Wissen : Hunger macht erfinderisch

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Futter finden: Die Tricks der Tiere

shz.de von
31. Mai 2018, 01:08 Uhr

Der Betörende

Ganz brav sitzt er da, stellt die Ohren ein wenig auf und schaut einen an. Warum ist der Napf leer? Hunde leben schon seit Jahrhunderten mit Menschen zusammen und haben gelernt, dass sie mit treuem Blick und bravem Verhalten an manche Leckerbissen kommen.

Hendrik Schmidt/dpa
Hendrik Schmidt/dpa

Die Handwerker

Auch in freier Wildbahn haben Tiere Tricks entwickelt, um an Nahrung zu kommen. Manchmal suchen sie sich sogar Werkzeuge dafür. Schimpansen, unsere nächsten lebenden Verwandten, benutzen Äste als Angeln, um Ameisen zu fangen. Sie brechen dazu einen Zweig ab, kürzen ihn auf die richtige Länge und halten ihn direkt in den Ameisenbau. Einige der Ameisen verbeißen sich am Stöckchen. Die Schimpansen ziehen den Zweig raus und stecken ihn schnell in den Mund.

Um Nussschalen knacken zu können, benutzen Schimpansen Hammer und Amboss. Als Hammer nehmen sie Steine oder Holzknüppel, den Amboss bilden Steinblöcke oder harte Baumwurzeln. Beim Werkzeug sind Schimpansen wählerisch: Je härter die Nüsse, desto größer und härter ist auch der Hammer, den sie sich suchen. Dafür müssen sie Steine oder Knüppel auch mal von weiter weg herbeischleppen.

Mit dem Werkzeug umzugehen, lernen die Schimpansen schon von klein auf. Dreijährige versuchen, mit dem Hammer der Mutter ihre ersten Nüsse zu knacken. Die Mutter zeigt ihnen, wie man das macht und hilft, wenn es nicht klappt. Es dauert mehrere Jahre, bis die jungen Schimpansen es richtig gut können. 

dpa

Die Fallensteller

Welche Tiere fangen ihre Beute mit selbstgemachten Netzen? Klar, Spinnen. Eine außergewöhnliche Jagdtechnik haben die Kescherspinnen. Der Name verrät es schon. Die Kescherspinne baumelt kopfüber an einem Ast. Zwischen ihren Vorderbeinen hält sie ein kleines, selbstgesponnenes Fangnetz, mit dem sie vorbei fliegende Insekten einfängt. Die Springspinne - wie der Name vermuten lässt - springt auf ihre Opfer. Und die Fischerspinnen fühlen sich im Wasser wohl und fangen dort ihre Beute.  

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Die Ziel-Werfer

An der Nord- und Ostsee kann man beobachten, wie Möwen Muscheln knacken. Sie lassen Muscheln aus der Luft auf Straßen oder Gehwegplatten fallen. Durch den Aufprall auf den harten Grund platzen die Muscheln und die Möwen können das Fleisch fressen.  

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Die Verkehrsteilnehmer

Aaskrähen nutzen den Autoverkehr, um Walnüsse zu knacken. Sie werfen die Walnüsse auf die Straße, damit Autos darüber fahren. In Städten mit viel Verkehr wurde beobachtet, dass die Krähen die Nüsse gezielt auf Zebrastreifen oder vor Ampeln fallen lassen. Dann warten sie , bis die Autos anhalten und sie die Nüsse gefahrlos aufpicken können. 

Corey Mosen/dpa

Die Spieler

Keas sind Bergpapageien und sehr intelligent. In Neuseeland wurden die grünlich braunen Vögel mit kräftigem Schnabel dabei beobachtet, wie sie immer wieder Werkzeuge und Ausrüstung von Straßenbaustellen auf die Mitte der Fahrbahn brachten. Das Verhalten der Keas ist nicht nur Spielerei, sondern die Vögel wollten damit offenbar Autofahrer anhalten, um sie dann um Futter anzubetteln. Das ist gefährlich, bei solchen Aktionen wurden in den letzten Jahren Dutzende Keas überfahren.

Aus Sorge um die Keas haben Experten nun eine Art „Fitnessstudio“ für die Vögel neben den Straßen entwickelt. Dort gibt es Leitern, Schaukeln und Klettermöglichkeiten. Damit sollen die Bergpapageien von den Straßen ferngehalten werden. Das scheint ganz gut zu klappen. 

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