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Unwetter : Sturmtage auf Nordstrand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer auf einer Halbinsel an der Nordseeküste lebt, hat bei Sturrmflut einen Notfall-Koffer gepackt. Bjarne erzählt, wie er den Orkan Xaver erlebt hat.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Mittwoch – der Tag fing eigentlich ganz normal an. Es ist die Pause nach der zweiten Stunde. Alle haben von Xaver gehört und reden darüber, wie stark er wohl werden wird, und ob wir deswegen schulfrei bekommen werden.

Da klingelt es zur Stunde und unser Erdkundelehrer kommt herein. Er hat einen Beamer mitgebracht und schaltet ihn ein. An der Wand ist nun eine Sturmgrafik des Deutschen Wetterdienstes zu sehen. Er braucht sie nicht lange zu erklären, bis wir wissen: Uns steht ein starker Orkan bevor.

Aber als wäre das noch nicht genug, erklärt er uns jetzt noch, dass uns drei schwere Sturmfluten mit Springtide bevorstehen. Eine davon auf dem Höhepunkt des Sturms.

Als ich zu Hause ankomme, erwartet mich die Nachricht, dass morgen schulfrei sein wird. Meine erste Reaktion ist die große Vorfreude auf den bevorstehenden freien Tag. Doch dann wird mir klar, dass es wirklich ernst wird. Ich bin ziemlich aufgeregt, weil es bei Sturm Christian ja auch so angefangen hat, nur eben ohne Springtide und Flut.

Donnerstag sind am Vormittag nur stärkere Böen, aber mittags ändert sich das schlagartig. Der Sturm wird zum Orkan und der Lärm ist ohrenbetäubend, wenn man vor die Tür geht oder ein Fenster öffnet.

Wir verfolgen die Wetterberichte im Radio und im Internet. Der Sturm hat unsere Satellitenschüssel verschoben und unser Fernseher ist ohne Empfang.

Zusätzlich packt jeder von uns eine kleine Tasche mit Kleidung und Taschenlampe. Ein batteriebetriebenes Radio und eine Packung Haushaltskerzen mit Feuerzeug liegen ebenfalls im Regal, um für einen Stromausfall oder schlimmstenfalls eine Evakuierung gerüstet zu sein. Am Nachmittag verfolgen wir die erste Sturmflut per Webcam. Es gibt zwar hohe Wasserstände, aber zum Glück keine Schäden. In der Nacht gibt es den Höhepunkt des Sturms. Ich ziehe sicherheitshalber in das Zimmer meines Bruders, weil vor meinem Zimmer riesige Bäume stehen, die umstürzen könnten.

Wir sind zwar nicht ängstlich, aber gespannt, ob die Bäume stehen bleiben und die Deiche halten. Es sind Pegelstände von 2,5 bis 3,5 Meter über dem normalem mittleren Hochwasser vorausgesagt. Nachts wache ich immer wieder durch das laute Getöse des Sturms auf.

Am Freitag verschaffe ich mir erstmal einen Überblick. Der Nikolaus zumindest hat den Sturm heil überstanden und meinen Stiefel schön gefüllt. Der Deich ist an einer Baustelle beschädigt, aber lässt zum Glück kein Wasser durch. Außerdem fehlen ein paar Ziegel auf dem Kirchdach. Noch in der Nacht war ich mit meinem Vater oben auf dem Kirchdachboden, um Planen und Wannen aufzustellen, damit der Regen nicht das Kirchenschiff zu sehr durchnässt. Im Garten liegen nur zwei Bäume entwurzelt auf der Seite, ohne weitere Schäden angerichtet zu haben.

Auch die dritte Sturmflut am Nachmittag ist nun gut überstanden. Ich bin froh, dass es so gut verlaufen ist, denn es hätte viel schlimmer kommen können.

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