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In der Natur : Unterwegs mit Gitarre und Pflaster

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

30 Jugendliche sind in Schleswig-Holstein auf Pilgertour gewesen. In vier Tagen wanderten sie von Haddeby nach Maasholm.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2015 | 01:51 Uhr

Man erkennt sie am Wanderstock in der Hand: die jungen Pilger. „Am Anfang dachte ich, was soll das denn mit dem Stock, den brauch ich doch nicht. Aber dann habe ich gemerkt, wie anstrengend das Wandern ohne ihn ist“, erzählt Jana. Die Fünfzehnjährige sitzt in Sieseby auf einer Bank und guckt auf die Schlei.

Vier Tage ist die Gruppe in dieser Woche gewandert. Insgesamt haben sie eine Strecke von 80 Kilometern zu Fuß zurückgelegt. „Nach einem langen Wandertag weiß man, was man geschafft hat. Und wenn wir die 80 Kilometer schaffen, schaffen wir alles andere auch“, sagt Wiebke. Die Achtzehnjährige macht zum vierten Mal mit. „Obwohl es im Prinzip immer das Gleiche ist, ist es trotzdem jedes Mal anders. Und es gibt mir Energie fürs ganze Jahr“, ergänzt Lisa, die genauso lange pilgert.


Lea schwärmt von der Schweigestrecke

Die Touren dauern von zehn bis 18 Uhr. Jeden Tag geht die Gruppe zwölf bis 24 Kilometer. Außerdem gibt es täglich eine Schweigestrecke von rund 30 Minuten. Die Jugendlichen kriegen dann einen Gedanken mit auf den Weg. „Da denkt man über Sachen nach, über die man sonst nicht nachdenkt“, findet Paul. Lea schwärmt noch von der letzten Schweigestrecke: „Wir sind an einer Klippe vorbeigelaufen und konnten in der Zeit das Meer betrachten. Das war total schön.“ Kaum in Sieseby angekommen, setzen sich alle hin und schnaufen erstmal durch. Dann werden Blasenpflaster ausgepackt. „Die sind auf diesen Touren wichtig“, erklärt Pastor Jörg Jeske und lacht. Er und Jugendwart Olaf Peters sind die Gruppenleiter und haben die Wanderung organisiert.


Ohne Smartphone: Geht doch!
 

Aber was ist eigentlich Pilgern? Pilgern heißt, dass man wandert und ganz einfach lebt. Jana beschreibt es so: „Mit möglichst wenig möglichst viel erleben.“ So schläft die Gruppe etwa in Gemeindehäusern im Schlafsack auf dem Boden. Und auch auf ihr Smartphone müssen die Jugendlichen vier Tage lang verzichten. Doch sie vermissen es nicht mal: „Gerade, dass man darauf verzichten muss, ist das Schöne am Pilgern. Man vergisst das auch total, weil sich viele tolle Gespräche auf dem Weg ergeben“, sagt Wiebke. „Und man hat viel mehr Zeit, wenn man nicht nur am Handy klebt“, meint Lea. „Wir haben Zeit für Gespräche, Zeit zum Gucken, Zeit zum Nichtstun. Wir laufen und wir reden. Und das kann man gut, wenn man all das überflüssige Gepäck weglässt“, erklärt Jörg Jeske.

Jeden Abend nach dem Essen gibt es eine Andacht. Im Kerzenschein sitzen dann alle zusammen singen, beten und reden über den Tag. „Die Andachten sind sehr familiär und gemütlich. Sie sind kurz und spannend“, sagt Til.

Und dann gibt es noch ein kleines Konzert: Olaf Peters, Finn und Ole lassen ihre Gitarren klingen. Sofort steigen alle ein, klatschen und singen laut mit.

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