zur Navigation springen

Tiere im Wattenmeer : Wo der Seestern zu Hause ist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Tiere im Wattenmeer mögen ihre Heimat so, wie sie ist. Veränderungen durch den Klimawandel gefährden Arten.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 01:22 Uhr

Hunderte kleine Saugfüßchen krabbeln nur in eine Richtung: ins Nordseewasser. Die Füßchen gehören dem Seestern. Der kleine Stachelhäuter streckt sie lang aus, sie saugen sich fest und ziehen den Körper vorwärts. Irgendwann purzelt der Seestern dann in sein geliebtes Wasser, das eine ordentliche Portion Salz auf den Lippen hinterlässt – aber auch nicht zu viel.

Der Seestern hatte die Auswahl. Er liegt auf einem Kreuz zwischen vier Gewässern – Nordsee, Ostsee, Rotes Meer und Süßwasser, wie es in Seen zu finden ist. Wer auf eine Karte guckt, sieht, dass das Rote Meer Tausende Kilometer entfernt liegt. Und auch zwischen Nord- und Ostsee kann ein Seestern nicht an einem Tag hin- und herkrabbeln. Das geht nur in einem Versuch – und zwar im Multimar Wattforum. Hier können Kinder und Jugendliche im Schülerlabor verschiedene Versuche zum Klimawandel im Wattenmeer machen. Doch was hat die Vorliebe des Seesterns für Nordseewasser mit dem Klimawandel zu tun?

Der Salzgehalt in den Meeren ist unterschiedlich. Die Nordsee ist salziger als die Ostsee. Das Rote Meer ist noch salziger als die Nordsee. Die meisten Seen haben fast gar kein Salz, sie sind mit Süßwasser gefüllt. Das heißt, sie haben eine Salinität – das ist ein anderes Wort für Salzgehalt – von weniger als 0,1 Prozent.

Die Seesterne im Wattenmeer sind an die Salinität in der Nordsee angepasst, ebenso wie viele andere Tiere, die dort leben. Der Salzgehalt in ihrem Körper entspricht dem ihrer Umgebung. Das ist wichtig für Tiere wie den Seestern: Wenn sie ins Rote Meer umziehen müssten, würden sie austrocknen. In der Ostsee würde das Gegenteil passieren – sie würden mit Wasser volllaufen.

Der Klimawandel bringt aber die Gewässer der Erde durcheinander. Durch die Erwärmung schmelzen Gletscher ab. Sie sind aus Süßwasser und können so Meerwasser verdünnen. Auch mehr Niederschläge wie Regen und Schnee verdünnen das Wasser. Doch das sind nicht die einzigen Einflüsse, die Forschern Sorgen bereiten. Vor allem beeinflusst der Klimawandel die Strömungen in den Meeren und der Meeresspiegel steigt. Wie sich das genau auf den Seestern und seine Mitbewohner im Wattenmeer auswirkt, kann noch niemand sagen. „Wir sprechen von Veränderungen, die langsam stattfinden, in Hunderten von Jahren“, sagt Professor Karen Wiltshire vom Alfred Wegener Institut auf Sylt. Sie und ihre Kollegen erforschen die Entwicklungen in der Nordsee.

Ob der Seestern es dem Seestern eher zu viel oder zu wenig Salz wird, können Wissenschaftler noch nicht sagen, denn momentan strömt auch viel salziges Atlantikwasser in die Nordsee. Doch eines ist sicher: „Wir wissen, dass sich das Wattenmeer verändert“, sagt Karen Wiltshire. Ob der Seestern und seine Mitbewohner sich auf Dauer an die Veränderungen anpassen können, bleibt abzuwarten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert