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Film : Cindy in Schönefeld - Flughafen wird Kinokulisse

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Über den neuen Berliner Flughafen ist mancherorts buchstäblich Gras gewachsen. Kameramann Benedict Neuenfels, in der Filmbranche ein bekannter Name, kann sich kaum einkriegen über die Motive, die sich rund um Schönefeld bieten.

«Schauen Sie, wie sich die ganze Fauna wehrt, das ist doch fantastisch!», sagt er mit Blick auf das munter sprießende Unkraut am menschenleeren Platz vor dem Terminal. Etwas abseits setzt sich eine Besuchergruppe Bauhelme auf, die Bushaltestelle ist verwaist.

Der neue Hauptstadtflughafen ist wohl noch lange nicht startbereit. Jetzt wird er nach Angaben des Filmteams das erste Mal Kulisse fürs Kino. Regisseurin Sylke Enders ist eine der wenigen Filmemacherinnen, die sich freut, wenn ihr beim Drehen Easy-Jet-Maschinen über den Kopf donnern.

«Schönefeld Boulevard», der 2014 ins Kino kommen soll, handelt von der 18-jährigen Cindy, die mit ihren Eltern nahe der Baustelle wohnt. Der füllige Teenager hat es nicht leicht. Es gibt gewisse Parallelen: Wie der neue Flughafen steht auch Cindys Hoffnung still. Doch dann entdeckt sie dank der Bekanntschaft mit Geschäftsreisenden die weite Welt vor ihrer eigenen Haustür, wie der Film verspricht.

Eine Geschichte vom Erwachsenwerden also, in einer Gegend, in der die Großstadt ausfranst ins flache Umland. Hauptdarstellerin Julia Jendroßek (21) ist eine Neuentdeckung. Sie mag, «dass man nicht nach New York oder London fahren muss, um spannende Geschichten zu erzählen». An ihrer Seite spielt Daniel Sträßer (26) vom Wiener Burgtheater ihren besten Freund.

Sylke Enders, die 2004 für die Teenagerstudie «Kroko» beim Deutschen Filmpreis eine silberne Lola bekam, ist in der Nähe, in Kleinmachnow, aufgewachsen. Die 48-Jährige kennt noch die lauten russischen Maschinen, die zu DDR-Zeiten flogen. Die Idee zum Film hatte sie vor einigen Jahren an einer Bushaltestelle in Schönefeld.

Die Geschichte musste Enders umschreiben. Die Eröffnung des neuen Flughafens wurde mehrfach verschoben, was sich fürs Kino als Chance herausstellte. «Für den Film ist es eine hübsche Metapher für den momentanen Stillstand», sagte Enders beim Set-Termin am Freitag.

Der Flughafenbau brachte Berlin Hohn und Spott. Das scheint für die Filmförderung aber keine Rolle zu spielen. Das Projekt gehört zur «Leuchtstoff»-Filminitiative von RBB und Medienboard Berlin-Brandenburg, die das Arthauskino unterstützt. «Der Stoff passt wie die Faust aufs Auge», sagt RBB-Redakteurin Cooky Ziesche.

Sylke Enders gefällt es in Schönefeld, wo sie viel Freundlichkeit erlebt: «Die grüßen hier!» Später will das Team noch auf einem Friedhof drehen. Der liegt in der Einflugschneise des alten Schönefelder Flughafens und wird regelmäßig von einem Fuchs besucht. Wieder schöne Motive für den Film.

Sylke Enders bei IMDB

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erstellt am 30.Aug.2013 | 15:07 Uhr

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