Politik : So klappt’s mit dem Verhandeln

Wer bildet demnächst die Regierung im Deutschen Bundestag? In Koalitions-Verhandlungen müssen sich Parteien einig werden.
Wer bildet demnächst die Regierung im Deutschen Bundestag? In Koalitions-Verhandlungen müssen sich Parteien einig werden.

Regierungsbildung oder Taschengeld: Wer geschickt vorgeht, erreicht oft mehr.

shz.de von
25. Januar 2018, 21:01 Uhr

Mehr Taschengeld oder abends länger draußen bleiben: Um die Erlaubnis dafür zu bekommen, sollte man gut verhandeln können! Doch wie geht kluges Verhandeln? Diese Frage stellen sich vielleicht gerade auch Politiker in Berlin. Denn Vertreter der Parteien CDU, CSU und SPD treffen sich bald zu Koalitions-Verhandlungen. Es geht darum, wie sie in einer Regierung zusammenarbeiten könnten. Eine Regierung trifft wichtige Entscheidungen für die Menschen im Land.

Allerdings sind sich die Parteien in vielen Dingen noch nicht einig. „Ziel der Verhandlungen ist es, eine Lösung zu finden, so dass man sich später in der Regierung nicht mehr streitet“, erklärt der Experte Roman Trötschel. Schon der Anfang ist wichtig. Es komme für die Politiker darauf an, zuerst ein Wir-Gefühl aufzubauen. Also sich als Team zu verstehen, statt nur als einzelne Parteien. Sie könnten sich etwa sagen, dass sie das gemeinsame Ziel haben, Deutschland voranzubringen.

Mehr Taschengeld? Probier es doch mal so

Hast du schon mal verhandelt, um etwas zu bekommen oder zu verkaufen? Etwa Comic-Hefte auf dem Flohmarkt. Oder über mehr Taschengeld mit den Eltern. Experten kennen ein paar Tricks, wie man dabei Erfolg haben kann.

Am Anfang steht der Anker. Was das heißt? Eine Idee muss sich im Kopf festsetzen. Die Idee wäre etwa der Preis für ein Comic-Heft.

Bist du der Verkäufer, nenne eine hohe Zahl. Die bleibt beim Käufer im Kopf hängen, er kommt nicht mehr gut davon weg. Zugleich kannst du beim Verhandeln besser runtergehen.

Willst du dagegen das Heft kaufen, dann fang weit unten an. So kannst du auch noch mehr geben.

Zweiter Trick etwa beim Taschengeld: eine sehr genaue Zahl nennen. Also statt 5 Euro lieber 5,25 Euro. Das könnte die Eltern überraschen. Außerdem machen sie dann beim Gegenvorschlag gleich kleinere Schritte. Sie bieten dann vielleicht nicht nur 4 Euro an, sondern gleich 4,25 Euro.

Deshalb sollte man aber nicht mit den einfachen Themen anfangen, sondern mit den schwierigen. „Denn wenn am Ende nur noch die komplizierten Themen übrig sind, hat man nichts mehr, womit man der anderen Seite entgegenkommen kann“, erklärt Roman Trötschel. Dabei sollte man nicht unbedingt versuchen, sich immer in der Mitte zu treffen. Obwohl viele Leute glauben, so ein Kompromiss ist toll.

Schlauer sei es, sich zu überlegen: Welches Thema ist der anderen Seite besonders wichtig? Und dann, was ist mir am Wichtigsten? „Wenn ich das verstanden habe, kann ich für mich das Beste rausholen. Und auch der anderen Seite etwas geben, was dieser wichtig ist“, erklärt der Experte. Dann sollte man für sein wichtiges Ziel besonders stark kämpfen.

Sind Verhandlungen dann gut gelaufen, können sich zum Schluss beide Seiten als Gewinner fühlen. Dann sind auch die Chancen größer, dass CDU, CSU und SPD längere Zeit gut zusammenarbeiten – ohne dauernd zu streiten.

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