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Schule : „Ich würde auch ohne Noten lernen“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Brauchen wir andere Zeugnisse? Die Bildungsministerin will die Notengebung verändern. Die Kina-Redaktion hat dazu Viertklässler befragt.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2014 | 07:18 Uhr

„Noten vor, noch ein Tor“, ruft Joost und lacht. Der Viertklässler geht in die Flensburger Waldschule. Und wie bei allen Viertklässlern in Schleswig-Holstein stehen in seinem Zeugnis in diesem Schuljahr die Schulnoten von 1 bis 6. Das ist klar und einfach, findet Joost. Er will es gar nicht anders haben – ebenso wie Nika, Catharina und Lia.

Auch Enno ist ein Notenfan. „Da weiß man, wie gut man war“, sagt der Mitschüler von Joost. Und meistens ist Enno ziemlich gut. Nur Musik und Sport sind nicht so seine Fächer. Dabei kann Enno richtig gut rennen. „Ich würde mir schon wünschen, dass im Zeugnis manchmal mehr drin steht als die Note, weil dann auch besser gezeigt wird, was man kann“, sagt der Schüler.

Dieser Wunsch kann wahrscheinlich bald erfüllt werden. Die Bildungsministerin Waltraud Wende plant gerade eine neue Verordnung für Schleswig-Holstein. Damit können Schulen sich für andere Bewertungen entscheiden. Das gibt es schon in Klasse 1 und 2 und an manchen Schulen in Klasse 3. Die Schüler bekommen dann nicht mehr einfach die Noten von 1 bis 6, sondern Berichtszeugnisse, in denen meist in langen Tabellen erklärt wird, was Schüler gut können und was sie noch verbessern müssen.

Der Waldschüler Leon findet das gut. Ihn stört an den Noten vor allem, dass sie ungerecht sind: „Es ist gemein, wenn man richtig gut in Deutsch ist, aber nicht die beste Schrift hat oder ein bisschen schüchtern ist und sich nicht meldet und deshalb eine schlechtere Note bekommt.“ Er fände ein Berichtszeugnis besser, in dem steht, worin man gut ist und was man noch verbessern kann.

Sein Schulleiter Volker Masuhr ist der gleichen Meinung wie Leon. „Wir sind sehr froh darüber, dass die Ministerin die Verordnung ändern will“, sagt er. Die Ministerin hat sich das aber auch nicht allein ausgedacht. Wissenschaftler haben über die Noten geforscht. Elternverbände und Lehrer haben mitgeredet bei der Planung der neuen Verordnung. Die Chefin des Grundschulverbands des Landes, Beate Blaseio, zum Beispiel sagt: „Wir finden die Änderungen ganz großartig.“ Denn es ginge ja in der Schule nicht darum, die Schüler zu sortieren, sondern jedem das Lernen zu ermöglichen.

 

Die politischen Gegner der Ministerin im Landtag und auch einige Lehrerverbände lehnen die Verordnung aber ab. Sie glauben, dass Schüler dann nicht mehr so gut zu Leistung angeregt würden. Sie glauben, dass nur die Noten Schüler dazu bringen, zu lernen.

Die Schülerin Stine sieht das anders. Sie ist in Deutsch richtig gut. Da hat sie immer eine 1 oder eine 2. Doch in Mathe steht meist nur eine 3 oder eine 4 unter dem Test. Dabei macht sie ihre Aufgaben und lernt. „Die schlechteren Noten spornen mich aber nicht so richtig an. Weil es für mich schon normal ist, dass ich in Mathe schlechtere Noten kriege. Das ändert sich auch nicht, wenn ich mehr lerne“, sagt Stine. Deshalb mag sie die Noten nicht so gern.

Auch Elias lernt für gute Zensuren. „Aber manchmal klappt es auch nicht so gut. Dann würde ich mir schon wünschen, dass es keine Noten mehr gibt“, sagt der Viertklässler. Dann würden die Schüler auch nicht ständig mit ihren Noten angeben. Könnte er sich dann die Hausaufgaben sparen? „Ich würde auch ohne Noten lernen, weil das ja wichtig ist, damit man einen guten Job kriegt“, sagt Elias.

Chris darf das schon ausprobieren – das ist bisher die Ausnahme. In Mathe und Deutsch bekommt der Viertklässler keine Noten, weil es da nicht so gut lief. Jetzt hat er keine Angst mehr – und lernt viel besser.

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