Flutkatastrophe Als das Hochwasser kam

Von Helena Schwar/dpa | 29.07.2021, 01:00 Uhr

Emilia und ihre Schwester Cosima leben an der Erft. Dort hat das Hochwasser vor etwa zwei Wochen viele Häuser und Straßen zerstört. Auch ihr Zuhause wurde überflutet.

Dass der Fluss Erft manchmal über das Ufer tritt, ist für die Bewohner des Stadtteils Arloff in Bad Münstereifel keine Überraschung mehr. „Der Fluss steigt immer an, wenn es regnet“, erzählt die zehnjährige Emilia. Doch an dem Tag, als das Hochwasser kam, regnete es sehr lange sehr stark. Rund zwei Wochen ist dieser Tag nun her. „Irgendwann kam das Wasser aus dem Gulli gesprudelt und lief die Straße herunter in den Fluss“, erinnert sich Emilia.

In die erste Etage gerettet

Am frühen Abend war der Fluss so voll, dass er über das Ufer trat und in die Häuser lief. Mit Sandsäcken versuchten Emilia, ihre Schwester Cosima und ihre Eltern, das Wasser aufzuhalten. „Da dachten wir, das kann man wegwischen“, erzählt die fünf Jahre alte Cosima. Doch als das Wasser weiter anstieg, entschloss sich die Familie alles, was ihnen wichtig ist, in die erste Etage zu bringen. „Das war stressig. Ich habe Bauchschmerzen bekommen“, sagt Cosima.

Fluss lief einmal quer durchs Haus

Die zwei Schwestern schliefen an diesem Abend zusammen ein und bekamen nicht mit, was unten im Haus passierte. Dort stieg das Wasser immer weiter an und der Strom fiel aus. „Dann flog die Haustür mit einem lauten Knall auf, weil der Druck des Wassers so stark war“, erzählt Helene, die Mutter von Cosima und Emilia. Durch die offene Tür rauschte das Wasser in das Haus der Familie und drückte alle Möbel durch das Zimmer, bis an die Terrassentür, die ebenfalls kaputt ging. „Der Fluss lief dann einmal quer durch unser Haus“, berichtet Helene weiter. Dabei sind die Möbel, der Boden und die Tapete zerstört worden.

Familie war geschockt

Was unten passierte, erfahren Emilia und Cosima erst, als sie am nächsten Morgen aufwachen. „Ich dachte nur ,Oh nein’!“, erzählt Emilia. „Ich konnte es mir nicht richtig vorstellen, dass alles weg ist und kaputt. Ich dachte, das ist nur ein bisschen Wasser im Flur. Ein schockierendes Gefühl.“ Erst als ihre Oma sie abholte, sahen die beiden, was an ihrem Haus und draußen auf der Straße alles kaputt gegangen war. Bei ihren Großeltern haben die beiden Schwestern dann auch geweint.

Bis das Haus und auch das Dorf wieder repariert und aufgeräumt sind, dauert es noch. So lange bleiben Emilia und Cosima mit ihren Eltern bei Oma und Opa. Emilia gibt niemandem die Schuld für die Flut. „Dafür kann niemand etwas. Das war ja nur Regen. Aber jeder Tropfen war zu viel“, sagt sie. Aber sie findet: „Man hätte uns Bescheid geben müssen.“