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Film : «Albert Nobbs»: Drama mit Glenn Close

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Albert Nobbs ist ein guter Mann. Korrekt und mit unbeweglicher Miene serviert er in seinem hoch geschlossenen Kellnerfrack den Stammgästen des Dubliner Hotels «Morrison's» im späten 19. Jahrhundert das Dinner und stellt Rosen hin.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 12:23 Uhr

Pünktlich entzündet er Lampen, nachts putzt er einen Berg Schuhe. «So ein freundlicher kleiner Herr», stellt entzückt eine opulent gekleidete und frisierte Dame fest. Seit Jahrzehnten hütet er allerdings ein Geheimnis: Albert Nobbs ist in Wahrheit eine Frau. Die wird in der Hollywood-Produktion «Albert Nobbs» von der fast schon legendären Glenn Close (66, «Gefährliche Liebschaften») verkörpert.

Nach einer Kurzgeschichte von 1918 des provokanten irischen Schriftstellers George Moore und dem Drehbuch des Iren John Banville hat der in Kolumbien geborene Regisseur Rodrigo Garcia (TV-«The Sopranos») die bizarre Erzählung 2011 als sozialkritisches Kostüm-Drama in Szene gesetzt. Dafür gab es unter anderem drei Oscar-Nominierungen.

Trauriges Thema ist hier die nur mit tragischen Konsequenzen zu unterdrückende Sehnsucht nach einem Leben ohne - sexuelle - Selbstverleugnung. Der unehelich geborene Nobbs trägt jahrzehntelang eine Kellnermaske, weil ihm die Gesellschaft im katholischen Irland jener Zeit eine Identität als Frau ohne Mann und Familie nicht zugebilligt hätte. Seine Scheinwelt bricht zusammen, als er die Lesbe «Hubert» Page (Janet McTree) trifft, die ihre Neigungen zwar auch getarnt, aber ungleich vitaler auslebt. Nun will Nobbs das Dienstmädchen Helen (Mia Wasikowska) heiraten.

Close' Darstellung des bleichgesichtigen Transvestiten mag man als filmpreiswürdig betrachten. Man darf sie aber auch als seltsam schablonenhaft empfinden. Stets starr blickt sie unter ihrem schlecht sitzenden Bowlerhut aus hellblauen Knopfaugen auf die Welt, betont ungelenk bewegt sie den Körper wie einen Roboter. Ihre Auftritte wirken dann ebenso effektbewusst wie die aufwendig gestaltete Hotelszenerie um sie herum. Weniger Rahmen und Nebenhandlungen, dafür mehr Konzentration auf die Seelenregungen seines einsamen Helden hätten Garcias Film gut getan.

Albert Nobbs

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