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Weltall : „Mehr als ein fliegender Mensch“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Astronauten könnten in einem „Monddorf“auf dem Mond leben und neue Technologien testen. Auf dem Mars wird bereits geforscht.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 03:46 Uhr


Herr Wörner, „Monddorf“ klingt spannend – könnte ich da auch wohnen?
Ich glaube nicht, dass die Menschen dauerhaft auf dem Mond leben sollten. Dafür ist das Monddorf nicht gedacht, es ist dort auch zu unwirtlich: Keine Luft zum Atmen, Temperaturen zwischen plus 130 und minus 160 Grad Celsius, starke Strahlung. Und ein Leben in Dosen ist nicht schön.

Es ist schon lange her, dass Menschen auf dem Mond waren, warum sollten wir dahin zurückkehren?
Die Astronauten können dort lernen, wie man in unwirtlichen Regionen überlebt, sie können Weltraumroboter erproben und von der dunklen Seite des Mondes mit einem großen Teleskop ins Weltall schauen. Außerdem ist der Mond weitgehend unerforscht. Es lohnt sich auf jeden Fall, erneut zum Mond zu fliegen – mit vielen Menschen und vielen Robotern von verschiedenen Ländern – auch um zu zeigen, dass ein friedliches Zusammenarbeiten möglich ist.

Sie reden oft vom Mond als Sprungbrett – wohin springen wir vom Mond?
Der Mensch ist aus der Höhle herausgekommen, ist über den Atlantik geflogen, ist auf den Mount Everest gestiegen, er geht in die Tiefsee, und er wird es sich nicht nehmen lassen, auch zum Mars zu fliegen. Da ist der Mond ein guter Testfall, ein Sprungbrett, um dort neue Technologien auszuprobieren und damit dann weiterzureisen.

Was machen Astronauten denn?
Die Astronauten machen viele Sachen gleichzeitig. Sie erforschen das Weltall und probieren neue Technologien aus. Aber sie machen auch Forschung am Menschen: Zum Immunsystem, zur Alterung, zur Blutdruckregulation – all das machen sie. Und dabei arbeiten immer Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammen – etwas, was auf der Erde manchmal nicht mehr geht.

Gewinnt man von dort oben einen anderen Blick auf die Erde?
Ich bin ja nicht selber da oben. Aber wenn ich von den Astronauten Bilder von der Erde kriege, dann wird mir schon noch klarer, dass wir hier unseren kleinen blauen Punkt ein bisschen pfleglicher behandeln müssen. Es ist nicht so, dass ich sage, mit der Raumfahrt können wir die Erde endlich verlassen. Das halte ich für Unsinn. Der nächste bekannte erdähnliche Planet ist 39 Lichtjahre entfernt, das heißt, ein Lichtsignal braucht 39 Jahre, um von der Erde dorthin zu kommen. Für das Weltall ist das noch eine sehr kleine Entfernung. Aber es ist für Menschen völlig unmöglich, dorthin zu reisen.

Was bedeutet das für uns?
Wir sollten durch die Raumfahrt auch verstehen, wie empfindlich unsere Erde ist. Die Atmosphäre, in der wir noch leben können, ist etwa acht Kilometer dick. Wenn man die Erde zu einem Fußball zusammenziehen würde, dann wäre die Atmosphäre, in der wir noch atmen könnten, so dünn wie ein Haar. Wenn Astronauten so etwas rüberbringen, wecken sie doch auch das Bewusstsein: Verdammt noch mal, wir müssen unsere Erde bewahren! Deshalb ist ein Astronaut viel mehr als ein fliegender Mensch.


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