Menschenskinder : Wir wollen unsere Erzieher zurück!

Sina, Philipp und Momme demonstrieren mit ihren Erziehern gemeinsam dafür, dass sie mehr Geld bekommen. Denn sie wollen in der Kita gut betreut werden.
Sina, Philipp und Momme demonstrieren mit ihren Erziehern gemeinsam dafür, dass sie mehr Geld bekommen. Denn sie wollen in der Kita gut betreut werden.

Seit zwei Wochen sind viele Kindertagesstätten im Land geschlossen – wegen einem Streik. Sina, Momme und Philipp finden das nicht gut.

shz.de von
22. Mai 2015, 01:09 Uhr

Sina (6), Momme (5) und Philipp (6) sind sauer. Seit zwei Wochen ist ihr Kindergarten geschlossen. Das ist blöd, denn: „Da kann man immer so toll malen, weil immer die richtigen Farben da sind“, sagt Sina. Und Momme baut dort gern Sachen. Philipp vermisst das besondere Auto, das ihre Gruppe in der Kita Sophiesminde mal zu Weihnachten bekommen hat und auf dem er herumfahren kann. Und ihre Erzieherinnen Susanne, Claudia, Selina, Tanja und Ilma sind sowieso die besten. „Die kuscheln immer mit uns“, sagt Sina.

Und warum dürfen Sina, Momme und Philipp nicht in die Kita? Weil ihre Erzieherinnen streiken – wie so viele in ganz Deutschland. Das heißt, dass sie morgens nicht in die Kita gehen, um sich um die Kinder zu kümmern. Sie bleiben aber auch nicht einfach zu Hause, sondern gehen auf die Straße und protestieren. Die Erzieherin Claudia Hansen erklärt, warum: „Wir arbeiten gern mit den Kindern. Aber wir haben auch Familien, die wir ernähren müssen. Wir haben in der Kita immer mehr Aufgaben – und verdienen einfach zu wenig Geld“, sagt die 45-Jährige. Da sind die Arbeitgeber der Erzieherinnen gefragt. Und das ist nicht die Kita-Chefin, sondern Städte und Gemeinden. Für Sina, Momme und Philipp ist es die Stadt Flensburg. Deshalb gehen sie gemeinsam mit den streikenden Erziehern und ihren Müttern durch die Stadt, trommeln und pfeifen, damit alle wissen, was sie wollen. Sie rollen ein Plakat aus, auf dem steht: „Herr Faber, wir wollen unsere ErzieherInnen zurück!“. Simon Faber ist nämlich der Oberbürgermeister von Flensburg.

Doch auch der Oberbürgermeister kann nicht einfach die Bezahlung der Erzieherinnen ändern. Denn er muss sich an den Tarifvertrag halten, der für alle Erzieherinnen gilt, die in Deutschland in einer öffentlichen Kita arbeiten. Und darüber verhandelt nun die Gewerkschaft der Erzieher mit dem Arbeitgeberverband der Städte und Gemeinden. Jetzt warten Sina, Momme, Philipp, Claudia Hansen, Simon Faber und viele weitere Kinder, Eltern und Erzieher darauf, dass diese Leute sich einigen.

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