Wissenschaftler für ein Wochenende Kinder graben eine Siedlung aus dem Mittelalter aus

Von Kay Müller | 12.06.2022, 10:06 Uhr

Das gibt es nur in Schenefeld. In dem Ort im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein suchen Kinder und Erwachsene nach den Spuren ihrer Vorfahren – und finden dabei sogar Menschenknochen. Wir haben mit einigen der jungen Forscher gesprochen.

Lukas hat etwas gefunden. „Gib’ mal die Zahnbürste, Papa“, sagt er zu seinem Vater Jan-Mirko Krafczyk. Der gibt dem Neunjährigen bereitwillig das Instrument, mit dem der Junge sorgsam einen kleinen Stein von Dreck befreit. „Das könnte ein Ziegel sein“, sagt Lukas und legt sein Fundstück in eine kleine Tüte.

Denn Lukas ist Teil der Aktion „Schenefeld gräbt aus“. Dabei suchen vor allem die Einwohner des Ortes im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein nach Spuren ihrer Vorfahren. Und das auf Privatgrundstücken in der Nähe der Kirche, denn die gibt es schon seit vielen hundert Jahren. „Man denkt bei alten Siedlungen in Schleswig-Holstein vor allem an Städte wie Schleswig“, sagt die Koordinatorin der Grabungs-Aktion, Ilka-Elisabeth Rau. „Dabei hat Schenefeld die wohl längste Siedlungs-Kontinuität in Schleswig-Holstein.“ Das bedeutet, dass man seit dem 8. Jahrhundert durchgehend bis heute immer wieder Spuren von Menschen gefunden hat, die dort gelebt haben.

Wie haben die Menschen vor 1300 Jahren gelebt?

Und jetzt suchen eben die Kinder mit den Erwachsenen gemeinsam, nach weiteren Puzzleteilen, die später einmal im besten Fall eine Karte ergeben. Auf der könnte man erkennen, wie Schenefeld vor 1300 Jahren ausgesehen hat, als die Menschen noch mit Pferden, Schildern und Speeren unterwegs waren. Lukas kann sich das nicht so richtig vorstellen. Er würde am liebsten einen Römer-Helm finden, was allerdings schwierig wird, da die Römer gar nicht so weit nach Norden gekommen sind.

Dafür hat Lukas in einem 1 mal 1 Meter großen, abgesteckten Rasenstück schon einen Teil eines Menschenknochen gefunden. „Hier“, sagt der Neunjährige und tippt auf seinen Ellbogen. Profiforscher wie Ilka-Elisabeth Rau vom Cluster of Excellence werden später genauer bestimmen, wie alt der Knochen ist – und so mehr darüber erfahren, wie die Menschen in Schenefeld früher gelebt haben.

Dass es dort Häuser gegeben haben muss, hat Benjanik Böge schon herausgefunden. Vorsichtig befreit er ein Stück Ziegel von der Erde. „Davon habe ich schon jede Menge gefunden“, sagt der Zehnjährige, der am liebsten einen Dino-Knochen finden würde. „Nach denen suchen aber keine Archäologen“, sagt Ilka-Elisabeth Rau. „Sondern, die Pa...“ und Lukas ergänzt: „...läontologen.“

Einzigartige Aktion

Bislang gibt es das Grabungs-Projekt in Deutschland nur in Schenefeld. Ilka-Elisabeth Rau kann sich aber vorstellen, dass es bald weitere Aktionen gibt, bei denen die Menschen mehr über ihren Heimatort erfahren. In England gebe es jedenfalls schon Tausende solche Aktionen, bei denen die Menschen eben nicht buddeln, wie Lukas weiß: „Wir graben hier.“

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