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Kinder- und Jugendbuchwoche : Wort-Schlachten und lebende Bücher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Björn Högsdal moderiert am Freitag die Eröffnungsfeier der 31. Kinder- und Jugendbuchtage. dabei dreht sich alles um Poetry Slam.

Wer in Norddeutschland wohnt und Poetry Slams (gesprochen: Poetri Släms) mag, hat Björn Högsdal (Foto) vielleicht schon auf der Bühne gesehen. Freitagabend spielt der Wortliebhaber und Wettkampf-Dichter aber nur eine Nebenrolle: Die Hauptarbeit übernehmen Achtklässler vom Eutiner Voß-Gymnasium. Sie zeigen einen Poetry- und einen Book-Slam – also einen Dichterwettstreit und eine Bücher-Show. Wie Högsdal damit sogar Lesemuffel hinterm Ofen hervorlocken will, verrät er euch im Interview:

Sie sind ein Wettkampf-Dichter und moderieren Poetry Slams. Wie läuft so eine Dichter-Schlacht ab?

Björn Högsdal: Bei Poetry Slams gibt es ein paar Regeln: Man darf nur mit selbstgeschriebenen Texten antreten und es gibt immer ein Zeit-Limit, meistens von fünf bis sechs Minuten. Am Ende wird ein Sieger bestimmt. Dazu lädt man aber keine Deutsch-Professoren ein. Die Menschen, die am Abend zum Poetry Slam kommen, sind selbst die Jury – und entscheiden aus dem Bauch heraus, wer gewinnt. Das Ganze ist eine schöne Möglichkeit, Texte auszuprobieren, viel übers Schreiben zu lernen, Feedback zu bekommen und auch noch Spaß auf der Bühne zu haben.

Zur Eröffnung der Kinder- und Jugendbuchtage gibt es einen Poetry Slam mit Achtklässlern. Wie bereiten Sie die Jugendlichen darauf vor?

Ich habe ihnen gezeigt, wie man von der Idee zum Text, vom Text zur Präsentation auf der Bühne kommt. Am Ende des Workshops hat man eine Vorstellung, wie man selbstgeschriebene Texte gut vortragen und lebendig machen kann. Heute Abend wird es auch noch einen Book-Slam geben. Die Kinder stellen dabei Bücher vor, die sie gern mögen – und zwar unterhaltsam und spannend: Zum Beispiel spielen sie Szenen aus den Büchern wie im Theater.

Warum gehören ein Book-Slam und ein Poetry Slam unbedingt zu den Kinder- und Jugendbuchtagen dazu?

Beides sind tolle Zugänge, um mit Sprache und Literatur zu arbeiten. Das Book-Slam finde ich sehr spannend, weil es Appetit auf Bücher machen kann. Und Poetry Slam macht an sich schon Lust auf Sprache. Ich kenne selber viele Menschen, die über Poetry Slam zur Literatur gekommen sind. Die haben beim Poetry Slam gemerkt, dass eine Geschichte oder ein Gedicht einen Menschen wirklich berühren und einem etwas geben können.

Also eine gute Möglichkeit, echte Lese-Muffel hervorzulocken?

Absolut, ja!

Haben Sie einen Tipp, wie das Lesen von dicken Wälzern mehr Spaß macht?

Eine schwierige Frage. Auf jeden Fall sollten Eltern ihren Kindern so früh wie möglich aus Büchern vorlesen. Dabei darf man die Kinder ruhig fordern, daran wachsen sie! Und dann haben sie später vielleicht eher Lust, einen Goethe zu lesen, als jemand, der nur Teletubbies geschaut hat. Außerdem ist das Vorlesen etwas Schönes, das Begeisterung weckt und viel Liebe und Wärme schafft.

Was sind die spannendsten Romanfiguren aus Ihrer Kindheit?

Ich lese viele Kinderbücher, noch heute immer wieder. Eines davon ist „Krabat“ von Otfried Preußler. Das ist eine düstere, aber tolle Geschichte. Auch „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren oder „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende bin ich nie losgeworden. Überhaupt habe ich fast jede Figur von Astrid Lindgren geliebt. Aber auch Bücher wie „Robin Hood“ fand ich spannend, weil man nebenbei etwas über Geschichte erfährt.

Sie bieten auch Workshops für Lehrer an. Was können die von Ihnen lernen?

Es gibt immer mehr Lehrer, die von Poetry-Slam begeistert sind. Denen bringe ich bei, wie Slams funktionieren. Später können sie dann selbst Slams mit ihren Klassen veranstalten.

Glauben Sie, dass es Unterschiede zwischen Büchern für Kinder und Erwachsene gibt?

Ja, Bücher müssen immer den Lebenswelten der Leser entsprechen. Aber gute Kinder- oder Jugendbücher enthalten so viel Welt und Leben, dass sie auch Erwachsenen Spaß machen. Harry Potter ist ja eine Reihe, die auch Erwachsene begeistert hat. Genau wie die Tintenherz-Geschichten von Cornelia Funke.

Was ist das Schlimmste, was heute beim Eröffnungsabend passieren könnte?

Dass alle Teilnehmer gleichzeitig Salmonellen bekommen. Dann stünden wir inhaltslos da. Ich bin an diesem Abend ja nicht als Autor da, sondern als Moderator. Na ja, ohne Publikum geht das natürlich auch nicht. Aber dass das Haus stehen bleibt, solange wir darin slammen, haben wir schon überprüft. Also: Ich wüsste nicht, was da noch schieflaufen sollte.

 



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