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Kindernachrichten

22. September 2017 | 15:45 Uhr

Tiere : Mutprobe für Vogelküken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Küken der Trottellummen stürzen sich auf der Insel Helgoland jedes Jahr von den Klippen ins Meer. Für die Tiere ist das überlebenswichtig.

shz.de von
erstellt am 01.Jul.2015 | 01:14 Uhr

Traut es sich? Ein Lummenküken flattert aufgeregt mit seinen kurzen Flügeln. Etwas tollpatschig watschelt es auf der Klippenkante hin und her, in einem dichten Gewusel von erwachsenen Lummen. Von hier soll sich der kleine Vogel viele Meter in die Tiefe stürzen – obwohl er erst wenige Wochen alt ist und noch nicht fliegen kann! Da wird einem nur vom Zusehen mulmig.

Für das Lummenküken (Foto) geht es steil abwärts ins Meer, rund vierzig Meter. Das ist höher als das zehnte Stockwerk einiger Hochhäuser. Die Lummen-Eltern treiben unten im Meer auf den Wellen. Sie versuchen offenbar, ihr Küken zum Sprung zu überreden: Kleiner, trau dich, könnte ihr Geschrei bedeuten. Aber das Küken scheint zu zögern. Zumindest sieht es durch das Fernglas so aus.

Das Ganze wirkt wie eine gefährliche Mutprobe, zu der ausgerechnet die Eltern auffordern. Aber sie haben für ihren Nachwuchs nur das Beste im Sinn, sagt Jochen Dierschke. Er arbeitet als Vogelforscher auf Helgoland. Das ist eine deutsche Insel in der Nordsee, wo sich jedes Jahr im Sommer dieser Lummensprung der Vogelküken abspielt.

„Die Natur hat das klug eingerichtet: Der Sprung ins Wasser ist für die Lummen wichtig, damit sie überleben“, erklärt der Experte. Denn Trottellummen können nicht besonders gut fliegen. Die schwarz-weißen Vögel erinnern an Pinguine und haben ziemlich kurze Flügel, wie kleine Stummel. Deshalb wäre es schwierig für sie, ihre Küken auf den Klippen mit Futter zu versorgen.

Die Eltern müssten weite Strecken fliegen, um Nahrung zu beschaffen und diese ihrem Nachwuchs auf Helgoland zu bringen. „Das würden sie kaum schaffen. Viele Küken würden verhungern“, sagt Jochen Dierschke. „Deshalb locken die Eltern die Kleinen ins Wasser.“

Wenn die Küken mit im Meer schwimmen, ist es für die Eltern viel leichter, sie etwa mit kleinen Fischen wie Sandaalen oder Sprotten zu füttern.

„Lummen sind zwar keine eleganten Flieger, dafür aber sehr gute Schwimmer“, sagt der Vogel-Experte. „Sie können über hundert Meter tief tauchen und so leicht Futter besorgen.“ Der Sprung ins Meer sichert den Lummen damit das Überleben und ist längst nicht so gefährlich, wie er wirkt. „Das Skelett ist bei den Küken noch so weich, dass sich die Vögel in der Regel nicht verletzen.“

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