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Film : «Austenland» - Zwischen Ironie und England-Kitsch

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Jerusha Hess bringt eine ganz eigene Jane-Austen-Geschichte auf die Leinwand: Im «Austenland» ist die Welt noch in Ordnung und Männer halten Frauen die Tür auf.

Vor 200 Jahren schon starb Jane Austen, doch sie hat eine ganze literarische Welt hinterlassen, ein Universum, das auch die Frau des 21. Jahrhunderts noch in Entzücken versetzt. Ihre Bücher wie «Vernunft und Gefühl», «Emma» und «Stolz und Vorurteil» stehen bei Frauen aller Altersklassen im Bücherregal. Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht einer ihrer Stoffe wieder den Weg auf die Leinwand findet. Sei es in Verfilmungen wie der «Stolz und Vorurteil»-Version mit Keira Knightley oder etwas verfremdet als «Bridget Jones», deren Männer mit den Rivalen in Austens Klassiker einiges gemeinsam haben. Mark Darcy heißt schließlich nicht zufällig so.

Die Version, die jetzt mit «Austenland» von Jerusha Hess in die Kinos kommt, versucht noch einmal einen anderen Dreh - und macht aus der Welt von Jane Austen einen kitschigen Freizeitpark, eine Erlebniswelt für frustrierte Single-Frauen, inszeniert von der findigen Geschäftsfrau Mrs. Wattlesbrook («Dr. Quinn» Jane Seymour). Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Buch von Shannon Hale.

Einmal Eliza Bennet sein, einmal in den Armen von Mister Darcy liegen. Welche Frau, die Jane Austens «Stolz und Vorurteil» gelesen oder wenigstens in der BBC-Verfilmung gesehen hat, wie Oscar-Preisträger Colin Firth tropfnass und mit durchsichtigem Hemd aus einem Teich klettert, träumt schließlich nicht davon?

Für Jane (Keri Russel, bekannt als Hauptdarstellerin der Serie «Felicity») soll all das aber kein Traum bleiben und so macht sich die von der Realität zwar einigermaßen frustrierte, im Herzen aber ein träumendes Mädchen gebliebene Mit-Dreißigerin aus den USA auf den Weg nach England, ins «Austenland». Hier, da ist sie sich sicher, findet sie ihren Mister Darcy.

Und so taucht sie für ein Heidengeld ein in die Welt von Jane Austen, in der die Männer zwar Schauspieler aber dennoch Gentlemen sind, der Frau aufs Pferd helfen und ihnen bei Kälte und Regen Jacken schützend um die Schultern hängen - schmacht. Ihre Gefährtin auf der Reise wird die Klischee-Amerikanerin schlechthin: Elizabeth Charming («Stifflers Mum» Jennifer Coolidge).

Das Problem: Jane hat trotz horrender Preise nur das Spar-Paket gebucht, muss in einem schlichten Zimmer schlafen und die Rolle eines mittellosen Mädchens spielen. Zum Glück sind diese Frauen (arm, aber schlau und schön) bei Jane Austen immer die Hauptpersonen. Und so erlebt Jane genau das, was auch Marianne in «Vernunft und Gefühl» oder eben Eliza Bennet in «Stolz und Vorurteil» erleben. Liebeswirrungen inklusive - und die Frage: Was ist echt und was nur Schauspiel?

Das ist streckenweise überaus unterhaltsam. Amerikaner, die auf englische Reinkultur treffen - allein das hat schon großen Unterhaltungswert. Vor allem diejenigen, die Austens Bücher in und auswendig kennen und die ein oder andere Verfilmung gesehen haben, werden ihren Spaß haben an zahllosen Querverweisen und an einer Ironie, wie sie vielleicht auch Jane Austen selbst gefallen hätte.

Leider aber hält der Film das nicht durch und entwickelt sich schließlich so vorhersehbar, dass der Kitsch bald nahezu unerträglich wird. Aber vielleicht ist auch das nur Ironie.

Austenland

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erstellt am 14.Okt.2013 | 10:31 Uhr

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