Film : Burt Lancaster: Draufgänger und Charakterdarsteller

1,85 Meter groß, drahtige Muskeln und ein umwerfendes Lächeln: Burt Lancaster zählte zu Hollywoods schönsten Männern. Als galanter Pirat in «Der rote Korsar» oder als stoppelbärtiger Westernheld in «Vera Cruz» strahlte der Schauspieler geballte Männlichkeit aus.

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01. November 2013, 22:07 Uhr

Doch Lancaster konnte mehr: Mit den Jahren wurde er zu einem der markantesten Charakterdarsteller in Hollywood. Am 2. November vor 100 Jahren wurde er als Sohn eines Postangestellten in New York geboren. Er starb kurz vor seinem 81. Geburtstag - in der Nacht zum 21. Oktober 1994 - in Los Angeles.

In vier erfolgreichen Jahrzehnten vor der Kamera drehte er mehr als 70 Filme mit vielen unvergesslichen Szenen. Sein charismatisches Auftreten öffnete ihm in Hollywood die Türen, eine Ausbildung als Schauspieler hatte er nicht. Trotz Sportstipendiums an der New Yorker Universität hatte er keinen Abschluss. Er jobbte als Zirkusakrobat und Trapezkünstler, schlug sich als Verkäufer durch und wurde zum Kriegsdienst eingezogen.

Als Schauspieler war Lancaster ein Spätzünder. Erst im Alter von 32 Jahren gab er sein Leinwanddebüt. In Robert Siodmaks Hemingway-Verfilmung «Rächer der Unterwelt» spielte er ein Mordopfer. Gleich sein erster Auftritt in dem düsteren Krimi der Schwarzen Serie machte in Hollywood Furore. Es folgten weitere Thriller und Western.

Mit dem Abenteuerfilm «Der Rebell» (1950) füllte Lancaster die Kinokassen. Seinen Ruf als draufgängerischer Leinwandheld festigte er zwei Jahre später mit dem Piraten-Hit «Der rote Korsar». Spätestens seit Fred Zinnemanns Epos «Verdammt in alle Ewigkeit» (1953) nahm man Lancaster auch als Charakterdarsteller ernst. In dem mit mehreren Oscar-Trophäen prämierten Kriegsdrama spielt er einen Sergeant, der sich in die Frau eines Vorgesetzen verliebt. Die freizügige Liebesszene zwischen Lancaster und Deborah Kerr in der Meeresbrandung am Strand von Hawaii schrieb Filmgeschichte. Die Rolle brachte Lancaster seine erste Oscar-Nominierung ein.

Sein einziges Oscar-Gold erhielt Lancaster für seine Rolle als gerissener, scheinheiliger Wanderprediger in «Elmer Gantry»» (1960). Eine weitere Nominierung verdiente er sich 1962 in der Rolle des Häftlings Robert Stroud, dem berüchtigten «The Birdman of Alcatraz» («Der Gefangene von Alcatraz»).

Die nächste Oscar-Hoffnung ließ lange auf sich warten. Unter der Regie des französischen Meisterregisseurs Louis Malle glänzte Lancaster 1980 in «Atlantic City» als alternder Ganove, der sich in eine jüngere Frau (Susan Sarandon) verliebt. Bei der Preisverleihung unterlag Lancaster seinem Kollegen Henry Fonda («Am goldenen See»).

Mit seinem engen Freund Kirk Douglas stand Lancaster mehrere Mal vor der Kamera - angefangen beim Gangsterdrama «14 Jahre Sing Sing» (1947) bis hin zu der selbstironischen Gaunerkomödie «Archie & Harry - Sie können's nicht lassen» (1986).

Luchino Visconti gab Lancaster in seinem opulenten Gesellschafts- und Liebesdrama «Der Leopard» (1963) an der Seite der jungen Claudia Cardinale und von Alain Delon eine fürstliche Rolle. Bernardo Bertolucci holte ihn 1976 für sein über fünfstündiges Klassenkampf-Epos «1900» vor die Kamera.

Seinen letzten Auftritt vor der Filmkamera hatte Lancaster mit Mitte Siebzig neben Kevin Costner in dem Sportdrama «Feld der Träume». Auch in dem Fernsehdrama «Die Entführung der Achille Lauro» wirkte er noch mit. Ein Schlaganfall im Winter 1990, von dem er sich nie mehr richtig erholte, setzte seiner langen Karriere ein Ende.

Doch Lancaster, der aus seiner zweite Ehe fünf Kinder hatte, gab noch einmal sein Jawort. Von 1991 bis zu seinem Tod war er mit seiner dritten Frau Susan Martin zusammen. Lancaster erlag kurz vor seinem 81. Geburtstag einem Herzschlag.

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