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Interview : Ein Micky-Maus-Pulli in der DDR

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kina-Reporter Felix ist Geschichte-Fan. Um die DDR-Zeit besser zu verstehen, hat er Interviews geführt.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2014 | 04:22 Uhr

Felix interessiert sich nicht nur für die Geschichte der DDR, sondern auch für die der Menschen, die dort gelebt haben. Deshalb hat er ein Interview mit Dave, einem 28-jährigen Schleswig-Holsteiner geführt, der als Kind mit seiner Familie aus der DDR geflohen ist.

Felix: Wo und wann wurdest du geboren?

Dave Nack: Ich wurde 1986 in Karlsburg bei Greifswald in der DDR geboren und bin dort aufgewachsen.

An was kannst du dich noch erinnern?

Dadurch, dass ich dort gelebt habe, bis ich drei Jahre alt war, kann ich mich nur an wenig erinnern. Das einzige, woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich mein Dreirad nahm und zu meinem Opa wollte.

Wie lange hast du in der DDR gelebt?

Drei Jahre. Dann sind meine Eltern auf die Idee gekommen, abzuhauen aus der DDR. Unsere ganzen Freunde waren schon in den Westen geflohen. Meine Mutter hatte Angst, am Ende ganz ohne Freunde dazustehen. Wir haben niemandem etwas erzählt, außer meinem Opa, der uns zum Zug gebracht hat.

Warum seid ihr geflohen? Hat es euch in der DDR nicht gefallen?

Meinem Vater hatte es sehr gut gefallen dort. Bloß meine Mutter hatte, wie gesagt, Angst, keine Freunde mehr in der DDR zu haben, die waren ja alle schon weg.

Wie habt ihr es geschafft, zu fliehen?

Es gab zu dem Zeitpunkt die Möglichkeit, über Tschechien auszureisen. Wir sind also von Greifswald nach Ost-Berlin, dann nach Tschechien und von dort aus wieder nach Deutschland gereist.

Wohin seid ihr gegangen? Hattet ihr Verwandte im Westen?

Wir hatten dort einen Großonkel, allerdings sind wir ohne seine Hilfe geflohen. Zunächst sind wir in Fulda in einer Sporthalle untergekommen. Und von dort aus gab es Sonderzüge zu allen Bereichen in Deutschland. Wir sind in den Norden gefahren.

Wie ging es weiter für euch?

Dort waren auch viele Flüchtlinge und man hat Begrüßungsgeld bekommen. Wir sind dann weiter nach Flensburg getrampt. Hier haben wir Menschen angesprochen. Die haben sich gefreut und uns Geld, eine Wohnung und meinen Eltern Arbeit gegeben. Das alles hat keine zwei Wochen gedauert.

Was gab es in der BRD, was es in der DDR nicht gab?

Grundsätzlich Bananen, aber ich erinnere mich noch an einen Micky-Maus-Pullover, den man damals im Osten, weil es ein amerikanisches Produkt war, gar nicht haben durfte. In Fulda habe ich auch von einem Jungen ein Spielzeugauto bekommen, das von alleine gefahren ist. Ich war damals total begeistert, weil es sowas im Osten auch nicht gab.

Weißt du noch, wie deine Familie auf den Mauerfall reagiert hat?

Grundsätzlich ist der Mauerfall positiv aufgenommen worden – das war nur zwei Tage nach unserer Flucht. Meine Großeltern aus der DDR haben sich gefreut, uns besuchen zu können, da wir die einzigen in der Familie waren, die abgehauen sind.

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