Ankommen Multikulti bei „Kultur Grenzenlos“ in Kiel

Von Lukas und Runa | 12.08.2022, 13:11 Uhr

Das Tandemprojekt hilft Menschen aus anderen Ländern, in Deutschland anzukommen. Die KiWi-Reporter recherchieren, wie es funktioniert.

Ruhig, offen, grau – so beschreibt Ali Baki Schleswig-Holstein in drei Worten. Er ist 2018 aus politischen Gründen aus der Türkei geflohen. Sein Weg nach Deutschland war nicht einfach. Doch als er hier ankam, war er dankbar, für die Offenheit, die ihm entgegengebracht wurde. Ursprünglich hatte er ein negatives Bild von Deutschland, welches sich mit seiner Ankunft hier schlagartig verbessert hat. Zwar fühlt sich Ali hier noch nicht zu Hause, „aber es wird jeden Tag besser”. 

So überwiegt die Hoffnung auf ein sicheres Land über die Trauer sein Heimatland zu verlassen.

Menschen wie Ali hilft das Projekt „Kultur Grenzenlos” in Kiel. So können sich Personen mit Migrationshintergrund besser in die Gesellschaft integrieren, da sie mit anderen zusammengebracht werden. Durch Veranstaltungen wie Sportturniere, Kochabende und Malstunden treffen verschiedene Kulturen aufeinander und die Menschen werden offener für Neues. 

Ein großer Bestandteil dieses Systems ist das Tandemprojekt. Dabei wird immer ein Flüchtling mit einem Menschen aus Deutschland gepaart. Gemeinsam unternehmen sie Aktivitäten, gehen Essen oder spazieren und tauschen sich aus. So entstehen neue Freundschaften und die Gewöhnung an eine neue Kultur wird einfacher. 

Auch Ali wird ab nächster Woche Teil des Tandemprojekts.

Marieke Stöhr arbeitet als Projektkoordinatorin bei Kultur Grenzenlos. In dem Projekt ist ihr wichtig, dass sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, und dass verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. „Ich darf ganz viele verschiedene Lebensgeschichten, Erfahrungen und Perspektiven kennenlernen”, erzählt  Marieke. Sie hat selbst als Teilnehmerin bei Kultur Grenzenlos angefangen, um neue Menschen kennenzulernen. Es geht nicht darum, Probleme zu lösen, sondern zusammen Spaß zu haben. 

Ali studiert inzwischen hier in Deutschland und spricht fließend Deutsch. Er suchte ein Praktikum und ist so auf das Projekt Kultur Grenzenlos aufmerksam geworden. Er rät anderen Flüchtlingen, sich auf das Positive in dem neuen Land zu fokussieren und an Events in der Stadt teilzunehmen. „Wenn die Menschen verstehen, warum man flieht, können sie einen besser akzeptieren”, erzählt Ali. Deswegen ist ihm Austausch wichtig.

Manche Teilnehmer werden in ihrem Alltag mit Rassismus und Kritik konfrontiert. In diesem Fall versucht das Team, den Menschen ihren Standpunkt zu erklären. Sie wollen eine sogenannte „offene Gesellschaft” herstellen. Das ist, so erklärt Marieke, „ein Zusammenleben, in dem alle gleich viel Wert sind.” Man soll jeden Menschen gleich und respektvoll behandeln. Dazu muss man seine Einstellung hinterfragen und sich über Diskriminierung informieren. Bei Kultur Grenzenlos sind sie auf einem guten Weg zu so einer Gesellschaft. 

Noch keine Kommentare