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Kinderoper : Piraten singen von „Kanooooonen“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Freibeuter auf der Opernbühne: In Lübeck proben Kinder und Jugendliche für die „Störtebeker“-Premiere am Sonnabend.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2014 | 01:31 Uhr

Piraten haben die Lübecker Wallhalbinsel erobert. Aus dem Hafenschuppen C ist ihr lauter Gesang zu hören: Um Störtebeker und seine Männer geht es da und um eine Königin, die den berühmten Freibeutern das Handwerk legen will. Was durch die Ritzen der alten Tore dringt, sind die Klänge der letzten Proben.

Am Sonnabend wird im Schuppen C „Störtebeker“, die Piratenoper für junge Menschen, uraufgeführt. Idee und Musik zum 90-Minuten-Stück stammen von einer Frau, die sich mit musikalischen Geschichten auskennt: Gabriele Pott, Erfinderin der Eutiner Kinderoper. Für den „Störtebeker“ hat sie fünf Solisten, 20 Instrumentalisten und einen Chor auf die Bühne geholt, in dem rund 40 norddeutsche Kinder und Jugendliche singen. Mit dabei sind Johanna (15) aus Stockelsdorf, Lea Sophie (13) aus Eutin und Leonard-Orlando (12) aus Lübeck.

„Kanoooonen“ und noch einmal: „Kanooonen“. Regisseurin Eva-Maria Schattauer lässt die Chorkinder das Wort üben, bis es ganz deutlich durch den Schuppen C hallt. 500 Zuhörer müssen bei den Vorstellungen die Texte verstehen können. Dafür wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Und so stehen die Chormitglieder zwischen Segeln und Säcken und üben „Kanone“ und „erschlagen“ und „Likedeeler“, was soviel wie Gleichteiler heißt und der Name für Störtebeker und seine Männer ist.

Ist soviel Üben und dann noch Oper nicht öde? Wohl nicht, denn wer in die Gesichter guckt, sieht Spaß. Johanna, für die Gesang, Cello- und Klavierspiel zum Leben gehören, hat Casting und Probe zum Haupt-Ferienvergnügen erklärt. „Auf den Störtebeker hat mich eine Freundin aufmerksam gemacht“, sagt sie.

Musik gehört auch für die anderen in die Freizeit. Leonard ist Mitglied der Lübecker Knabenkantorei, Lea-Sophie singt seit Jahren im Chor der Eutiner Festspiele. Eine Uraufführung, also die allererste Aufführung eines neuen Stückes, ist aber für alle drei etwas besonderes.

Angst vor komplizierten Klängen muss beim „Störtebeker“ niemand haben. Gabriele Pott hat dem Piraten „Musik, die Piratenenergie und die Sehnsucht nach dem Meer ausdrückt“ auf den Leib geschrieben, und Johanna bestätigt: „Das ist Musik für junge Leute und die Stücke sind gut zu singen.“

Viele Chormitglieder schlüpfen in Doppelrollen. Piratin Johanna ist auch Hofdame, Lea Sophie außerdem Hansedame. Die gefällt ihr auch gut, sagt sie, „aber als Pirat kann man sich mehr ausleben.“ Für sie geht im Lübecker Schuppen sechs ein Sommerferien-Traum in Erfüllung.

Und Störtebeker? War der nun gut oder böse? „Die Frage kann man so gar nicht beantworten“, meint Leonard. „Jemandem etwas wegzunehmen, ist nicht richtig, aber es ist auch nicht richtig, wenn Menschen so arm sind, dass sie nicht genug zum Leben haben.“

Der Pirat Klaus Störtebeker wurde 1401 in Hamburg hingerichtet. Die Legende sagt, dass Hamburgs Bürgermeister all denen seiner Leute das Leben schenken wollte, an denen Störtebeker nach der Enthauptung noch vorbeigehen konnte. Der Pirat war tapfer: Elf Mann hätte er so retten können, doch: „Störtebekers Ende kennt man. Wirklich traurig ist aber, dass sich der Bürgermeister nicht an sein Versprechen gehalten hat“, sagt Leonard.
Die Uraufführung der „Störtebeker“-Piratenoper ist am Sonnabend um 16 Uhr im Lübecker Hafenschuppen C. Weitere Vorstellungen, Karten und Infos: www.gabriele-pott.de, Tel. 0451/582 1606.

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