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Politik : Was verdienen Sie, Frau Künast?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kina-Reporter Erik und Felix die grüne Spitzenpolitikerin zu ihrem Einkommen, zur Bildungs- und Energiepolitik und was sie machen würde, wenn sie nicht wieder in den Bundestag gewählt würde.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 19:08 Uhr

Bald ist Bundestagswahl. Und da sind viele Politiker im Land unterwegs, um für ihre Partei zu werben. Die Kina-Reporter Felix Castello und Erik Schmidt-Bergeman (beide 13) trafen Renate Künast, die Fraktionsvorsitzende der Partei Bündnis90/Die Grünen. Sie bekamen grüne Quietsche-Enten. Das hielt sie aber nicht davon ab, viele Fragen zu stellen.

Erik: Haben Sie sich schon früh für Politik interessiert?
Renate Künast: Früher behaupteten die Erwachsenen, in der Politik könne man sowieso nichts ändern. Das wollte ich nicht akzeptieren. Dann kam ich in die Anti-Atomkraft-Bewegung und bin auf viele Demonstrationen gegangen. Die Grünen gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Als ich aber hörte, dass ein paar Leute eine neue Partei für Demokratie und Umweltschutz gründen wollten, bin ich hingegangen. So wurde ich eine Grüne.

 
Erik: Wie viel Geld verdienen Sie und wie viel arbeiten Sie in der Woche?
Mein Gehalt steht im Bundesabgeordnetengesetz. Das sind ungefähr 8000 Euro und dann krieg ich noch 3000 Euro drauf als Fraktionsvorsitzende. Der Job ist toll und spannend, aber auch anstrengend durch Überstunden, Überstunden, Überstunden. Oft arbeite ich 13 bis 14 Stunden am Tag. Am Wochenende gibt’s auch viele Termine.


Felix: Sie fordern Chancengleichheit für alle Kinder. Wie soll das konkret aussehen?
Für mich hat das ganz viel mit Bildung zu tun. Zur Chancengleichheit gehört, dass, egal wie viel Geld oder Bildung die Eltern haben, jedes Kind die gleichen Chancen auf gute Bildung hat. Und dass es in seinem Stadtteil wohnen kann, wo es Spielplätze gibt, wo es sich bewegen kann und wo es sich im Kindergarten und in der Musikschule selber entdecken und entwickeln kann. Außerdem gehört dazu, dass es an den Schulen eine Begabtenförderung gibt, für die, die in einigen Fächern besonders gut sind. Doch auch den Kindern, die zum Beispiel in Mathe eine Schwäche haben, muss geholfen werden.


Erik: Können Sie sich auch vorstellen, dass das skandinavische Schulsystem auch in Deutschland eingesetzt wird?
Alle Grünen schwärmen vom skandinavischen Schulsystem. Würden wir ein ähnliches System in Deutschland haben, wäre das ein wichtiger Schritt zu mehr Chancengleichheit. Denn: Gerechtigkeit in der Bildung ist mehr, als dass alle Kinder im gleichen Alter am gleichen Tag das Gleiche können.

Felix: Der amerikanische Geheimdienst späht unser Privatleben mehr aus, als bisher gedacht. Was für Maßnahmen sollte man ihrer Meinung nach beim Datenschutz unternehmen?

Erstmal muss man den Datenschutz ernst nehmen. Die Merkel-Regierung ist da eine absolute Bremserin. Egal was die Europäische Kommission vorschlägt, um den Datenschutz zu verbessern - Merkel ist immer dagegen. Deutschland müsste jetzt selbstbewusst auftreten und den USA und Großbritannien sagen: Hey, so geht das aber nicht! Deutsche Bürger dürft ihr nicht ausspähen, nicht in den USA und schon gar nicht in Deutschland. Gegen Großbritannien muss es außerdem ein Gerichtsverfahren geben, weil die Briten Europäisches Recht verletzt haben.

Erik: Und wie finden Sie die Verhaltensweise des BND?

Der ist Teil des Ganzen, aber der BND entscheidet nicht alleine. Über ihm steht die Bundeskanzlerin Merkel und ihr Beauftragter namens Pofalla, der den BND in ihrem Namen kontrolliert. Beide stecken gerade den Kopf in den Sand und tun nichts . Wir fordern Merkel auf, endlich alle Fakten auf den Tisch zu legen.

Felix: Sie haben kürzlich den Veggie-Day ins Leben gerufen. In vielen Kantinen kann man allerdings schon zwischen einem vegetarischen und einem Gericht mit Fleisch wählen. Braucht man da noch einen Veggie-Day?

Das Problem ist doch, dass wir immer noch zu viel Fleisch essen. Das ist weder für uns und das Klima gut, noch ist es gut für die Tiere. Stichwort Massentierhaltung: Tiere werden auf engstem Raum zusammengepfercht und mit Antibiotika vollgestopft. Sie haben ein denkbar unwürdiges Leben. Deswegen halte ich es für gut, wenn die öffentlichen Kantinen einen Veggie-Day hätten. Neben den Grünen gibt es sehr viele andere Vereine und Organisationen, die einen Veggie-Day fordern.
Erik: Sie wollen jetzt die Energiewende auch durchbringen. Haben Sie vor, eine EU-weite Energiewende durchzuführen?
Es muss tatsächlich eine europäische Energiewende sein. Aber Deutschland als das wirtschaftlich stärkste Land in der EU muss anfangen. Die Idee dahinter ist, dass wir eines Tages eine Europäische Union der erneuerbaren Energien haben.

Felix: Was muss Deutschland ihrer Meinung nach tun, damit die Energiewende bis 2022 zu schaffen ist?

Erst einmal muss es richtig losgehen.  Merkel macht viel zu wenig. Dabei ist bei Strom, Wärme und Verkehr noch vieles zu tun. Wir wollen bis 2030 100% des Stroms aus erneuerbaren Energien. Ganz wichtig ist es, jetzt die Stromleitungen von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland auszubauen.


Felix: Wenn Sie nicht mehr in den Bundestag gewählt würden, was würden Sie dann beruflich tun?

Ich habe zwei Ausbildungen. Ich bin Sozialarbeiterin und ich bin Rechtsanwältin. Damit könnte ich schon etwas anfangen, aber lieber würde ich mir etwas überlegen, wo ich mich um die Produktion von Lebensmitteln oder Rohstoffen kümmere. Oder ich mache was ganz Cooles: Ich besorge mir ein großes Gewächshaus, züchte Farne und koche für Gäste köstliches Essen.

 

 


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