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Kinder helfen Kindern : Linda auf der Flucht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sternsinger in Deutschland helfen Kindern in Not. Zum Beispiel der sechsjährigen Linda aus Malawi.

Linda lächelt. Sie liebt es, mit ihren Freundinnen Lialia und Demama „Kange“ zu spielen. „Das ist ein Spiel, bei dem wir hüpfen und klatschen, und der Rhythmus wird immer schneller“, erklärt Linda. Ihre Freundinnen hat Linda hier kennen gelernt, im Flüchtlingslager Dzaleka in Malawi.

Was machen die Sternsinger?

Sie wandern von Haus zu Haus, singen Lieder und sammeln Spenden: die Sternsinger. Das sind Mädchen und Jungen, die sich  um den 6. Januar, den Drei-Königs-Tag, mit festlichen Gewändern und Kronen als Könige verkleiden. Wichtig ist aber auch noch etwas anderes: Die Sternsinger segnen die Häuser. Sie schreiben  20*C+M+B+14“ an Haustüren. Das ist die Abkürzung für den lateinischen Satz „Christus mansionem benedicat“ und bedeutet übersetzt „Christus segne dieses Haus“.

 

Wofür sammeln die Sternsinger?

Mit dem Geld, das sie von den Bewohnern bekommen, wollen sie anderen Kindern helfen, denen es nicht so gut geht. In diesem Jahr unterstützen die Sternsinger Kinder auf der Flucht – vor allem aus Malawi. 

Insgesamt können 2900 Projekte in mehr als einhundert Ländern in Afrika, Asien, Ozeanien, Lateinamerika und Osteuropa jedes Jahr mit dem Geld, das die Kinder sammeln, unterstützt werden: Kinder in Kriegs- und Katastrophengebieten, Waisenkinder, Kinder mit Behinderungen oder schweren Erkrankungen, Kinder, die kein sauberes Trinkwasser haben; für all diese Gleichaltrigen machen sich die Sternsinger in Deutschland immer wieder auf den Weg. Die 1959 gegründete Aktion Dreikönigssingen ist die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder.

 

 

17 000 Menschen leben im Lager. Sie alle mussten aus ihrer Heimat fliehen. Linda kam vor fast einem Jahr nach Dzaleka. Sie floh vor dem Krieg. Hier wohnt sie mit ihren Geschwistern in einem kleinen Lehmhaus. Die Wege zwischen den Häusern sind uneben und voller Löcher. Die Mädchen klatschen und hüpfen – juhu, Linda hat gewonnen!

Nur weg aus dem Kongo!

Linda lächelt. Dabei ging es ihr lange Zeit gar nicht gut. Vor einem Jahr lebte das Mädchen noch im Kivu, einer Region im Osten des Kongos. Alles war gut für Linda, bis eines Tages bewaffnete Männer in das Haus der Familie eindrangen. Sie gehörten einer anderen politischen Partei als Lindas Vater an. Es kam zum heftigen Streit und die Männer brachten Lindas Eltern um. Für die Kinder gab es nur einen Ausweg: Sie mussten weg. Denn die Mörder der Eltern waren nun auch hinter ihnen her.

Zum Glück zahlte ihnen der Pfarrer der Gemeinde Bustickets nach Tansania. Von dort ging es weiter nach Malawi. Erschöpft kamen die Geschwister nach vier Wochen im Flüchtlingslager Dzaleka an.

Linda ist die Jüngste unter den sechs Geschwistern. Ihre älteste Schwester Aladine hat seit dem Tod der Eltern die Mutterrolle in der Familie übernommen. Die 17-Jährige kümmert sich um den Haushalt, während die Jüngeren in die Schule gehen. Heute kocht Aladine Maisbrei für ihre Geschwister. Jede Familie erhält in Dzaleka einmal im Monat eine bestimmte Menge Mais, Hafer, Salz und Öl. Doch oft reichen die Lebensmittel nicht aus. Deshalb haben die Geschwister einen kleinen Garten angelegt. Jeden Tag nach der Schule kümmert sich Linda um die Gemüsepflanzen. „Das bringt Abwechslung auf den Tisch“, sagt Aladine.

Lernen für die Zukunft

In der Schule teilt sich Linda mit ihren Freundinnen Demama und Lialia eine Schulbank. Über 80 Kinder besuchen die erste Grundschulklasse. Was Linda später einmal werden möchte? „Lehrerin, Ärztin oder Journalistin“, sagt sie. Doch sie wird es nicht leicht haben, ihre Ideen umzusetzen. „Für den Moment ist vor allem wichtig, dass wir ein Dach über dem Kopf haben und in Sicherheit sind“, sagt Aladine.

Außerhalb des Lagers gibt es für die Geschwister in Malawi keine Zukunft, da die Regierung Flüchtlingen kein Asyl gewährt. Und leider ist es auch kaum denkbar, dass Linda in den nächsten Jahren in ihre Heimat, den Kongo, zurückkehren kann. Dort ist es noch zu gefährlich. Wohin also? „Ich hoffe, dass wir eines Tages in ein anderes Land gehen können“, sagt Aladine. Linda bleibt voller Hoffnung: „Wenn ich lachen kann und keine Angst haben muss, ist alles gut“, sagt sie und lächelt.

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erstellt am 03.Jan.2014 | 17:10 Uhr

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