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Raumfahrt : Einmal zum Mars und nicht zurück

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ins All fliegen und auf einem fernen Planeten wohnen – für viele Menschen ist das ein großer Traum.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 14:11 Uhr

Stephan Günther hat sich darum beworben, bei einer besonderen Mission mitzumachen. Er will dabei sein, wenn die ersten Menschen versuchen, auf dem Mars zu leben. Manche Experten sind nicht davon überzeugt, dass das wirklich klappt.

Stephan Günther sieht das anders. Dem Kina-Reportern Philipp Brandstädter hat der Pilot und Fluglehrer erzählt, wie er sich dieses Abenteuer vorstellt.

Warum wollen die Menschen auf den Mars - und nicht auf einen anderen Planeten?

Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun. So heißen die Planeten, die um unsere Sonne kreisen. Aber nur die Erde ist bewohnt. Von Pflanzen, Tieren und uns Menschen zum Beispiel. Denn auf der Erde gibt es Luft zum Atmen und Wasser. Die besten Bedingungen für das Leben.Auf den anderen Planeten sieht das ganz anders aus: Es gibt keine Luft zum Atmen, keine Ozeane voller Wasser. Mal ist es zu heiß, mal zu kalt. Ziemlich ungemütlich, woanders zu wohnen als auf der Erde.

Beinahe unmöglich. Oder vielleicht doch nicht?  „Ein Planet, der unserer Erde ein bisschen ähnlich ist, ist der Mars“, sagt Markus Landgraf. Er ist Weltraum-Forscher und kennt sich gut mit den Planeten aus. Auf dem Mars könnte der Mensch tatsächlich wohnen. „Zum einen könnten wir die Temperaturen auf dem Mars verkraften“, sagt Markus Landgraf.„Zum anderen gibt es dort Eis, tief im Boden des Planeten.“ Taut man das Eis auf, wird daraus Wasser. Wasser macht Leben möglich. Und: Der Mars ist gar nicht so weit entfernt. Jedenfalls im Vergleich zu anderen Planeten. Eine Reise dorthin mit Menschen an Bord ist trotzdem sehr schwierig.

Unglaublich viel Technik müsste mitgeschleppt werden. Damit die Leute dort überleben könnten. Geräte, die Energie erzeugen. Geräte, die das Eis in Wasser verwandeln. Geräte, die aus dem Wasser Atem-Luft gewinnen.Das ist wesentlich aufwändiger, als einen Roboter auf den Mars zu schicken. So einen wie den Mars-Rover „Curiosity“, der den Planeten seit eineinhalb Jahren untersucht.Dennoch: Schon in ein paar Jahren soll es so weit sein. Dann will eine Organisation die ersten Menschen zum Mars schicken. Der Pilot und Fluglehrer Stephan Günther möchte einer von ihnen sein. „Der Mars-Rover hat den ersten Schritt gemacht, jetzt muss der Mensch hinterher“, findet Stephan Günther. Erst recht, seitdem der Roboter auf dem Mars Wasser entdeckt hat.Den Planeten erkunden und dort tatsächlich außerirdisches Leben entdecken, das ist Stephan Günthers größter Traum. Und wer weiß, vielleicht erfahren wir schon bald, dass wir im Weltraum doch nicht so einsam sind...

Wie wird ein Planet bewohnbar?

Wenn Menschen auf dem Mars leben wollen, ist es nicht damit getan, einfach so dorthin zu fliegen. Auf allen Planeten in unserem Sonnensystem sieht es anders aus als auf unserer Erde. Deshalb müsste man auf einem fremden Planeten erst einmal Bedingungen schaffen, um dort mit vielen Menschen wohnen zu können.

 Wie das beim Mars geht, haben sich Weltraum-Forscher schon überlegt. Um auf dem Mars wie auf der Erde leben zu können, brauchen Menschen dort vor allem Luft zum Atmen und Wasser.  Dafür ist zunächst eine starke Energie-Quelle wichtig. „Wir brauchen ein riesiges Kraftwerk auf dem Mars“, erklärt Markus Landgraf. Er ist Weltraum-Forscher und kennt sich gut mit den Planeten aus.   Dieses Kraftwerk würde den Mars aufheizen und das Eis im Boden auftauen. So würde Wasser an die Oberfläche und Gas in die Umgebung gelangen. „Als nächstes müssen wir Sauerstoff zum Atmen gewinnen“, sagt Markus Landgraf. Den produzieren zum Beispiel Pflanzen.  Aber auch die wachsen nicht auf dem Mars. „Also müsste man Pflanzen auf dem Mars-Boden züchten. Oder Algen in den Ozeanen, die aus dem Eis entstanden sind.“  Erst dann könnten Menschen und Tiere den roten Planeten bewohnen. „Schon allein der Plan, Atmosphäre auf dem Mars zu schaffen, würde bestimmt 10000 Jahre in Anspruch nehmen“, sagt Markus Landgraf.  

Wann fliegen Menschen auf den Mars?

Die Menschen sind schon ins All geflogen, sind sogar schon auf dem Mond herumspaziert. Auf dem Mars waren sie noch nie. Nur ein paar Satelliten und Roboter erforschten den roten Planeten bisher.

Eine Gruppe aus den Niederlanden will das ändern. In gut zehn Jahren sollen die ersten vier Menschen den Mars betreten. Stephan Günther wird vielleicht einer von ihnen sein. Aber bis dahin ist noch einiges zu tun. In einigen Jahren will die Gruppe zum Beispiel einen Satelliten zum Mars schicken. Der soll dafür sorgen, dass zwischen Mars und Erde Kontakt bestehen kann.

Mehrere Jahre später würden sich dann die ersten Gerätschaften auf die Reise machen. Ein Roboter soll einen geeigneten Landeplatz für die ersten Mars-Menschen finden.Roboter sollen später auch Solarzellen, Gewächshäuser und Wohn-Kapseln aufbauen. Erst danach machen sich die Menschen auf den Weg. Die Reise zum Mars wird acht Monate dauern.„Die ersten Mars-Menschen sollen dann erst einmal die Umgebung erkunden“, erklärt Stephan Günther. „Wir müssten Wasser suchen, die Technik instand halten und uns um die Pflanzen kümmern. Wir bauen eine richtige kleine Kolonie auf. Für uns und für die Leute, die nachkommen.“ 

Manche Experten halten die Idee für Blödsinn. Andere finden das zwar nicht. Aber sie sehen jede Menge Probleme auf die Mars-Bewohner zukommen. Zum Beispiel, wie die Leute es schaffen, immer genug Essen und Sauerstoff zu haben. Manche denken außerdem, dass der Gruppe schon vorher das Geld ausgeht.

 

Herr Günther, warum wollen Sie überhaupt zum Mars fliegen?

Weil ich den Wunsch habe, Grenzen zu überschreiten. Deshalb hat der Mensch vor langer Zeit einen Seeweg nach Asien gefunden. Später entdeckten wir Amerika. Jetzt ist es an der Zeit, die Geschichte fortzusetzen. Wir kommen uns so winzig vor, wenn wir in die Sterne schauen. Ich will diesen Blickwinkel verändern.

Was macht die Mission besonders schwierig?

„Der Staub auf dem Mars wird ein großes Problem sein. Der ist scharfkantig und wird durch starke Winde überall hin geweht. Das ist für die Raumanzüge und alle Geräte gefährlich. Unsere Technik muss sich da noch ein bisschen weiterentwickeln. Und das wird Zeit und Geld kosten. Die größte Schwierigkeit wird aber der Mensch selbst sein. Niemand weiß, wie es sich auf dem Mars anfühlt. Wie wir uns dort verhalten, so weit weg von zu Hause.

Wann kehren Sie denn wieder nach Hause zurück?

Gar nicht. Ein Rückflug ist bei dieser Mission nicht eingeplant. Zum einen müssten wir viel mehr Geräte und Treibstoff mit auf den Mars nehmen.

 Zum anderen ist eine Rückkehr auch aus medizinischen Gründen schwer: Denn durch die lange Reise in der Schwerelosigkeit werden meine Muskeln und Knochen schwächer.

 Auch auf dem Mars muss mein Körper viel weniger Kräften trotzen als auf der Erde. Würde ich irgendwann zur Erde zurückfliegen, dann würde ich aufgrund der starken Kräfte beim Eintritt in die Erdatmosphäre wahrscheinlich überlastet werden. Mein Herz würde aufhören zu arbeiten.

Macht Sie das nicht traurig, ihre Familie, Freunde und Kollegen nie wiedersehen zu können?

Klar, natürlich, aber es ist nun einmal immer mein Traum gewesen, ins All zu reisen. Die Raumfahrt steckt in jeder meiner Zellen. Das weiß auch meine Familie. Außerdem bin ich ja nicht aus der Welt. Ich kann auf dem Mars immer noch Video-Botschaften zur Erde funken und empfangen. Und wer weiß: Vielleicht ist die Technik ja irgendwann weit genug, um uns Mars-Menschen doch noch zur Erde zurückzuholen.

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