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Kinderarbeit : Schnitte in der Hand und tote Ratten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt Eltern auf der Welt, die so arm sind, dass sie ihre Kinder zur Arbeit statt in die Schule schicken. Shahid ist so ein Kind. Aber eines Tages will er Fußballer werden.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 05:29 Uhr

Shahid steht vor einem verrosteten Müllcontainer. Daraus quellen Papier, Plastik, Essensreste und anderer Abfall heraus. Die halbe Straße ist mit buntem, stinkendem Müll bedeckt.

Am Rand des Müllteppichs arbeitet die Familie von Shahid. Mit bloßen Händen sortieren sie Milchtüten, Plastikflaschen, Glasflaschen und Metallstücke in einen riesigen Sack.

Shahids Eltern sind Müllsammler in dem Land Indien. Das liegt in Asien. Viele Menschen dort sind sehr arm. Für die dreckige Arbeit bekommen die Eltern von Shahid nur drei Euro am Tag. Damit die Familie ein bisschen mehr Geld bekommt, musste der Zehnjährige bis vor Kurzem auch mithelfen.

„Manchmal waren die Glasflaschen zerbrochen, dann habe ich mich geschnitten“, erzählt er. Der Junge zeigt auf die Narben an seinen Händen. Ab und zu fand er auch eine tote Ratte im Müll. „Die musste ich dann hochheben und wegwerfen“, sagt er angeekelt.

Eigentlich ist Kinderarbeit in Indien verboten, genauso wie in Deutschland. Aber Shahid wohnt ganz am Rand der Hauptstadt Neu-Delhi in einer Armensiedlung. Dort kontrolliert niemand, ob Kinder arbeiten. Auch alle Freunde von Shahid waren Müllsammler.

„Als ich vor ein paar Jahren angefangen habe zu arbeiten, fand ich das sehr schmutzig. Aber dann habe ich mich daran gewöhnt“, sagt Shahid. Manchmal fand er auch etwas Nützliches im Müll. Zum Beispiel das rote T-Shirt, das er trägt. Und auch die viel zu großen Plastikschuhe an seinen Füßen.

Seit April hat Shahid nun aber Unterricht. Sein Berufswunsch: Fußballspieler.

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