Umwelt : Schwalben im Winterurlaub

Lachseeschwalben fliegen mehr als 5000 Kilometer in den Süden.
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Lachseeschwalben fliegen mehr als 5000 Kilometer in den Süden.

Deutsche Vogelforscher besuchen Zugvögel aus dem Wattenmeer im afrikanischen Land Gambia.

shz.de von
25. März 2017, 01:42 Uhr

Kennt Ihr den Spruch: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer?“ Er kommt daher, dass Schwalben den kalten Winter bei uns meiden und in den wärmeren Süden fliegen. Erst wenn die Tage wieder lang sind und die Luft warm, kommen sie zurück, und zwar in Scharen. Wenn also viele Schwalben bei uns zu sehen sind, dann ist richtig Sommer.

Weil sie so viel umherziehen, nennt man die Schwalben Zugvögel. Auch viele andere Vogelarten ziehen im Winter in den Süden. Doch wo ist eigentlich „der Süden“? Wie sieht es da aus? Geht es den Vögeln dort gut?

Vom Nordseerand zum Tropenstrand

Das wollten Vogelexperten aus Schleswig-Holstein wissen und sind mit dem Flugzeug im Januar nach Guinea geflogen. Das ist ein Land an der Westküste Afrikas. Dort waren sie mit afrikanischen Vogelexperten verabredet, um mit ihnen gemeinsam nach den Zugvögeln zu schauen und sie zu zählen.

Für die Vogelforscher ist das Land Guinea besonders interessant, weil es dort auch Wattenmeer gibt, also Meeresboden, der bei Ebbe frei fällt. Wie bei uns an der Nordsee, nur viel wärmer. Im Wattboden leben viele Würmer, Muscheln, Schnecken und Krebstiere. Wegen dieses Nahrungsreichtums überwintern dort sehr gerne die Vögel, die wir auch aus unserem Wattenmeer kennen: Rotschenkel, Pfuhlschnepfen, Knutts, Brachvögel oder Seeschwalben.
„Es war lustig, diese bekannten Vögel zwischen den exotischen Flamingos und Pelikanen herumlaufen zu sehen“, sagt der Vogelexperte Klaus Günther, der bei der Naturschutzorganisation Schutzstation Wattenmeer arbeitet. Einen der Vögel kannte er persönlich, den hatte er nämlich schon mal in der Hand gehabt. Klaus Günther: „Im vergangenen Sommer habe ich die Küken der Lachseeschwalben in Dithmarschen selbst beringt.“ Dabei bekommen die Kleinen verschiedenfarbige Plastikringe um das Bein. Das tut ihnen nicht weh.

Für Forscher und Naturschützer sind die bunten Ringe dann wie Namensschilder. Sie können die Vögel dadurch auseinanderhalten. So wie jetzt in Afrika: Klaus Günther hat einen der beringten Vögel durch das Fernglas wiedergesehen. „Nun wissen wir ganz sicher, dass in Dithmarschen geschlüpfte Lachseeschwalben in Guinea überwintern“, sagt der Biologe. Bewundernswert, findet er, denn zwischen  Dithmarschen und Guinea liegen fast 5500 Kilometer. So weit ist der junge Vogel im Herbst geflogen.

Schützenswerter Naturschatz

Die Lachseeschwalben liegen den Vogelexperten besonders am Herzen, denn es gibt nur noch sehr wenige von ihnen. Der einzige Ort in Mitteleuropa, wo sie noch brüten, ist das Vorland des Neufelder Koogs in Dithmarschen. Hier legen jedes Jahr etwa dreißig Vogelpaare ihre Eier. Das Problem: Die Nester sind nur Mulden im Sand oder im Gras. Dort können Füchse oder Marder leicht die Eier oder die geschlüpften Küken erbeuten. Manchmal werden die Nester auch durch besonders hohe Wasserstände zerstört. Diese seltenen Vögel müssen also sehr gut geschützt werden, damit sie nicht aussterben. Bei uns an der Nordsee, aber auch in Afrika.

Klaus Günther hat in Guinea gesehen, dass die Umwelt dort nicht sehr gut geschützt wird. Es liegt viel Plastikmüll an den Stränden. Bäume, die im Wasser wachsen und gute Verstecke für Fische und Vögel sind, werden abgeholzt, und Abwasser wird ungeklärt ins Meer geleitet. Günther findet daher, dass das Wattenmeer an Afrikas Küsten genauso unter Naturschutz gestellt werden müsste wie bei uns: „Hier liegt ein wahrer Naturschatz. Und es ist der Lebensraum ,unserer‘ Zugvögel.“ Zumindest im Winter.

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