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Menschenskinder : Ruddy lebt in Bolivien

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sternsinger unterwegs: Deutsche Kinder unterstützen mit einer Spendensammlung Kinder in aller Welt

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 19:02 Uhr

Hallo! Ich heiße Ruddy und bin 14 Jahre alt. Ich lebe in Bolivien. Das ist ein Land in Südamerika. Wenn ihr mich aus Deutschland besuchen wollt, müsst ihr ungefähr 18 Stunden mit dem Flugzeug fliegen.

Meine Stadt heißt El Alto. Hier lebe ich gemeinsam mit meinen Eltern und meinem achtjährigen Bruder Albin. El Alto liegt auf 4100 Metern. Ganz schön hoch, oder? Von unserer Wohnung kann ich den zweithöchsten Berg Boliviens sehen: den Berg Ilmani. Mit einer Seilbahn komm man hinunter in die Nachbarstadt La Paz. Dort leben die reicheren Leute und dort arbeitet auch der Präsident Boliviens. Denn in La Paz sitzt unsere Regierung, unsere Hauptstadt ist aber Sucre.

Schuss und Toooor! Jubelnd laufen die anderen Jungs und Mädchen auf mich zu. „Klasse, Ruddy, super geschossen“, lobt mich mein Trainer. Drei Tage in der Woche trainieren mein Bruder Albin (8) und ich in der Palliri Fußballschule in El Alto. Kopfballtraining, Dribbling, Tore schießen – ein riesiger Spaß!

Als mein Vater so alt war wie ich, hat er auf dem Land auch immer Fußball gespielt. Doch dann musste er seine Heimat verlassen und ist nach El Alto gezogen. Hier in der Stadt hat er eine Arbeit als Tischler gefunden und konnte Geld verdienen.

Hier hat er meine Mutter kennengelernt. Sie gehören beide zum Volk der Aymara. In Bolivien gibt es 36 verschiedene Volksgruppen. Die Aymara sind die größte. Wir sind sehr stolz auf unsere Traditionen und unsere typische Kleidung – dazu gehören die aus Schafwolle gewebten Ponchos. Doch als mein Vater in die Stadt gezogen war, fühlte er sich fremd. In der Stadt würde ich meinen Poncho nicht anziehen, denn ich habe keine Lust, von den Leuten blöd angeguckt zu werden. Viele stempeln uns als dumm ab, weil wir vom Land kommen. Das ist respektlos, denn die meisten kennen uns und die Traditionen der Aymara gar nicht und haben Vorurteile. In der Stadt hat mein Vater sich angepasst, vermisst aber die Gemeinschaft, die er vom Leben auf dem Land kennt. Er freut sich, dass wir eine solche Gemeinschaft jetzt auch beim Fußballspielen erleben. Das Training in der Palliri-Fußballschule kostet im Monat umgerechnet 2 Euro. Weil meine Eltern das Geld aber nicht aufbringen können, trainieren Albin und ich umsonst. In der Fußballschule lernen wir nicht nur Spielen, sondern auch respektvoll miteinander umzugehen. Die Palliri-Schule legt auch viel Wert auf die Ausbildung. Sie sagen: Wenn du einen Ball in der einen und ein Buch in der anderen Hand hast, lass niemals das Buch fallen, sondern immer den Ball.“

Ich möchte später gern Ingenieur werden. Das kann nur in der Stadt klappen. Trotzdem freue ich mich jedesmal, wenn wir am Wochenende aufs Land zu unseren Verwandten fahren. Dort können wir unsere Ponchos anziehen, ohne dass uns jemand komisch ansieht. Wir fangen Fische, hüten die Lamas, die die wunderbar warme Wolle für unsere Ponchos liefern und naschen selbstgemachten Käse. Dort draußen können wir uns selbst versorgen – und müssen das auch, weil es keine Geschäfte gibt.

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