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Interview : „Ich hatte keine guten Deutsch-Noten“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Cornelia Funke hat in ihrer ehemaligen Heimatstadt Hamburg ihren neuen „Reckless“-Roman vorgestellt. Vorher traf sie Luzie.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2015 | 05:11 Uhr

Frau Funke, war Deutsch Ihr Lieblingsfach?
Eine Zeitlang ja, obwohl ich nicht so gute Noten darin hatte. Ich habe meistens am Thema vorbeigeschrieben oder viel zu lange Aufsätze geschrieben. Ich mochte auch Englisch sehr gern und Geschichte... aber ich hasste Sport.
Warum?
Ich bin so schlecht in Sport, ich kann nicht einmal einen Ball fangen.
Und in welchem Alter haben Sie Ihre erste Geschichte geschrieben?
Da war ich schon ziemlich steinalt im Verhältnis zu dir – 28.
Wie hieß die?
Das war „Die große Drachensuche“. Die habe ich geschrieben, weil ich es als Illustratorin so langweilig fand, was ich für die Verlage von anderen Autoren illustrieren musste. Also habe ich mich eines Abends hingesetzt und genau die Geschichte geschrieben, in der alles vorkommt, was ich zeichnen wollte: Drachen, zum Beispiel.
Wann wurde die Geschichte veröffentlicht?
Ich glaube 1988, also vor fast 30 Jahren.
Boah.
Ich sage dir. Ich bin so alt, das kannst du dir kaum vorstellen.
Wie kommen Sie denn auf die Ideen zu den Geschichten?
Also, wenn ich mich jetzt in diesem Zimmer umgucken würde, dann würde ich schon ungefähr 35 Geschichten-Ideen in allen Winkeln und Ecken finden. Du allein wärest schon ne fantastische Figur für eine Geschichte.
Echt?
Klar. Du musst dir vorstellen, dass auf meinem Schreibtisch 1000 kleine Figuren stehen und jede schreit: „Nimm mich, ich bin die beste Geschichte.“ Dann rempeln sie sich gegenseitig weg und schließlich fische ich mir eine Geschichte raus und hoffe, dass es die richtige ist.
Wissen Sie dann auch schon, wie die Geschichte ausgeht?
Das ergibt sich immer erst am Ende, weil ich mich sonst furchtbar langweilen würde.
Erinnern die Kinder, zum Beispiel in „Die wilden Hühner“, Sie an jemanden oder sind die nur ausgedacht?
Das ist gemischt. Zum Beispiel die schöne Melanie: So eine habe ich mal getroffen, die hieß sogar Melanie. Und Trude habe ich mir ausgedacht, aber ich kannte so ähnliche Mädchen. Charlotte ist so ein bisschen wie ich und Frieda ist ein bisschen so wie ich sein sollte, weil die so nett ist. Ich stecke also in allen ein Stückchen drin – außer in Melanie, mit der kann ich nicht viel anfangen.
Die Melanie ist ja auch ein bisschen tussig...
Genau. Ich dachte, eine Tusse muss dabei sein. Solche Mädchen kennen wir, oder Luzie?
Ja. Die will ja auch nie den Hühnerstall ausmisten.
Genau.
Wie lange schreiben Sie eigentlich an einem Buch?
„Die wilden Hühner“ gingen relativ schnell. Da brauchte ich immer drei, vier Monate. Aber so ein dickes wie „Tintenherz“, da habe ich ein bis zwei Jahre dran geschrieben.
Und wie ist das, wenn ein Buch von Ihnen zum Film wird, finden Sie das toll oder sind Sie enttäuscht?
Leider war das bisher nie der Film, den ich vorher im Kopf hatte – bis auf „Hände weg von Mississippi“. Den fand ich ganz schick.
Ach, das haben Sie ja auch geschrieben...
Ja. Und das ist ein ziemlich guter Film.
Das ist mein Lieblingsfilm.
Siehste, Luzie, du hast einen guten Geschmack. Das ist der beste Film von allen. Die „Hühner“ waren auch ganz gut. „Der Herr der Diebe“ ist auch noch okay, aber einige andere sind furchtbar. Ich habe gerade die Rechte für „Drachenreiter“ verkauft, drück’ mir die Daumen, dass das nicht schief geht.
Und wollen Sie irgendwann wieder von Kalifornien zurück nach Hamburg ziehen?
Nee, das wäre ja, als würdest du immer wieder das gleiche Buch lesen.




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