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Interview : „Ich bin auch nur ein normaler Mensch“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Piet, Paula und Freda waren in Kiel und haben den neuen Ministerpräsidenten Daniel Günther interviewt.

Zwei Personen haben Sie ja nicht als Ministerpräsident gewählt. Haben Sie eine Vermutung, wer das sein könnte

Nein, ich weiß gar nicht, wer mich nicht gewählt hat. Das war ja eine geheime Wahl. Das konnte jeder sein. Eigentlich ist mir das ja auch egal. Ich wurde mit Mehrheit gewählt, und jetzt muss ich wohl zwei Leute noch überzeugen, dass ich ein guter Ministerpräsident bin. Das wird mir hoffentlich gelingen. Ich habe ja noch fünf Jahre Zeit.

Was ist Ihre Aufgabe als Ministerpräsident?
Ich bin sozusagen der Chef der Regierung. Zusammen mit der Regierung kümmere ich mich um wichtige Probleme in Schleswig-Holstein und entwerfe neue Gesetze.

Und wie läuft dann so ein typischer Tag für Sie ab?
Ich werde morgens um halb neun von meinem persönlichen Fahrer mit Personenschutz abgeholt. Dann fahre ich ins Büro und gucke, was an dem Tag ansteht. Mal sitze ich Stunden rum und arbeite. Aber oft habe ich viele Termine zu erledigen. Dann fahre ich im ganzen Land herum. Oft bin ich auch in Berlin bei Veranstaltungen und treffe andere Politiker wie Frau Merkel.

Wie oft treffen Sie sich mit Frau Merkel?
Also jetzt wahrscheinlich noch öfter. Ich würde mal sagen, im Durchschnitt so etwa alle zwei Wochen.

Haben Sie oft Urlaub und wohin ging ihr letzter?
Ich bin auch nur ein normaler Mensch und brauche auch mal Urlaub. Bald habe ich zwei Wochen frei. Ich werde nach Österreich fahren und mit meiner Familie ein bisschen Bergwandern. Mein letzter Urlaub ging auch nach Österreich in die Berge. Ich finde, das ist immer ein guter Ausgleich. Hier haben wir viel Wasser, ich möchte hier auch nie weg, aber die Berge in Österreich finde ich echt schön.

Wie fanden Sie den ehemaligen Ministerpräsidenten Torsten Albig?
Also, als Person komme ich sehr gut mit ihm zurecht. Wir haben uns wirklich gut verstanden, und wir haben auch zusammen Reisen gemacht. Wir unterhalten uns ganz entspannt miteinander. Und dass ich auch ein bisschen an seiner Amtszeit zu kritisieren hatte, das liegt in der Natur der Sache. Ich war damals ja Oppositionsführer. Das war dann auch meine Aufgabe, die Regierung zu kontrollieren, Kritik zu äußern und neue Vorschläge zu machen. Aber wir haben das wirklich immer menschlich fair gemacht, fand ich.

Wie geht es mit den Atomkraftwerken in Brokdorf und Brunsbüttel weiter?
Ja, also da ändern wir nichts an dem, was verabredet ist. Die Atomkraftwerke sollen nach und nach abgeschaltet werden. Da gibt es ja eine klare Vereinbarung.

Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Leben werden Ihnen in Ihrer Funktion als Ministerpräsident helfen?
Ganz viele. Auf so ein Amt kann man sich nicht richtig vorbereiten. Es gibt ja keine Ausbildung zum Ministerpräsidenten, sondern man bringt immer seine gesamte Lebenserfahrung mit. Es gibt ganz viel, was ich gelernt habe, um Ministerpräsident zu werden, aber das Wichtigste für mich ist wahrscheinlich, dass ich vorher auch ganz viel Politik gemacht habe. Ich weiß, wie Politik funktioniert.

Wollten Sie schon immer Ministerpräsident werden?
Ehrlich gesagt, nein. Ich habe mir das sehr spontan überlegt. Ganz am Anfang habe ich Politik eher ehrenamtlich gemacht, und so bin ich da dann langsam reingewachsen.

Was werden Sie für die Kinder in Schleswig-Holstein ändern und verbessern?
Ganz viel. Wir wollen ordentliche Schulpolitik machen. Es soll weniger Unterricht ausfallen. Wir wollen Lehrer und Lehrerinnen haben, die Lust auf ihren Job haben und auch immer gesund sind. Wir werden sehr viel Geld in die Schulpolitik stecken. Wir wollen den Kindern in Schleswig-Holstein eine gute Zukunft geben.

Die Regierung möchte jetzt ja Bürgergeld einführen. Jeder Bürger bekommt jeden Monat einen festen Betrag. Kinder bekommen aber nur die Hälfte. Warum?
Das, was wir vorhaben, wurde alles sehr übertrieben dargestellt. Es stand jetzt überall, dass wir das einführen wollen, das stimmt aber so gar nicht. Das ist eine kleine Idee, die wir noch weiterentwickeln müssen. Da müssen wir noch sehr viel dran arbeiten und diskutieren. Es ist auch noch gar nicht sicher, ob wir das überhaupt einführen. So einfach können wir das auch gar nicht.

Wie alt ist Ihre Tochter?
16 Monate.

Was wünschen Sie sich für sie?
Als erstes wünsche ich mir, dass sie gesund ist. Das ist sie zum Glück auch. Dann wünsche ich mir noch, dass ihr Vater ein bisschen Zeit für sie hat. Und dann noch, dass sie in ihrem Leben machen kann, was sie glücklich macht. Das wäre toll für mich.

Haben sie nervige Angewohnheiten?
Ich glaube schon, dass ich manchmal sehr nervig bin. Also, ich habe eine ganz schlimme Angewohnheit, dass ich immer möchte, dass mein Terminkalender total genau gepflegt ist. Damit nerve ich, glaube ich, viele Mitarbeiter. Wenn da irgendwo eine Lücke ist, dann bin ich ganz nervös. Aber das liegt auch ein bisschen daran, dass man als Ministerpräsident sehr darauf achten muss, dass man auch Freizeit hat. Einen Tag in der Woche möchte ich immer frei haben für die Familie, das ist gar nicht so leicht. Da muss man eben sehr genau arbeiten, damit man das auch schafft.

Sind Sie Fußballfan? Und von welchem Verein?
Bin ich, ja. Ich bin Fan vom FC Bayern, da bin ich sogar Mitglied, schon seit 1982. Aber eigentlich mag ich eher Handball. Ich habe früher selber viele Jahre lang Handball gespielt. Jetzt laufe ich aber eher. Und Holstein Kiel finde ich gut. Beim Handball bin ich THW Kiel Fan. Das bin ich schon seit 30 Jahren, und das ändere ich auch als Ministerpräsident nicht.
 

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erstellt am 13.Jul.2017 | 01:28 Uhr

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