Hobby : „Wir machen Zirkus“

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Jule, Finn, Gustav und Carlotta stehen in der Manege.

shz.de von
16. Januar 2015, 04:04 Uhr

Kopfüber hängt Jule über dem Boden. Sie schaukelt dicht unter der Kuppel eines Zirkuszeltes. Dabei hängt sie in einem Tuch und macht Kunststücke. Ihre Beine hat sie so in das Tuch gewickelt, dass sie sich oben hält. Die Übung sieht schön aus – und gefährlich. Vor allem, als Jule plötzlich blitzschnell am Seil nach unten rutscht. Was ist, wenn sie auf den Boden kracht? Zum Glück stoppt Jule kurz über dem Boden ab. Die Zuschauer atmen tief durch, Jule lacht.

Das Herunterrutschen war Absicht. „Unsere Kunststücke sollen spektakulär aussehen“, sagt Jule später. „So dass die Zuschauer den Atem anhalten und glauben, dass das, was wir machen, richtig schwer ist. Aber es ist oft leichter, als es aussieht“, findet Jule.

Jule ist elf Jahre alt und macht bei einem Zirkus in Hamburg mit. Er heißt „Circus Mignon“. Jule lernt hier Seiltanz. Auch andere Jungen und Mädchen üben in dem Zirkus Kunststücke. Später dürfen sie sie in der Manege zeigen.

Carlotta zum Beispiel ist zehn Jahre alt und übt Stelzenlaufen. Gustav ist genauso alt. Er jongliert und tritt als Clown auf. Der elfjährige Finn klettert an einer hohen Stange, dem chinesischen Mast. „Im normalen Sportunterricht gibt es all diese Dinge gar nicht“, sagt Finn. Auch deshalb macht ihm sein Hobby im Zirkuszelt so viel Spaß.

Einmal pro Woche üben die Kinder mit verschiedenen Trainern. Bei einem Kunststück soll sich Finn mit einem Bein an der Stange festklammern. Dann die Hände loslassen, mit durchgestrecktem Körper in die Luft ragen – und dabei auch noch lächeln! „Auf der Bühne ist Lächeln sehr wichtig“, sagt Finn. Denn es soll später vor dem Publikum so aussehen, als beherrsche er die schwierigen Kunststücke völlig mühelos. Dabei steckt oft viel Arbeit dahinter, bis eine Übung klappt. „Man übt und übt, und das ist manchmal anstrengend“, sagt Finn. „Aber das Üben macht auch Spaß. Außerdem will man nicht aufgeben, weil man sich auf die Aufführung freut.“ Da soll natürlich alles klappen. Etwas aufgeregt ist man vor so einer Zirkusshow schon, findet Carlotta. Aber nach mehreren Aufführungen legt sich das Lampenfieber meist wieder.

Und wenn doch einmal etwas schief geht? „Fast allen sind schon einmal peinliche Sachen passiert“, sagt Carlotta. Aber sie und die anderen sind sich einig: Das macht nichts! Oft merken die Zuschauer die Patzer nicht einmal.

Gustav freut sich, dass er im Zirkus endlich den Clown spielen darf, ohne dass sich jemand aufregt. „Ich mache halt gerne so Späßchen und bin der Kasper“, sagt er. In der Schule bekommt Gustav dafür schon mal Ärger. Aber im Zirkus gibt es Applaus. Mit einem Trainer und anderen Jungs studiert Gustav für die Shows Rollenspiele ein. „Wenn es dann im ganzen Zelt nach Popcorn riecht, und die Leute alle lachen“, sagt Gustav, „dann ist das ein sehr schönes Gefühl.“

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