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Kindernachrichten

22. Oktober 2017 | 05:24 Uhr

Kino : Von Syrien nach Hollywood

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Marcel Mettelsiefen hat einen Film über eine Familie gedreht, die vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflohen ist.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 01:41 Uhr

Morgen Abend   werden die wichtigsten Filmpreise der Welt verliehen: die Oscars. Der Filmemacher Marcel Mettelsiefen gehört zu den wenigen, die sich Hoffnungen auf den Preis machen können. Sein Film „Watani: My Homeland“ ist für einen Oscar nominiert. Er hat dafür über drei Jahre eine Familie aus Syrien begleitet, die nach Deutschland geflohen ist. In Syrien herrscht Krieg. Im Kina-Interview erzählt der Regisseur davon.

Worum geht es in Ihrem Film?

Marcel Mettelsiefen: Der Film beschreibt die Geschichte einer Familie, die in der bekannten Stadt Aleppo wohnt. Als der Krieg in Syrien losging, beschlossen die Eltern, nicht zu fliehen, sondern in Aleppo zu bleiben und Widerstand zu leisten gegen die Regierung. Mit ihren vier Kindern wohnten sie zwei Jahre lang in einer Gegend, in der es besonders viele Kämpfe gab.

Wie haben die Kinder diese Zeit erlebt?

Da die Kinder draußen nicht spielen konnten, weil die Umgebung so gefährlich war, spielten sie in den verlassenen Häusern. Im Film beschreiben sie mit großer Fantasie, was um sie herum geschieht. Sie sind so sehr an den Krieg gewöhnt, dass sie anhand der Geräusche von draußen erkennen können, ob die Explosionen von einer Granate oder einem Panzer kommen.

Dann flieht die Familie doch. Wie kam es dazu?

Ende des Jahres 2013 wird der Vater von radikalen Islamisten entführt. Die Mutter bleibt mit den Kindern und ist über ein Jahr auf der Suche nach ihrem Mann. Dann wird die Gefahr so groß, dass sie keine Möglichkeit mehr sieht, in der Stadt zu bleiben. Sie flüchtet mit ihren Kindern in die Türkei. Nach langem Warten dort wird ihnen die Einreise nach Deutschland erlaubt.

Wie war die erste Zeit für die Familie in Deutschland?

In dem Film beschreibe ich, wie es für syrische Flüchtlinge ist, in einem Land anzukommen, in dem man die Sprache nicht spricht, wo andere Sitten herrschen. Wo selbst die Art und Weise, wie Kinder miteinander umgehen, sich voll und ganz unterscheidet von dem, was sie bisher gewohnt waren.

Sie waren für den Film selbst in Syrien vor Ort, als dort schon gekämpft wurde. Wie konnten Sie dort arbeiten?

In den ersten zwei Jahren war die Arbeit deutlich einfacher. Ich wurde in Syrien von Menschen begleitet, die das Land gut kannten. In einer Stadt, auf die Bomben fallen, fallen die Bomben nicht überall gleichzeitig. Wenn man weiß, wo die Gefahr ist, kann man versuchen, ihr auszuweichen.

Dann wurde es gefährlicher, weil Menschen, denen man vertraute, anfingen, einen zu verraten. Westliche Journalisten waren plötzlich viel Geld wert, weil man sie entführen und dafür Lösegeld fordern konnte. Meine Arbeit wurde sehr anstrengend und angsterfüllt. Irgendwann wurde es so gefährlich, dass ich nicht mehr in das Land hinein konnte.

Ihr Film hat die Chance, einen Oscar zu gewinnen. Was bedeutet das für Sie?

Es ist für mich die einzige Möglichkeit, bekannter zu werden. Ich habe keine feste Anstellung. Durch die Nominierung für einen Oscar werden viele Menschen auf meine Arbeit aufmerksam.

Die Preisverleihung findet in Hollywood statt. Dort werden Sie bestimmt viele Stars treffen.

Das stimmt. Aber es gab schon vorher ein Mittagessen mit all denen, die nominiert sind. Ich habe dort schon mit vielen bekannten Schauspielern und Filmemachern gesprochen. Es gibt 40 Tische und man hat immer wieder Plätze getauscht.

Sind Sie aufgeregt?

Ich bin viel zu beschäftigt. Gerade gibt es sehr viele Interview-Anfragen. Ich fliege viel von Spanien aus zwischen verschiedenen Ländern hin und her. In Spanien lebe ich mit meiner Familie. Ich bin froh, wenn bald alles vorbei ist. Ich brauche Urlaub. Aber ich freue mich sehr auf den Sonntag. Es ehrt mich, dass mein Film nominiert ist und dass die Arbeit, die ich mache, auch ankommt. Insofern bin ich sehr glücklich.

 

 

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