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Film : Berlinale-Erfolg: «Aus dem Leben eines Schrottsammlers»

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Berlin (dpa) – Szenen aus Europas Wirklichkeit: Eine Frau, deren Schwangerschaft lebensbedrohlich verläuft, muss das Schlimmste fürchten, nur weil sie arm ist.

Es ist eine wahre Geschichte, die der international renommierte bosnische Regisseur Danis Tanovic in seinem Film «Aus dem Leben eines Schrottsammlers» erzählt. Das beginnt beinahe idyllisch - eine Frau kocht und bäckt für ihre Kinder. Sie kümmert sich um Haushalt und Familie, während ihr Mann verschrottete Autos ausschlachtet. Der Erlös aus dem Verkauf von Metallteilen sichert einen minimalen Unterhalt. Man hat sich scheinbar in der Armut eingerichtet. Nach wenigen Szenen aber ist klar, dass es der Schwangeren nicht gut geht. Sie braucht dringend medizinische Hilfe.

Die Roma-Familie wohnt am Rande von Sarajevo. Durch die Hilfe von Nachbarn schafft es Schrottsammler Nazif, seine Frau Senada zu Ärzten zu bringen. Ein rascher Eingriff ist lebensnotwendig. Doch die Familie ist weder krankenversichert, noch hat sie das erforderliche Geld. Die Umstände zwingen zu Betrug. Nur dadurch, dass sich Senada als eine krankenversicherte Verwandte ausgibt, kann sie überleben.

Seit seinem 2002 mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichneten Erfolg, dem Anti-Kriegsfilm «No Man’s Land», gilt Tanovic als einer der politisch engagiertesten Regisseure Osteuropas. Dem guten Ruf wird er auch dieses Mal gerecht. Es ist kein Zufall, dass die Akteure dieselben Namen wie die Filmfiguren tragen - sie spielen ihr eigenes Schicksal im Film nach.

Tanovic hat nicht nur den auf der Berlinale 2013 als bester Hauptdarsteller ausgezeichneten Nazif Mujić zu einer erstaunlich intensiven Leistung geführt. Dank ihrer Authentizität wird der von eisgrauen Winterbildern geprägte Film zu einer berührenden, warmherzigen Ballade von Kampfesmut, Überlebenswillen und Klugheit. Ganz nebenbei und fern von Agitation wird dabei von der Benachteiligung einer Minderheit, in diesem Fall der Roma, mitten in Europa berichtet.

Das Werk hat nur einige zehntausend Euro gekostet. Gedreht wurde mit drei kleinen Digitalkameras. Formal ist das ein kleiner Film. Doch die Wirkung ist enorm. Denn die Montage aus Dokumentation und Fiktion fesselt als wirklichkeitsnahes Sozialdrama und zieht das Publikum durch das spürbare Engagement aller Mitwirkenden unausweichlich in seinen Bann.

Aus dem Leben eines Schrottsammlers

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erstellt am 07.Okt.2013 | 10:33 Uhr

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