Film : Familienfilm: «Das kleine Gespenst» von Otfried Preußler

Das kleine Nachtgespenst von Burg Eulenstein.
Das kleine Nachtgespenst von Burg Eulenstein.

Otfried Preußler war ein begnadeter Geschichtenerzähler. Hexen, Räuber, Gespenster und andere wundersame, rebellische und lustige Wesen bevölkern seine fantastischen Erzählungen, die Klassiker der deutschen Kinderbuchliteratur sind.

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04. November 2013, 11:47 Uhr

Nun kommt «Das kleine Gespenst» ins Kino, produziert von den Machern des «Krabat»-Films. Der Regisseur Alain Gsponer hat für seinen Realfilm die Buchvorlage von 1966 behutsam in die Moderne versetzt, dabei aber allzu große Brüche vermieden. Das Ergebnis ist ein ebenso kurzweiliger wie spannender Familienfilm, dem der augenzwinkernde und bisweilen auch liebenswert altmodische Charme vieler Preußler-Bücher innewohnt.

Der freche Geist will die Welt unbedingt am Tage erleben, nicht immer nur zur Geisterstunde. Doch oh Schreck! Als sich sein Traum erfüllt, färbt der erste Sonnenstrahl das schneeweiße Flatterwesen in tiefstes Schwarz. Den beschaulichen Ort Eulenstein versetzt der schwarze Geist in helle Aufregung - und auch das Gespenst selbst hat bald genug vom mittäglichen Spuk und will unbedingt wieder ein Nachtgeist werden. Eine schwierige Sache. Zum Glück gibt es drei mutige Kinder, die dem kleinen Gespenst dabei helfen wollen, zur Spukzeit um Mitternacht zurückzukehren.

Der Film wurde mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Er spielt in der heutigen Zeit. Gleichzeitig gibt es aber auch Anklänge an die Jahre, als alles noch etwas langsamer und weniger technisiert war, so etwa das Feuerwehrauto, ein Nostalgiefahrzeug wie aus dem Bilderbuch. Und es gibt viele lustige Szenen. Wie schon bei «Räuber Hotzenplotz» stellen sich vor allem die Respektspersonen besonders ungeschickt und dämlich an. Feuerwehrmänner, Lehrer, Polizisten und der Bürgermeister - erfüllt von ihrer Wichtigkeit und Würde müssen sie hilflos aushalten, dass ihnen das kleine Gespenst und die Kinder aufs Schönste eins auswischen.

Anna Thalbach hat dem Gespenst ihre Gesichtszüge und vor allem ihre wandelbare und wunderbar geheimnisvolle Stimme verliehen. Inbrünstig lässt sie den kleinen Spukgeist seufzen: «Einmal die Welt bei Tag erleben, das wäre mein größter Wunsch!» Besonders schön sind die Momente, in denen das Gespenst seinen besten Freund, den Uhu Schuhu, besucht und mit ihm zu mitternächtlicher Stunde über das Leben, die Geisterwelt und die Schönheiten der Erde sinniert.

Jonas Holdenrieder, Emily Kusche und Nico Hartung spielen sehr überzeugend die drei Kinder, die dem Gespenst in seiner vertrackten Lage helfen wollen. Sehenswert ist auch Herbert Knaup als Uhrmacher Zifferle, der nicht ahnt, was er mit der Reparatur der Uhr im Rathausturm angerichtet hat. Ein etwas versponnener, entrückter Typ, der vom normalen Leben keine Ahnung hat, so scheint es. Doch in Wirklichkeit weiß Zifferle sehr viel mehr, als man meint. Und dann ist da noch der selbstverliebte Bürgermeister, herrlich gespielt von Uwe Ochsenknecht, der im Film immer wieder über seine eigene Eitelkeit zu stolpern droht und so für unfreiwillige Komik sorgt.

Der Film war als Geschenk zu Preußlers 90. Geburtstag gedacht, den er am 20. Oktober gefeiert hätte. Doch der Autor starb Mitte Februar im oberbayerischen Prien am Chiemsee. Seine Tochter Susanne Preußler-Bitsch glaubt fest, dass ihm das Werk gefallen hätte: «erzählt der Film doch genauso augenzwinkernd und mit viel Humor, welchen Unsinn das kleine Gespenst durch seine Unkenntnisse anstellt und in welchen Schlamassel es dadurch gerät». Ihr selbst halfen die Geschichten über so manchen öden Museumsbesuch - stellte sie sich doch immer vor, was das Gespenst dort anstellen würde.

Das kleine Gespenst

Otfried Preußler

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