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Auf der Flucht : Quer durch die Welt auf der Suche nach Frieden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kina-Reporter fragen drei jugendliche Flüchtlinge, wie sie nach Schleswig–Holstein gekommen sind.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2014 | 01:39 Uhr

„Was denkst du über die deutsche Flüchtlingspoltik?“, fragt Leif mitten im Interview. „Kochen, kochen!“, antwortet Hamid* irritiert. Er hat die Frage nicht richtig verstanden. Er denkt, dass wir ihn danach fragen, was er später mal werden will. Hamid (17) kommt ursprünglich aus Afghanistan. Dann lebte er lange im Iran, floh aber vor zwei Jahren nach Deutschland.

Kina-Reporter in der Schutzstelle

Jetzt wohnt er im Elisabethheim in Havetoft bei Flensburg. Weil im Moment immer mehr Menschen vor Kriegen, Gewalt, Hunger oder Ähnlichem in der Welt fliehen, haben die Kina-Reporter drei jugendliche Flüchtlinge befragt, die ohne Eltern oder Familie allein vom Iran und Eritrea hergekommen sind. Die sechs Kina-Reporter wollten von ihnen alles über die Reise und das Leben in der Fremde wissen.

Vier Tage lang fuhren zum Beispiel Amaan* und Walid* (beide 17) mit dem Boot über das Mittelmeer zur Insel Lampedusa. Sie starteten ihre gefährliche Reise in Asmara der Hauptstadt von Eritrea. Die Stadt liegt im Nordosten Afrikas, etwa 125 Autostunden entfernt von Flensburg.

Hamid hingegen floh vom Iran in die Türkei. Dort war er zwei Monate, bevor er nach Griechenland weiterzog. Von Athen braucht man noch etwa 28 Autostunden bis Flensburg. Vor eineinhalb Jahren kam Hamid in der Schutzstelle in Havetoft unter. Die Eritreer trafen ein halbes Jahr später dort ein. Jetzt leben die drei mit ein paar anderen Jugendlichen aus Krisengebieten in einer Wohngruppe zusammen.

Wohnen wie in einer WG

Das Elisabethheim liegt auf dem Land zwischen Feldern und Koppeln. Im Mittelpunkt steht das große herrenhausartige Verwaltungsgebäude mit dem ehemaligen Speisesaal. Vom Verwaltungsgebäude geht man 100 Meter gerade aus. Auf beiden Seiten des Weges liegen normale Wohnhäuser, in denen Flüchtlinge und Kinder aus schwierigen Verhältnissen untergebracht sind.

Amaan, Walid und Hamid leben in einer Wohnung, die jede andere deutsche Familie auch so bewohnen könnte. Jeder hat sein eigenes Zimmer, in das er sich zurückziehen kann. Außerdem gibt es Wohnzimmer, Bad und Küche, einen Internetanschluss und Telefon.

Erik fragt Hamid: „Was gefällt dir am besten an Deutschland?“ Hamid antwortet: „Das Internet, hier bleiben können und Fußball spielen.“ Für die Zeit, die Hamid erst in Deutschland ist, spricht er erstaunlich gut deutsch. Manche komplizierte Frage, wie zum Beispiel über Politik, versteht er noch nicht so gut. Aber andere Fragen, wie über seinen Tagesablauf, kann er sofort beantworten.


Auch Flüchtlingskinder gehen zur Schule

Die jungen Flüchtlinge müssen früh aufstehen. Um halb sieben kommt der Bus, der die drei zur Schule nach Flensburg bringt. Hier gehen sie in eine DAZ-Klasse. In diese Klasse gehen Schüler die noch nicht so viel deutsch sprechen. Um ein Uhr endet der Unterricht. Am Nachmittag können die Jungen freiwillig auf dem angeschlossenen Bauernhof helfen. Montagabends trainieren sie beim Havetofter Fußballverein.

„Ich will bleiben für immer und hoffe, dass meine Familie auch kommt“, erzählt Hamid. Er möchte Taxifahrer oder Koch werden. Deshalb hatte er anfangs nur Kochen im Kopf. Busfahrer möchte er nicht werden, weil ein Bus so unhandlich ist. Walid möchte Mechaniker werden. Amaan träumt davon zu studieren.

* Namen von der Redaktion geändert


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