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Schule : Inklusion – Was ist das?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie gehen wir gut mit Menschen um, die anders sind? Fünftklässler eines Itzehoer Gymnasiums haben es herausgefunden.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2014 | 01:04 Uhr

Den Begriff Inklusion kannten die Kinder der 5b der Auguste-Viktoria-Schule (AVS) in Itzehoe schon. Was das lateinische Wort bedeutet, war ihnen allerdings nicht so ganz klar. „Dass alle Menschen selbstverständlich miteinander leben – egal wie unterschiedlich sie sind“, erklärte ihnen die Mutter eines geistig behinderten Jungen.

Gemeinsam mit ihr und den Klassenlehrern trugen die Schüler an diesem Morgen zunächst ihre Erfahrungen zusammen. Fast alle konnten etwas berichteten, meist waren es keine schönen Erlebnisse. „Neben uns auf dem Campingplatz war ein geistig behinderter Junge, der immer angestiftet wurde, Blödsinn zu machen. Dann haben alle über ihn gelacht“, erzählte ein Mädchen. Andere Kinder hatten erlebt, wie ein Junge in ihrer gemeinsamen Grundschulzeit immer wieder ganz plötzlich ausrastete. Sogar der Lehrer sei dann ziemlich hilflos gewesen: „Er hat die Tür aufgemacht, und wir haben uns in Sicherheit gebracht.“

Doch wie kann ein gutes Miteinander gelingen? Das sollten die Kinder im zweiten Teil des Projektes herausfinden. Dazu besuchten sie mit Stift, Notizblock und großer Aufmerksamkeit ihre Parallelklassen. Die 5a, c und d hatten an diesem Projekttag nämlich besondere Mitschüler zu Gast an ihrem Gymnasium.

Die AVS gestaltet seit vielen Jahren schon gemeinsame Aktivitäten mit der Steinburg-Schule. So heißt das am anderen Ende von Itzehoe liegende Förderzentrum für geistige Entwicklung. An diesem Tag trieben die Kinder der beiden Schulen zusammen Sport, gestalteten ein Kunstwerk und studierten ein Musikstück ein. Probleme gab es dabei nicht, und allen habe es Spaß gemacht, stellten die Beobachter aus der 5b fest.

Mehr noch – sie erkannten Talente, die sie bei Menschen mit Behinderung gar nicht vermutet hatten: Hannah (10) fand toll, „wie der blinde Junge Keyboard gespielt hat“. In der Kunstgruppe hatte eine Steinburg-Schülerin ein super Pferd gemalt. Und bei den Sportlern beeindruckten sie Konzentration und Kampfgeist.

Die elfjährige Wiebke gestand ehrlich: „Das hatte ich ihnen gar nicht zugetraut. Und sie waren so fröhlich!“ Klassenkamerad Georg (10) stellte noch etwas Wichtiges fest – an sich selbst: „Man darf keine Angst vor der Reaktion der anderen haben, dann gelingt es leichter.“ Auch Jonas (11) fand heraus, dass alle zusammen Spaß haben, wenn die „inneren Barrikaden“ verschwinden.

Am Ende des Projekttages hatte die 5d eine Art Anleitung für Inklusion zusammengetragen: Beachtung und Respekt, Verständnis für den anderen, Hilfestellung wenn nötig, Geduld – und den Mut, aufeinander zuzugehen! All das gilt für ein gutes Miteinander aller Menschen.

Die Begegnungen ihrer Mitschüler der beiden so unterschiedlichen Schulformen weckten bei der „nur“ beobachtenden 5b dennoch einen großen Wunsch: „Wir wollen bald auch etwas mit den Steinburg-Schülern machen!“.

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