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Menschenskinder : Wie war das bei Euch zu Hause?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kina-Reporter sind neugierig, was junge Flüchtlinge aus fernen Ländern zu erzählen haben.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 18:46 Uhr

„Ist das nicht zu emotional?“ Diese Frage haben wir Kina-Reporter uns ziemlich oft gestellt, als wir diese Interviews vorbereitet haben. Denn die allein reisenden, jugendlichen Flüchtlinge im Elisabethheim in Havetoft im Kreis Schleswig-Flensburg sollten möglichst nicht wieder an schlimme Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnert werden. Doch wir wollten von ihnen etwas über ihre Heimatländer, aus denen sie geflohen sind, erfahren. Wir haben mit ihnen über Syrien, Iran, Somalia, Afghanistan und Eritrea gesprochen.

Rami* und Djamal* kommen aus Syrien. In ihrem Heimatland begrüßt man sich etwas anders als in Deutschland. Sie erklären und zeigen, wie es geht: „In Syrien begrüßt man sich per Handschlag und mit einem Kuss auf die Wange", sagt Djamal.

Die beiden Jungen wohnten in der Stadt Aleppo. „Aleppo ist eine alte Stadt mit vielen Gassen. Außerdem gibt es eine große Burg“, erzählten die Jungen. „Dort stehen viel weniger Bäume als hier in Deutschland und dort fahren ganz viele Autos. Außerdem ist es da wärmer. In Syrien gibt es etwa nur ein Mal in zehn Jahren Schnee.“ In ihrer Freizeit spielten sie gerne Straßenfußball und übten sich in Breakdance. Ramis Lieblingsessen ist Waraq Inab. Das sind mit Reis und Fleisch gefüllte Weinblätter.

Komisch findet Djamal, dass hier in Deutschland auch Frauen die Linienbusse fahren. Rami hat sich noch nicht an die Kälte gewöhnt.

„Salam aleikum“, so begrüßt man sich auf afghanisch, erklären uns Rashed* und Zahir*. Dazu gibt man sich die Hand und küsst sich auf beide Wangen.

Rashed ist seit elf Monaten in der Schutzstelle und spricht schon richtig gut Deutsch. Er beherrscht aber auch viele weitere Sprachen, wie zum Beispiel Türkisch, Persisch und auch Schwedisch. Zum Teil lernte er sie auf der Flucht aus Afghanistan in den Iran. Damals war er sieben Jahre alt. Schwedisch kennt er, weil er Verwandte in dem Land hat.

In seiner zweiten Heimat in Teheran im Iran lebte Rashed mit seiner ganzen Familie in einem Mehrgenerationenhaus. Er und die anderen spielten dort, genau wie jetzt in Deutschland, gern Fußball.

Sie gingen aber nicht alle zur Schule, wie es bei uns üblich ist. Zahir zum Beispiel musste schon in jungen Jahren einer Fabrik arbeiten und hat deshalb keine Zeit für Schule gehabt.

Auch Merhawi* und Samir* aus Eritrea wohnen im Elisabethheim. Der 17-jährige Merhawi, aus der Stadt Chindea, ist Moslem. Der fast 18-jährige Samir dagegen kommt aus Maiani, das etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Asmara entfernt liegt, und er ist Christ. Er feiert wie wir Weihnachten.

Die Schule war bei ihnen zu Hause eigentlich genau wie in Deutschland, erzählen die beiden. Aber sie mussten sehr früh aufstehen, denn der Weg dahin war weit. Samir ging in Eritrea bis zur sechsten Klasse in die Schule. Marhawi bis zur achten Klasse. Nach der Schule haben sich die beiden immer mit Freunden getroffen, gingen schwimmen oder Fußball spielen.

Auf die Frage ob es bei ihnen auch Fastfood zu Essen gibt antwortete Marhawi: „Natürlich! Es gibt nur kein Schweinefleisch bei uns im Land.“ Samir berichtet, dass er früher bei Festen mit seiner Familie am Lagerfeuer gesessen und sie als Festessen Lamm über dem Feuer gegrillt haben.

Als wir später für ein paar Fotos nach draußen gehen, wird den Flüchtlingen ziemlich kalt. Das kennen sie so nicht. Im Sommer wird es in Eritrea oft über 30 Grad heiß.

Hamil ist 16 Jahre alt und seit sieben Monaten in Deutschland. Er kommt aus Somalia, einem Land an der Ostküste Afrikas. Dort ist es so warm, dass es nie kälter 25 Grad wird, erzählt Hamil. Schnee kennt er gar nicht. Im Sommer werden es über 36 Grad. In der Hitze fasten die Muslime, wie Hamil, während des Ramadans. Im Ramadan, dem Fastenmonat, darf man nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang essen und trinken. Am Ende des Monats feiern Muslime das sogenannte Zuckerfest. Drei Tage lang wird gegessen, gebetet und getanzt. Hamil zeigt uns ein Bild von ihm im traditionellen Gewand, eine weiße Robe, die bis zu den Knien geht. Darunter trägt man eine normale Hose. Sonst tragen die Jugendlichen Kleidung wie wir.

Am Ende des Interviews hatten aber auch die jungen Flüchtlinge noch eine Frage an uns Kina-Reporter. Es interessiert sie, warum so viele Deutsche keine Flüchtlinge in ihrem Land wollen. So direkt über die Fremdenfeindlichkeit in unserem Land von betroffenen Jugendlichen befragt zu werden, brachte uns in eine unangenehme Lage. Denn wir sehen den kulturellen Austausch und den Kontakt nicht als Belastung, sondern als eine Bereicherung.

* Die Sternchen bedeuten, dass die Namen geändert wurden. Weil die Flüchtlinge noch minderjährig sind, dürfen ihre Namen zu ihrem Schutz nicht genannt und auch ihre Gesichter nicht auf Fotos in der Zeitung gezeigt werden.

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