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Geschichte : Verschüttet in den Tiefen der Erde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bergmann Gerhard Hanusch war vor 50 Jahren über eine Woche lang mit andern in einem Bergwerk eingesperrt.

Fast acht Tage in einem Bergwerk eingeschlossen zu sein und dann gerettet zu werden. Das hat der Bergmann Gerhard Hanusch erlebt. Das Unglück geschah am 24. Oktober 1963 in dem Ort Lengede im Bundesland Niedersachsen. Große Mengen Wasser und Schlamm flossen in die Eisenerz-Grube Mathilde. Das war vor 50 Jahren. Heute ist Gerhard Hanusch 93 Jahre alt und erzählte der dpa-Kindernachrichten Redakteurin Heidemarie Pütz, wie er zusammen mit zwei anderen Bergmännern gerettet wurde.

Insgesamt überlebten 100 von 129 Menschen das Unglück. Was ist damals geschehen?

Wir sind zu unserer Schicht eingefahren und haben ganz normal gearbeitet. Kurz vor Schichtende, so um 21 Uhr, mussten wir noch Erze absprengen. Die wurden sonst von der Lok abgeholt. Und die Lok nahm uns auch mit zum Schacht, aber die Lok kam nicht. Wir versuchten, oben anzurufen. Aber das Telefon war abgeschaltet. Dann gingen wir halt der Lok entgegen. Aber da kam schon Wasser.

Was haben Sie und ihre Kumpel dann getan? Was sollten wir machen? Wir liefen vor dem Wasser weg, um wieder dorthin zu kommen, wo wir gearbeitet hatten. Dort haben wir uns dann die ganze Zeit aufgehalten. Aber wir wussten nicht, dass wir Überdruck hatten. Wir befanden uns also in einer Luftblase. Keiner von uns wusste ja, was wirklich passiert war.

Wie wurden die Leute oben auf Sie aufmerksam?

Wir haben versucht, uns über die Pressluft-Leitung bemerkbar zu machen. Wir haben das Ventil der Leitung ständig aufgemacht und zugemacht. Wir haben laufend Zeichen gegeben - auf-zu-auf-zu.

Kam eine Antwort?

Wir hörten, dass Suchbohrungen begannen. Aber auf einmal hörten die auf. Da dachten wir: Jetzt ist es vorbei! Die oben mussten aber erst das Bohrloch abdichten. Sonst wäre das Wasser nachgeströmt, dann wäre alles vorbei gewesen. Dann fingen die Bohrgeräusche auf einmal wieder an. Dann haben sie eine Versorgungs-Leitung nach unten gelegt. Da waren Mikrofon, Papier, Bleistift und Taschenlampe drin. Wir mussten aufschreiben, wer alles bei uns ist.

Wie haben Sie und ihre Kumpel das ausgehalten?

Wir haben da gesessen, uns etwas erzählt, geschlafen, aufgepasst, dass keiner abhaut und ins Wasser läuft. Es war stockdunkel, alle Lampen waren ausgefallen. Und es war kalt, ungefähr 10 bis 11 Grad.

Wie fühlten Sie sich, als Sie merkten, dass Sie gerettet werden?

Das war wie Weihnachten. Wir hatten nicht mehr damit gerechnet. Einer nach dem anderen wurde in einer Dahlbusch-Bombe nach oben gezogen. Wegen des Überdrucks kamen wir dann erst für ein paar Stunden in eine Druckkammer. Danach konnten wir endlich unsere Frauen und Familien wiedersehen.

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erstellt am 20.Okt.2013 | 14:43 Uhr

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