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Kina-Reporter : Ladelund: Ort des Trauerns und des Beweises

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Ladelund recherchieren die Kina-Reporter die dunkle Seite der Geschichte Schleswig-Holsteins.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 19:45 Uhr

Ladelund | „Der Glaube war das Einzige, das sie durchhalten ließ“, erzählt Raimo Alsen, der Leiter der Gedenkstätte für das ehemalige Konzentrationslager an der dänischen Grenze.

2000 Männer, viele von ihnen politische Gefangene und Attentäter sowie wenige Juden, wurden in Ladelund unter grausamen Bedingungen festgehalten. Sie kamen aus zwölf verschieden Ländern. Das Lager war sechs Wochen lang im Jahr 1944 ein Außenlager des größeren Konzentrationslagers Neuengamme. Die Häftlinge in dem Ort im Kreis Nordfriesland mussten einen Panzer-Abwehr-Graben bauen, damit keine Feinde über die Nordsee nach Deutschland gelangen konnten. Allerdings war schnell klar, dass die Gegner diesen Weg nicht wählen würden.

Die Namen der Häftlinge wurden gegen eine fünfstellige Nummer ausgetauscht, die sie um den Hals tragen mussten. Außerdem lebten sie in unmenschlichen Zuständen. Zum Beispiel bekamen sie nur eine Häftlingskleidung und ausreichend Essen gab es auch nicht. Es gab weder Betten noch Toiletten. Sich waschen war unmöglich. Das führte zu vielen Krankheiten, durch die viele Männer starben.

Häftlinge, die mehr Macht als andere hatten, wurden Kapos genannt. Sie hatten den Auftrag, andere Gefangene zum Arbeiten zu zwingen. Wenn die Männer zu langsam arbeiteten, durften die Kapos sie schlagen. Das taten die Kapos nur, um selbst zu überleben. Nur sehr wenige Menschen, die in Ladeund gefangen waren, überstanden diese Zeit.

Der letzte der wenigen Überlebenden war Jannis Priem, der 2013 verstarb. Er berichtete Raimo Alsen von einem Vorfall der ihn bis zum Tod begleitete: Als er mit seinem Schwager redete, sagte ihm dieser, er solle nicht so schnell arbeiten und sich Zeit nehmen. Als er daraufhin antworten wollte, wurde er von einem Kapo geschlagen. Der Stock des Kapos zertrümmerte seinen ganzen Unterkiefer.

Die Familien der toten Männer waren traumatisiert. Für die Familien ist es ein Trost, an den Gräbern ihrer verstorbenen Familienmitglieder zu trauern. Außerdem ist es ein Beweis für die schrecklichen Ereignisse die im zweiten Weltkrieg passiert sind.

Raimo Alsen ist der Meinung, dass man das Thema jeder Altersgruppe näher bringen kann. Die neue Ausstellung, die man ab dem 18. November besuchen kann, ist in vier Sprachen vorhanden, damit auch Menschen aus aller Welt, die sich für das Thema interessieren, die Ausstellung anschauen können.

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