Kino : Kurz und spannend

Zum Lachen, zum Wundern und zum „Iiih“-Sagen ist das Kurzfilmprogramm in Flensburg.
Zum Lachen, zum Wundern und zum „Iiih“-Sagen finden Kinder und Erwachsene das Kurzfilmprogramm in Flensburg.

Acht Filme bei einem Kinobesuch – das sehen Schüler beim Flensburger Filmfest „Rolle vorwärts“.

shz.de von
05. Juni 2018, 23:11 Uhr

„Alle dürfen hier im Kino ihre mitgebrachten Würmer essen“, sagt Uli Tondorf. „Iiih!“, rufen die Kinder. Natürlich hat keiner Würmer dabei. Denn niemand mag Würmer essen. Doch auf der großen Kino-Leinwand im UCI-Kino in Flensburg hat gerade ein Mädchen einen zappelnden Wurm verspeist.

Eine kleine Geschichte über coole Eindringlinge

„Intruders“ heißt der Film, auf deutsch übersetzt bedeutet das „Eindringlinge“. Es ist der erste von acht Kurzfilmen, die bei dem Kinderfilmfest „Rolle vorwärts“ von Dienstag bis Donnerstag gezeigt werden, zu dem sich Flensburger Schulklassen anmelden konnten. In der ersten Vorstellung begrüßt der Programmleiter Uli Tondorf Schüler der Waldschule, der Friholtschule und der dänischen Jørgensbyskole. Und er fordert sie auf, dem Filmvorführer, der hinter einer dicken Glasscheibe sitzt, das Zeichen zum Filmstart zu geben. Dafür ruft er „Rolle“, und die Kinder brüllen laut „Vorwärts“. Dann geht’s los.

Kleine Kurzfilme bei den großen Kurzfilmtagen:

„Rolle Vorwärts“ ist das Kinderfestival der Flensburger Kurzfilmtage. 2018 findet das große Festival  vom 14. bis 18. November statt - doch nicht nur für Große. Es wird auch eine Auswahl der Kinderfilme gezeigt. Da haben alle, die jetzt neugierig geworden sind, die Chance, selbst einmal die Kurzfilm-Abenteuer zu sehen. 

In fünfeinhalb Minuten erzählt „Intruders“ eine ganz kleine Geschichte. Zwei Mädchen in weißen Spitzenkleider spielen am Fluss und suchen Würmer. Zwei coole Mädchen in Jeans und Glitzer-Rucksack kommen dazu und sprechen sie an. Doch die Mädchen in weiß sind schüchtern. Für sie sind die anderen beiden Eindringlinge. Um sich zu behaupten sagt die Jüngere, ihre große Schwester könne Würmer essen. Und das macht sie dann auch. Da sind die coolen Mädchen baff – und die Kinder im Kinosaal auch. „Mir hat der Film gut gefallen, gerade weil es eklig und ein bisschen gruselig war“, sagt Emilia (8).

Schwupps – versinkt der Wachmacher im Schnee

Der nächste Film ist ganz anders, nicht gruselig, sondern schön und lustig – und nicht mit echten Schauspielern, sondern gezeichnet und animiert. „Der Wachmacher“ läuft von Haus zu Haus, um die Menschen zu wecken. Er stapft durch den Schnee und versinkt – schwupps! – auch mal unter einer kleinen Lawine. Das ist so lustig, dass der ganze Kinosaal lacht. Der Wachmacher bekommt für seinen Einsatz bei Wind und Wetter als Lohn Münzen, Blumen und Glöckchen – die am Ende noch eine besondere Bedeutung bekommen.

Trevor und Tom – eine besondere Freundschaft

Der Lieblingsfilm der Zweitklässler Jannes, Annina und Melina aber ist „Mrs McCutcheon“. Mit gut 16 Minuten ist er der längste der kurzen Filme und er erzählt die Geschichte einer besonderen Freundschaft. Der Junge Tom zieht gern Kleider an und möchte Mrs McCutcheon genannt werden. Einige seiner neuen Mitschüler hänseln ihn deswegen, und sogar der Schulleiter sagt, er sollte sich doch anpassen, und wie die anderen Jungen Hosen anziehen. Doch Toms Mitschüler Trevor mag Mrs McCutcheon so, wie er oder sie ist. Er geht mit ihr sogar zum Ball. Und am Ende tanzen alle Jungs mit Jungs und Mädchen mit Mädchen. Auch wenn die Kinder im Kino erst bei Trevors Kuss auf Toms Wange „Iiih“ sagen, finden sie es am Ende okay. „Wenn sie das wollen, sollen auch Jungs Kleider anziehen dürfen“, sagt Jannes (9).

„Pst“ - jetzt wird's spannend!

Ein Film handelt von lebendigen Regentropfen, einer von einem Eichhörnchen und einem Schlitten. In einem 2-Minuten-Film tanzen Pilze durch den Wald. In einem zehnminütigen norwegischen Film geht es um ein Mädchen, deren Mutter kein Geld hat. Und in einem anderen fliegt ein Vogel von einem Tier zum anderen von der Savanne bis an den Südpol und zurück. „Was für eine wertvolle Filmkultur. So schlicht und doch so eindrucksvoll“, wispern die Erwachsenen, die Lehrer im Publikum. Ab und zu versuchen sie – „Pst!“ –, ihre Schüler davon abzuhalten, gleich über die Filme zu reden. Doch die verpassen schon nichts, denn jedes mal wenn sie „Rolle vorwärts“ gebrüllt haben, startet ein neues, kurzes, spannendes Filmabenteuer.

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