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Weihnachts-Geschichte : Sursula, die Weihnachtsmaus

vom

Die Kina-Redaktion hat ihre Leser im Advent zu einem Schreib-Wettbewerb herausgefordert. Eine angefangene Geschichte mit Sven, der in der Speisekammer Stimmen hört, beflügelte die Fantasie der jungen Talente - auch die der zwölfjährigen Rieke Sofie Bauer aus Taarstedt. Sie gewinnt damit das Party-Spiel "Rabbids".

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 04:00 Uhr

Sven schließt die Tür auf. „Hallo, jemand zu Hause?“, ruft er. Niemand antwortet. Wahrscheinlich sind alle unterwegs. Die letzten Dinge für heute Abend erledigen. Für den Heiligen Abend. „Dann backe ich uns noch etwas Nettes“, denkt Sven. Er öffnet die Tür der Speisekammer, um Mehl, Zucker, Lakritzstangen und andere Zutaten zu holen. Er tritt hinein. Da hört er eine Stimme. Ganz leise. Sie kommt aus der Ecke, im dritten Regalfach, direkt hinter dem Nudelglas hervor und flüstert:

„Uh, nein, mach das Licht aus. Schnell. Es blendet mich.“ Sven erschrickt so sehr, dass ihm die Tüte Mehl aus der Hand fällt. Sekunden später sieht es in der kleinen Speisekammer aus, als ob es geschneit hätte. „W-wer ist da?“ Er bekommt auf einmal furchtbare Angst. Doch ehe er sich versieht, springt ein kleines Etwas auf den Boden und wälzt sich juchzend im Mehl herum. Als Sven genauer hinsieht, erkennt er eine kleine, weiße Maus. Doch diese Maus ist ganz anders als die Mäuse, bei denen seine Tante Petra immer auf einen möglichst hohen Stuhl springt und herumkreischt, nein, diese Maus ist etwas ganz Besonderes. Das merkt Sven sofort.

Und mal ganz davon abgesehen, hat diese wunderliche Maus auch noch eine winzige Weihnachtsmütze auf. Todesmutig greift Sven in den Mehlhaufen und holt die Maus heraus. Er pustet einmal in ihre Richtung. Und schwups, ist die kleine, weiße Maus zu einer kleinen, grauen Maus geworden. „Ich bin Sursula, die Weihnachtsmaus. Und du musst Herr Sven sein.“ Sven sieht Sursula mit großen Augen an. „Und ich bitte Sie nun, mich herunter zu lassen. Und zwar ein bisschen plötzlich!“ Sursulas Stimme ist nun lauter geworden. Doch Sven regt sich nicht, bis - „Autsch!“ - die freche Maus ihn in seinen Daumen gebissen hat.

Schnell verschwindet Sursula wieder im Regal, doch sie versteckt sie sich nicht mehr. „Was willst du hier und warum kannst du sprechen und warum hast du so eine Mütze auf?“, überschüttet Sven die kleine Maus mit Fragen.

„Ist ja gut, Herr Sven. Ich erkläre Ihnen natürlich alles. Also, mich schickt der Weihnachtsmann. Denn sein Rezept für seine magischen Weihnachtsplätzchen ist verschwunden. Ich habe schon in der ganzen Stadt, im ganzen Land – ach, auf der ganzen Welt habe ich schon gesucht. Diese Plätzchen sind ungeheuer wichtig, denn sie verleihen dem Weihnachtsmann genügend Kraft und Tatendrang, um in der langen Weihnachtsnacht auf der ganzen Welt Geschenke zu verteilen. Und deswegen wählte er mich, Sursula, die Weihnachtsmaus, die Maus mit der besten Nase im ganzen Weihnachtsdorf, das Rezept zu finden. Tja, und meine Super-Nase hat mich dann irgendwann hierher geführt. In eure Speisekammer nach Schleswig.“

„Okay... Und wie kann ich dir dabei helfen? Aber schau mal, es ist schon 18 Uhr. Meine Eltern werden bald heimkommen und Oma und Opa kommen auch jeden Moment. Und Tante Petra auch. Die wird bei deinem Anblick gar nicht erfreut sein.“ Da müssen Sursula und Sven laut lachen. „Aber wo soll denn hier bitte schön ein Geheim-Rezept liegen? Und auch noch vom Weihnachtsmann.“ Da macht Sursula große Augen. „Was! Du – du glaubst an den Weihnachtsmann?“ „Äh, also, ja.“ Es war ihm ein bisschen peinlich, denn als Drittklässler glaubt man ja eigentlich nicht mehr an den Weihnachtsmann. Doch er hat noch keine Argumente gegen ihn gefunden, und so blieb er bei seinem Glauben.

„Das ist ja wunderbar!“ Sursula springt auf seine Schulter und schlingt ihre kleinen Mäuseärmchen um Svens Hals. „Und wie hilft uns das weiter?“, fragt Sven. Doch da war Sursula auf einmal verschwunden. „Sursula? Sursula Weihnachtsmaus, wo bist du?“

„Sursula Weihnachtsmaus? Wer ist denn das?“ Seine Mutter steht im Türrahmen und lächelt ihn an. „Eine kleine Maus. Sie war doch vorhin noch hier.“ Sven ist den Tränen nah. Was war mit ihr passiert? „He, Sven, was hast du denn schon wieder? Heulst du, weil du gesehen hast, wie Mama und Papa Geschenke gekauft haben, und nicht der Weihnachtsmann? Oh, armer, kleiner Sven.“ Sein großer Bruder Petja gesellt sich nun zu den beiden. „Petja, so was ist nicht witzig. Jeder hat seine eigene Fantasie und besonders am Heiligen Abend ist sie sehr wichtig. Ich weiß, mit 15 Jahren hat man vielleicht andere Vorstellungen von Weihnachten. Und jetzt geh in dein Zimmer und mach dich fertig. Oma, Opa und Tante Petra können jede Minute kommen.“ Beleidigt schlurft Petja davon.

Zwei Stunden später beginnt endlich die Bescherung, doch Svens Gedanken sind immer noch bei Sursula. Eigentlich müsste er jetzt der glücklichste Junge der Welt sein, denn er hat den Modellhubschrauber bekommen, den er sich schon letztes Jahr gewünscht hat. Doch er kann sich nicht freuen. Petja allerdings gibt mit seiner doofen X-Box an, und das macht seine Laune auch nicht besser.

Plötzlich klingelt es. „Ich geh schon“, ruft Sven. Er öffnet die Tür und atmet die kalte, mit Schneeflocken geschmückte Luft ein. Doch plötzlich bemerkt er ein kleines Päckchen mit einem Briefumschlag vor seinen Füßen. Rasch öffnet er das seltsame Geschenk. Eine Schneekugel ist darin, mit einer kleinen winkenden Maus darin. Anschließend macht er den Briefumschlag auf und liest:

Hallo Sven,

ich hoffe, Du machst dir nicht allzu große Sorgen um mich. Doch es ist alles gut gegangen, denn das Rezept warst Du! Es gibt dem Weihnachtsmann nämlich ungeheure Kraft, wenn er weiß, dass es noch Kinder gibt, die an ihn glauben und jedes Jahr in der heiligen Nacht auf ihn warten und hoffen, dass er kommt. Ich danke Dir vielmals und wünsche Dir und Deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, neues Jahr!

Deine Sursula

Glücklich blickt Sven in die Schneekugel und wenn er genau hinsieht, ist es so, als ob ihm die kleine Maus zuzwinkern würde und leise flüstert:

Frohe Weihnachten!

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