Raumfahrt : „Ich sehe die Erde mit anderen Augen“

Seit seiner Rückkehr aus dem Weltall muss der Raumfahrer Alexander Gerst ständig Autogramme geben.
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Seit seiner Rückkehr aus dem Weltall muss der Raumfahrer Alexander Gerst ständig Autogramme geben.

Seit zwei Monaten ist Alexander Gerst zurück aus dem All. Wie es ihm auf der Erde nun geht? Das verrät der Raumfahrer im Interview.

shz.de von
10. Januar 2015, 01:47 Uhr

Sein Blick auf die Erde hat sich verändert, erzählt Raumfahrer Alexander Gerst. Fast sechs Monate war er im Weltall, auf der Internationalen Raumstation. Dort hat er Experimente gemacht und auch eine Menge Bilder. Am Dienstag bekommt der Astronaut für seine Arbeit im All eine besondere Auszeichnung des Bundespräsidenten. Im Kina-Interview plaudert Alexander Gerst darüber, dass er das All vermisst – und wo es als Nächstes für ihn hingeht.

Herr Gerst, haben Sie sich wieder gut eingelebt auf der Erde?

Alexander Gerst: Ja, ich habe nicht viel Zeit gebraucht, um mich wieder einzugewöhnen. Die ersten zwei, drei Tage hatte ich noch ein bisschen das Gefühl, dass ich schwanke. Doch schon nach zwei Wochen war alles wieder genau wie vorher.

Was machen Sie denn jetzt?

Ich werde noch regelmäßig untersucht und es gibt viele Nachbesprechungen. Diese Woche zum Beispiel haben wir jeden Nachmittag Dinge besprochen, etwa wie auf der ISS alles technisch lief. Es geht darum, Dinge zu verbessern für die nächsten Mannschaften, die hochfliegen.

Vermissen Sie das Weltall?

Ja, auf alle Fälle. Das Schweben, die Aussicht, die wissenschaftliche Arbeit. Die tolle Stimmung an Bord. Das vermisse ich schon. Aber es ist auch sehr schön, wieder hier zu sein.

Wollen Sie noch einmal ins All?

Die Frage könnten Sie jedem Astronauten stellen, keiner wird da Nein sagen. Wenn es die Möglichkeit gibt, dann stehe ich natürlich für weitere Missionen zur Verfügung.

Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Wenn es die Möglichkeit gäbe, würde ich alle meine Freunde mitnehmen. Das wäre toll. Ich habe sehr viele Freunde, die genauso fasziniert von der Raumfahrt sind wie ich.

Haben Sie vom Weltall aus einen Ort auf der Erde entdeckt, wo Sie gerne einmal hinreisen würden?

Jede Menge. Zum Beispiel die Hochländer rund um das Himalaya in Asien. Da gibt es fast unbekannte Gebirge, die sind größer als die Alpen! Das ist wunderschön da.

Wo geht es für Sie als Nächstes hin?

Erst einmal in Deutschland hin und her zu Terminen. Ich gebe gerade viele Interviews und halte Vorträge, auch in Schulklassen. Im Februar habe ich dann zwei, drei Wochen Urlaub. Da fahre ich wahrscheinlich mit meiner Lebensgefährtin nach Patagonien in Südamerika. Das hat auch wunderschön ausgesehen von oben.

Ist Reisen noch spannend, wenn man einmal im All war?

Ja, ich glaube das wird sogar spannender. Ich schaue hier jetzt oft in die Landschaft, zum Beispiel wenn ich im Zug sitze, und überlege: Wie würde dieses Gebirge wohl von oben aussehen? Ich sehe unsere Erde jetzt mit anderen Augen.

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