zur Navigation springen

Olympia-Werkstatt : Viele Schritte bis zum Ski

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schicht für Schicht werden die olympischen Sportgeräte aufgebaut.

Gold! Strahlend reißt Maria Höfl-Riesch ihre Ski in die Höhe. Bei den olympischen Winterspielen war sie gestern die schnellste auf den Brettern. Das richtige Material ist für die Sportlerin super wichtig. Doch wo kommen solche Ski überhaupt her?

Die Halle ist so hoch wie ein Haus mit mehreren Stockwerken. Bis zur Decke reichen die Regale, in denen verschiedene Teile liegen: Stücke aus Metall, Holz und bunte Folien zum Beispiel.

Herz aus Holz

Wenn man beim Skifahren in einem Skigebiet ist, kann man manchmal noch richtig alte Skier sehen. Nicht unbedingt auf der Piste. Aber zum Beispiel an der Wand, im Hotel oder im Restaurant. Dort hängen sie heute als Dekoration. Oft sind es ziemlich einfache, lange Holzbretter, die vorne spitz zulaufen. So oder so ähnlich haben Skier viele hundert Jahre lang ausgesehen.

Die Skier waren fast immer ganz aus Holz, und zwar aus einem einzigen Stück. Deshalb nennt man die Skier bis heute noch in vielen Skigebieten Bretter. Heute werden Skier aus vielen verschiedenen Materialien hergestellt - zum Beispiel aus Kunststoff.

Würde man einen modernen Ski quer durchschneiden, sieht man aber: Auch heute noch haben viele Skier einen Kern aus Holz. Er ist so etwas wie das Herz des Skis. „Er bestimmt, welche Eigenschaften ein Ski später hat - ist er leicht oder sehr schwer, weich oder hart?“, erklärt der Experte Helmut Jakoby. Ein bisschen Holz steckt also auch heute noch in den Skiern.

Uralter Sport: Auf Holzscheiten durch den Schnee

Wusstest du, dass Ski eigentlich ein ziemlich alter Sport ist? Der Name kommt wahrscheinlich aus dem Norden Europas.

Manche sagen, dass Ski von einem finnischen Wort kommt, andere sagen, es sei eigentlich Norwegisch. Auf Norwegisch bedeutete das Wort jedenfalls so etwas wie „Holzscheit“, also eine Art Brett. In Norwegen hat man auch ziemlich alte Ski-Bilder entdeckt. Sie sind in Stein geritzt und schon über 4000 Jahre alt. Darauf kann man ein Männchen sehen, das Skier an den Füßen hat. Die bisher ältesten Skier wurden in Russland gefunden. Experten schätzen, dass sie über 8000 Jahre alt sein könnten.

Ski-Tester entscheiden, welche Ski gebaut werden

Bis Skier im Laden verkauft werden, arbeiten daran viele Menschen. Zuerst machen Entwickler sich Gedanken, was ein neuer Ski können sollte. Und wer den Ski später brauchen könnte. Soll es eher ein Modell für Erwachsene werden? Oder für Kinder? Für Anfänger? Oder für Leute, die Rennen fahren?

Wenn die Entwickler das überlegt haben, werden Prototypen gebaut. Das sind Skier, mit denen die Entwickler ihre Ideen testen - und zwar zuerst am Computer. Mit bestimmten Programmen kann man herausfinden, ob der Ski das kann, was die Entwickler sich erhoffen. Zum Beispiel, ob man damit kleine Kurven fahren kann.

Am Computer wird dann etwa auch festgelegt, wie breit oder schmal ein Ski sein sollte. Viele Prototypen scheiden hier schon aus. Für die anderen kommt dann der Test im Schnee. Den machen Skitester. Sie probieren die Prototypen auf verschiedenen Pisten. Dabei achten sie etwa darauf: Wie fühlt sich der Ski an? Macht es Spaß, damit zu fahren? Zu den Skitestern gehören Leute, die früher mal Skirennfahrer waren.

Daneben werden die Prototypen auch von anderen guten Skifahrern getestet, die einen Ski beurteilen können. Auch Kinder sind bei den Testern dabei. Auch bei diesen Tests fliegen noch mal viele der Prototypen raus.

Links und rechts - total egal

Wenn man normale Schuhe falsch anzieht, merkt man das sofort. Und man sieht es. Bei Skiern ist das ein bisschen anders. Zwar passen auch hier die Skischuhe nur an einen der Füße. Aber: Die Skier selbst kann man tauschen. Mal rechts und mal links.

Dass das geht sieht man, wenn man zwei Skier direkt übereinander hält. Bei einem Paar sind beide Skier genau gleich gebaut. Höchstens die Bilder auf der Oberfläche sind manchmal unterschiedlich. Wenn einem das nichts ausmacht, könnte man also auch den rechten Ski links fahren - und umgekehrt.

 

In dieser Halle findet man alles, was man braucht, um einen Ski zu bauen. „Es sind praktisch die Zutaten“, sagt Helmut Jakoby. Der Mann arbeitet bei einem Skihersteller. Die Firma stellt Skier her – auch für die Profis bei den Olympischen Winterspielen. Die Halle liegt in der Stadt Straubing im Bundesland Bayern. Hier arbeitet Helmut Jakoby zusammen mit seinen Kollegen.

Um an die oberen Fächer zu kommen, brauchen die Mitarbeiter einen Gabelstapler. Mit besonderen Wagen suchen die Mitarbeiter alles zusammen, was sie brauchen. Zum Beispiel besondere Leisten aus Stahl. Aus denen werden später die Kanten der Skier gemacht.

Das ist aber noch längst nicht alles. „Ein Ski besteht aus bis zu 50 verschiedenen Einzelteilen“, erklärt Helmut Jakoby. Wenn alles aus der Halle beisammen ist, werden die Wagen in die nächste Halle geschoben. Dort stehen jede Menge Maschinen. Viele der Einzelteile werden hier noch weiter bearbeitet. Wenn alle bearbeiteten Einzelteile beisammen sind, geht es zu einer großen Presse.

Ein Mitarbeiter nimmt nacheinander die Einzelteile vom Wagen. Dann legt er sie sorgfältig übereinander in eine Form, die schon ein bisschen so aussieht wie ein Ski. „Das ist wie bei einem belegten Brot“, erklärt der Fachmann. Der Mitarbeiter muss genau aufpassen, dass er die vielen Teile nicht durcheinanderbringt. „Sonst müsste man den ganzen Ski wegwerfen“, sagt Helmut Jakoby.

Wenn alles übereinandergeschichtet ist, werden die Teile zusammengepresst. Fahren könnte man mit dem Ski noch immer nicht. Erst müssen noch der Belag und die Kanten geschliffen werden. Sonst würde der Ski beim Fahren ständig bremsen.

Zum Schluss wird jeder einzelne Ski noch einmal kontrolliert. Erst dann ist der Ski fertig – ganz schön viel Arbeit! Wenn Skifahrer wie Maria später den Berg hinunterfahren, werden sie merken, ob die Skibauer gute Arbeit gemacht haben.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Feb.2014 | 00:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert