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Kina-Reporter : Monika Heinold: „Die Kinder sollen gut betreut sein“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Junge Reporter interviewen Finanzministerin Monika Heinold – es geht um Bildungspolitik, Finanzen und Koalitionsverhandlungen.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 15:04 Uhr

Besitzen Sie als Finanzministerin eigentlich Aktien?

Monika Heinold: Nein, besitze ich nicht.

 

Also würden Sie Aktien generell nicht weiterempfehlen?


Das würde ich so pauschal nicht sagen. Wer Aktien hat, muss sich gut darum kümmern und viel Zeit investieren. Meine Zeiteinteilung ist da einfach eine andere, ich persönlich möchte mich in meiner Freizeit nicht mit Aktienkursen und Risikoabwägungen beschäftigen.


Was meinen Sie, wie man Jugendlichen beibringen sollte, mit Finanzen oder Geld umzugehen?


Ich glaube, dass es wichtig ist, von Anfang an Taschengeld zu erhalten, auch mit der Verantwortung, damit auskommen zu müssen. Es ist wichtig, beim Einkaufen gemeinsam mit den Eltern Preise zu vergleichen, auch im Geschäft zu schauen, wo was steht, um früh ein Preisbewusstsein zu entwickeln. Ich glaube, dass es auch wichtig ist, mit Kindern über das Einkommen der Eltern zu sprechen, und wofür das Geld gebraucht wird.


Unsere Erfahrung ist, dass viele Schulen in Schleswig-Holstein baufällig sind. Wieso gibt es so wenig Geld für die Schulen?


Land und Kommunen haben in den letzten Jahrzehnten zu wenig investiert und wir haben in allen Bereichen Sanierungsstau. Davon sind leider auch die Schulen und Hochschulen betroffen. Wir haben bereits mit der Küstenkoalition angefangen, Schulen und Hochschulen zu sanieren und zu modernisieren. Diesen Kurs werden wir auch als Jamaika-Koalition fortsetzen, so haben wir es im Koalitionsvertrag vereinbart. Beim Land haben wir jetzt große Sondervermögen, die wir weiter auffüllen, um die Sanierung von Polizeibehörden, Krankenhäusern und Straßen voranzubringen. Außerdem wollen wir den Kommunen helfen, ihre Schulen zu sanieren. Es gibt also sehr viel zu tun. Und deshalb geht es nur Schritt für Schritt.


Wo wir gerade vom Thema Schulen sprechen: Es gibt in der Regierung die Entscheidung, G9 wieder einzuführen. Die Grünen tragen diese Entscheidung widerwillig mit, weil FDP und CDU darauf drängen. Ich würde gern Ihre persönliche Meinung dazu hören.


Ich war damals sehr skeptisch, als von G9 auf G8 umgestellt wurde, Kinder brauchen Zeit zum Leben und zum Lernen. Letztendlich ist die Politik meiner Meinung nach damals dem Druck der Wirtschaft erlegen. Nachdem nun fast flächendeckend G8 eingeführt war, haben wir Grüne gesagt: Nun soll das auch so bleiben, nicht schon wieder ein Strukturwechsel! Aber CDU und FDP wollten wieder zurück zu G8, und wir mussten uns in den Koalitionsgesprächen einigen. Da ich schon immer eher für G9 war, ist es mir nicht schwergefallen, den Kompromiss jetzt mitzutragen.


Apropos Jamaika. Jamaika wird als die einzig mögliche Regierungskoalition gehandelt. Schleswig-Holstein wird als Vorbild gesehen. Wie ist Ihre Meinung dazu?


Wir haben vor der Bundestagswahl gesagt, wir wollen keine Blaupause für den Bund sein. Die Parteien in Schleswig-Holstein sind ganz anders aufgestellt als auf Bundesebene. Jetzt, wo wir im Bund praktisch keine andere Möglichkeit als Jamaika haben, weil niemand Neuwahlen herbeiführen will, ist unser Land dennoch zum Vorbild geworden. Alle schauen nach Schleswig-Holstein. Und ein bisschen stolz sage ich jetzt, wer von Schleswig-Holstein lernen möchte, wie es gehen kann, wie drei sehr unterschiedliche Partner gut zusammenarbeiten, der ist herzlich eingeladen, sich das hier anzuschauen.


Gibt es ein Ziel, das besonders wichtig für Sie ist, dass Sie in dieser Legislaturperiode schaffen wollen?


Am wichtigsten ist mir die Förderung der Kindertagesstätten. Hier haben wir uns viel vorgenommen. Wir wollen die Eltern besser unterstützen und mehr Qualität in die Kitas bringen. Die Kinder sollen gut betreut sein und die Pädagogen sollen entlastet werden. Ich habe früher ja selbst als Erzieherin in Kindertagesstätten gearbeitet und deshalb liegt mir das Thema sehr am Herzen.


Sie waren im Sommer ja auf Schleswig-Holstein-Tour. Welche Stadt hat Ihnen da denn am besten gefallen? Was für Eindrücke haben Sie dort gewonnen?


Meine diesjährige Tour war total toll, weil ich so viele engagierte junge Menschen getroffen habe. Diesmal standen die jungen Leute, die sich vor Ort engagieren, im Vordergrund. Ich habe mir die Zeit genommen, mir die Stadt aus Sicht der Jugendlichen und der Kinder zeigen zulassen. Deswegen kann ich nicht sagen, diese Stadt oder diese Gemeinde war am schönsten. Das Beste waren die Begegnungen und Gespräche mit den jungen Menschen.


Haben Sie bei Ihren ganzen Terminen eigentlich auch noch Freizeit, Sie haben ja auch zwei Kinder?


Meine zwei Söhne sind ja schon um die 30 Jahre alt und deshalb schon lange aus dem Haus. Ich wohne mit meinem Partner zusammen. Wir segeln gerne im Sommer, wir fahren Fahrrad, gehen spazieren, reisen gerne. Und wir treffen uns auch mit der Familie, zu meinen Söhnen habe ich nach wie vor sehr guten Kontakt. Aber die Freizeit einer Ministerin ist natürlich begrenzt. Es gibt häufig Termine am Wochenende und in den Abend hinein. Trotzdem mache ich meinen Job ausgesprochen gerne und für die wichtigen Dinge im Privatleben bleibt auch noch Zeit.


 

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