiffe und wüste Schimpftiraden gab es, als er 1960 «La dolce vita» (Das süße Leben) in die italienischen Kinos brachte. Der Streifen voller Exzesse, ungenierter Freizügigkeit und Überzeichnungen war ein Skandal, dem noch andere folgen sollten.

In seiner Heimat so verehrt wie ein Popstar, von Taxifahrern und Fans liebevoll «FeFe» genannt, schrieb er mit Werken wie «Amarcord» oder «Casanova» etliche wichtige Kapitel der Kinogeschichte des 20. Jahrhunderts. Dabei gab Fellini in seinen 25 Filmen immer auch eine Menge Rätsel auf. Dieser «Zauberer von Rimini», wie man ihn nannte, er wollte partout nicht festgelegt werden, entzog sich Deutungen.

«Wir glauben, wir sehen nur einen Film, aber in Wirklichkeit ist es die Geschichte unseres Lebens», so hat der Schriftsteller Italo Calvino erklärt, warum das Werk aus vier Jahrzehnten fasziniert - barocke Bilderbögen, zirzensische Inszenierungen und magische Traumsequenzen hallen nach. Dafür musste Fellini einen weiten Weg gehen vom italienischen Neorealismus eines Roberto Rossellini zu den surrealen, poetischen und skurrilen Bildorgien seiner späteren Werke.

Sein überbordender Einfallsreichtum zahlte sich aber aus. Der Goldene Ehrenlöwe in Venedig und Europas Filmpreis für das Lebenswerk stellten sich ein. Den Ehren-Oscar bekam Federico Fellini nur wenige Monate vor seinem Tod - aus der Hand von Marcello Mastroianni.

Und das war kein Zufall: Der italienische Starschauspieler hatte jenen Boulevardjournalisten Marcello Rubini in «La dolce vita» gespielt, aber auch die Hauptrolle in Fellinis «Achteinhalb» (1963) und «Ginger und Fred» (1986). «Achteinhalb» ist ein «Film im Film», eine Oscar-gekrönte Reflexion über die Regiearbeit, und das Spätwerk «Ginger und Fred» erzählt vom Tagesablauf zweier Tänzer beim Fernsehen, die einst als Doubles von Ginger Rogers und Fred Astaire bekannt waren. Fellini führt hier die Entfremdung des Künstlers in der anbrechenden Epoche kommerziellen Fernsehens vor Augen - und ist damit aktueller denn je.

Die weibliche Hauptrolle spielte oft Ehefrau Giulietta Masina, die bereits der ebenso armen wie naiv-liebenswürdigen Gelsomina in «La Strada» (1954) die starken menschlichen Züge gegeben hatte. Der Film machte beide über Nacht weltbekannt und zu einem Traumpaar. Wobei die Ehefrau immer mächtig unter der Untreue des Mannes zu leiden hatte, der «Sex, Essen und Filmemachen» als seine Leidenschaften beschrieben hat. Immerhin nannte er sie «die kleine gute Fee in meinem Leben».

Der Sohn eines Geschäftsmannes versuchte sich als Journalist, als Texter und Karikaturist, dann arbeitete Fellini an Drehbüchern mit. Opulente Ausstattungen und Kosten wurden zu einem Markenzeichen des Regisseurs, dessen Filme im Titel oftmals mit seinem Namen begannen: «Fellinis Satyricon» sowie «Roma», «Stadt der Frauen» und «Schiff der Träume». Der Mann, der die Selbstinszenierung liebte, hat sich mit seinem Werk in der Welt des Kinos jedenfalls unsterblich gemacht.

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erstellt am 30.Okt.2013 | 15:27 Uhr

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