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Helfen : Was Sonja und Dziamid stark macht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Menschen leiden immer noch unter einem Atom-Unfall in Weißrussland vor 31 Jahren – auch Kinder.

shz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 01:22 Uhr

Es ist das erste Mal, dass Sofiya, die alle Sonja nennen, richtig klettert. Doch nach ein paar Übungseinheiten kommt die 13-Jährige blitzschnell ganz bis nach oben an der Kletterwand in der SBV-Halle in Flensburg. Christian Ide vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt hält sie mit dem Sicherungsseil, so dass das Mädchen keine Angst haben muss abzustürzen.

Sonja erlebt gerade vier tolle Wochen in der Stadt an der Förde. Mit ihr sind sechs weitere Kinder aus der Stadt Rogatschjow im Land Weißrussland nach Flensburg gekommen. Sie alle wohnen bei Gasteltern, die den Kindern für diese Zeit ein Zuhause geben. Sonja ist schon zum vierten Mal da. „Meine Gastschwestern Maria und Agnes sind für mich gute Freundinnen geworden“, sagt sie in ihrer Muttersprache Russisch. Glücklicherweise ist eine Dolmetscherin in der Gruppe, Halina Kryvetkaya, die für die Reporterin übersetzt. Auch Agnes (17) und Maria (14) sprechen etwas Russisch, weil ihre Mutter Russin ist. „Agnes kann es noch nicht so gut. Deshalb kann ich ihr immer noch was beibringen“, freut sich Sonja. So kann sie etwas für die Gastfreundschaft zurückgeben. Sie freut sich jedes Jahr darauf, hier schwimmen zu gehen, aufs Kanufahren, das Zusammensein mit den Gastfamilien und ganz besonders auf den Freizeitpark Tolk.

Bei dem Flensburg-Besuch von Sonja, Dziamid, Viktoryia, Yahor, Dziyana, Ilya und Dana geht es aber nicht nur darum, Urlaub zu machen. Die sieben Jugendlichen kommen aus einem Gebiet, das vor 31 Jahren eine schlimme Katastrophe erlebte. Damals wurde durch Explosionen im Kernkraftwerk Tschernobyl viel radioaktive Strahlung freigesetzt. Der Ort liegt 200 Kilometer von Rogatschjow entfernt, aber die radioaktive Strahlung reichte weit. Die Luft und die Nahrung, die in der Gegend wächst, sind immer noch belastet und schaden der Gesundheit. Doch sie können nicht einfach wegziehen und auch nicht ihr Essen von woanders kaufen, denn dafür fehlt es dort an Geld.

Damit sich die Jugendlichen erholen und neue Kraft sammeln können, organisiert der Verein Initiative für die Kinder von Tschernobyl jedes Jahr vier Wochen in Schleswig-Holstein. Sie sammeln Spenden für die Reise der Kinder und Jugendlichen und suchen Gastfamilien, die sie aufnehmen. Dziamid (sprich: Djemed) ist zum zweiten Mal dabei. „Seit ich letztes Mal hier war, habe ich seltener Kopfschmerzen und bin gesünder. Deshalb fehle ich auch nicht so oft in der Schule“, sagt Dziamid (13). Mit seiner Gastfamilie ist er viel in der Natur unterwegs. Gemeinsam gehen sie zelten. „Im letzten Jahr haben wir auf dem Campingplatz sogar eine Bank gebaut“, erzählt Dziamid stolz. Und den Spaß am Sport hat der Junge aus Weißrussland hier auch entdeckt – und klettert schnell neben Sonja bis an die Decke der Sporthalle.

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