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Kindernachrichten

20. Oktober 2017 | 03:54 Uhr

Schule : Latein zum Anfassen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lateinschüler Kasimir (11) und seine Mitschüler vom Alten Gymnasium konnten sich einen Vormittag für das Alte Rom begeistern

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 01:27 Uhr

Salvete! Seid gegrüßt! Wir „Lateiner“ vom Alten Gymnasium Flensburg wurden einen Vormittag lang von „Legio XXI Rapax“ besucht. Diese Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulkindern das Leben der römischen Legionäre näherzubringen. Statt unser Lateinbuch in die Hand zu nehmen, konnten wir beinahe echte Römer live erleben, und einige von uns durften selbst in die Rolle eines Soldaten schlüpfen.

Lucianus und Cato beeindruckten uns in ihren Kettenhemden und Helmen auf dem Kopf. Zuerst haben sie mit uns geklärt, welche heutigen Länder im Imperium Romanum – dem Römischen Reich – lagen. Lucianus stellte sich uns als Ausbilder römischer Staatsbürger zum Legionär vor. Nicht alle Bewerber wurden ausgewählt, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllten. Nur Secundus aus der 6c, der eigentlich Matthias heißt, hatte das Glück, rekrutiert zu werden: Er war freier römischer Staatsbürger und übte als Bauer einen anständigen Beruf aus. Er war nicht verheiratet und hatte ein Empfehlungsschreiben dabei. Somit konnte seine Ausbildung beginnen. Ausgestattet mit einem schweren Helm, Lanze und Schwert übte er das richtige Stehen. Die Befehle „state“ (steht stramm!) und „laxate“ (steht locker!) bestimmten Secundus’ Haltung. Nachdem die Ausbildung beendet war, beschrieben Cato und Lucian uns eine Schlacht gegen die Pikten und zeigten uns, mit welchen Waffen damals gekämpft wurde: Scorpione waren ganz leise, schnelle Wurfgeschosse, auch Pfeile und Steinschleudern fanden Verwendung. Das Pilum (der Speer) wurde von allen gleichzeitig geworfen, danach bekam man den Befehl, in Kampfformation zu gehen. Dabei wird mit dem Kurzschwert gestochen. Lucian machte uns das eindrucksvoll vor.

Wie schlimm ein Treffer von einem Pfeil war, demonstrierte unter vorgespielten Schmerzen Flaccus, im echten Leben Finn aus der 6a. Der spitze Pfeil ließ sich relativ gut aus der Wunde herausziehen, doch für den Pfeil mit Widerhaken musste ein Medicus her, da die Widerhaken beim Herausziehen einen größeren Schaden anrichten konnten. Der Verletzte wurde, soweit möglich, mit Kräutern betäubt und der Pfeil in einer Operation entfernt. Zum Glück steckte der Pfeil nicht wirklich in der Bauchdecke, sondern nur zwischen den Fingern unseres verwundeten Flaccus.

Aus unserer heutigen Sicht konnten die Legionäre, die während der sogenannten Pax Romana oder Pax Augusta dienten, sehr froh sein. Denn während der Friedenszeit des Kaisers Augustus kam es vor, dass die Legionäre nie ein Schlachtfeld gesehen haben. Stattdessen bauten sie Gebäude und übernahmen Aufgaben in der Verwaltung und im Sicherheitswesen. Viele Ideen und Errungenschaften der Römer haben bis heute überdauert: unter anderem im Justizwesen, im Verwaltungswesen und in der Architektur. Unsere modernen Thermen beispielsweise gehen auf die Römer zurück. Wir lernen immer noch Latein in der Schule – so tot, wie immer gesagt wird, ist diese Sprache also gar nicht. Und nach solch einem informativen und anschaulichen Vormittag über die Welt der alten Römer können wir uns das ein oder andere aus unseren Lateinbüchern noch besser vorstellen, wir sind gespannt auf weitere Geschichten aus Lucians und Catos Zeit.


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