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Geschichte : Warum wir zur Schule gehen müssen 

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was ein 500 Jahre alter Brief damit zu tun hat, dass es heute in Deutschland die „Schulpflicht“ gibt.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2016 | 05:17 Uhr

Der Wecker klingelt viel zu früh! Unter der Bettdecke ist es so gemütlich und in der Schule wartet die doofe Mathe-Arbeit. Da kann einem schnell mal der Gedanke kommen, wie schön es wäre, nicht zur Schule zu müssen. „Du musst aber“, sagen die Eltern dann. Aber warum eigentlich? Das liegt daran, dass es in Deutschland eine Schulpflicht gibt, ein richtiges Gesetz. Es schreibt vor, dass Kinder und Jugendliche mindestens neun Jahre lang und bis sie 18 Jahre alt sind zur Schule gehen müssen.

Früher war es nicht normal, dass alle Kinder zur Schule gehen. Viele mussten ihren Eltern auf dem Hof helfen. Außerdem gab es keine Schulen, wie wir sie heute kennen. Nur die Kinder reicher Menschen bekamen damals Unterricht und lernten Schreiben, Lesen und Rechnen. Es gab zu wenig Schulgebäude und Lehrer. Außerdem hatte man noch keine Lehrpläne und keine Behörde, die alles regelt, was in den Schulen passierte. Deshalb ging es ziemlich drunter und drüber.

Einer, dem das nicht passte, war Martin Luther. Der Priester hatte viele Ideen, was man an der Kirche und in der Gesellschaft verändern könnte. Deshalb nennt man ihn auch „Reformator“, denn er hat viele Veränderungen – Reformen – gebracht. Dazu gehörte auch sein Einsatz für Bildung, die alle Kinder erreichen sollte. Vor fast 500 Jahren, im Jahr 1524, schrieb er einen Brief „An die Ratsherrn aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“. Er wollte „die allerbesten Schulen für Knaben und Maidlein an allen Orten“.

Das war ein richtiger Paukenschlag. Nicht nur, dass es plötzlich überall Schulen geben sollte, sondern Luther wollte, dass auch Mädchen dort hingehen.

Bis dahin war es nämlich so, dass nur Jungen die Chance zum Lernen bekamen. Mädchen, so meinte man, gehören ins Haus und kümmern sich um Kochen, Handarbeit und später die Kindererziehung.

Als Schulfächer schlug Martin Luther diese vor: Lesen und Schreiben, Sprachen (Latein, Griechisch und Hebräisch), Geschichte, Literatur, Mathematik und Musik. Viele also, die auch heute auf den Stundenplänen stehen. Ihm war wichtig, dass Kinder so früh wie möglich eine grundlegende Allgemeinbildung bekommen.

Mit seinen Forderungen legte er vor rund 500 Jahren den Grundstein für die Schulpflicht und Schulen, wie wir sie heute kennen. Doch bis es wirklich so weit war, dauerte es noch einige Jahre.

„Kinder sollen von morgens 7 Uhr bis abends 4 Uhr zur Schule gehen“ – das galt in Schleswig-Holstein seit dem Jahr 1542. So steht es in einem alten Buch, der „Kirchenordnung“. Übrigens mussten die Kinder damals sogar am Sonnabend zur Schule. Und sie mussten viel auswendig lernen, meistens Texte aus der Bibel.

Martin Luther ist also schuld daran, dass ihr von montags bis freitags früh aufstehen, Prozentrechnung pauken und Gedichte auswendig lernen müsst. Aber auch, dass ihr in der Schule Freunde fürs Leben findet und zu Menschen werdet, die unsere Welt verstehen und in Zukunft gestalten können.

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