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Tiere : Eine Renntaube auf großer Fahrt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Paul“ kommt aus Breiholz bei Rendsburg. Er ist ausgebildeter Kapitän und fährt zur See. Eigentlich heißt er Marius, aber alle nennen ihn Paul. Auf einer langen Reise bekamen Paul und seine Crew unerwartete Begleitung.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2017 | 01:10 Uhr

Mitten im Mittelmeer kam es zu einer netten Abwechslung für die Besatzung des Schiffes Seaspan Reliant. Bei einem Wachwechsel zwischen dem Kapitän Jan und seinem ersten Offizier Paul wurde erst das Dienstliche geklärt, und dann sagte Jan mit einem Lächeln: „Be aware Paul, there is a Pigeon trying to take over the bridge.“ Das ist Englisch und heißt: „Pass auf, Paul, da ist eine Taube, die versucht, die Brücke zu übernehmen.“

Tatsächlich, draußen auf dem Deck saß eine Taube, die sich müde und abgekämpft in ein Gitter krallte. Die Besatzung versorgte die Taube mit etwas Mais, Brot und Wasser, das sie dankend annahm.

Frederik tauft die Taube auf den Namen Fritz

Am nächsten Tag war sie schon etwas munterer und versuchte immer mal wieder, es sich in der Schiffsbrücke gemütlich zu machen. Da Tauben nun nicht gerade für ihre Stubenreinheit bekannt sind, verhinderten der Kapitän und die Wachoffiziere die Versuche.

Der neue Gast sprach sich an Bord schnell herum, und so dauerte es nicht lange, bis die Taube einen Namen bekam. Der Ingenieur Frederik kam nach seiner Maschinenwache auf die Brücke und fragte: „How is Fritz?“, also „Wie geht es Fritz?“. So war es nicht mehr nur irgendeine Taube, sondern „Fritz von Pigeon“, denn so heißt Taube auf Englisch.

Immer mal wieder versuchte Fritz, sich auf die Brücke zu schleichen, genau wie das eine Mal in Pauls Wache. Doch nach kurzer Zeit reichte schon ein „Fritz, raus!“, und der Vogel machte in der Tür kehrt.

Jeden Tag schaute die Wache nach Fritz und stellte sicher, dass es ihm gut ginge. Es wurde ihm ein ordentlicher Futterplatz zugewiesen und darunter eine mit Plastiktüten überzogene Euro-Palette gelegt, für Fritz’ Toilettengänge.

Als das Schiff in Teneriffa vor Anker ging, versuchte man, Fritz an Land zu scheuchen. Jedoch flog die Taube nur von einer Seite des Schiffes zur anderen. Es wurde schnell deutlich, dass sie zwar ein guter Flieger war, aber nicht gut landen konnte.

Bruchlandung im Ankerkettengehäuse

Eine Bruchlandung im Ankerkettengehäuse zwang den ersten Offizier, hineinzusteigen und ihn zu befreien. Als Fritz nach der Rettung etwas verwirrt wieder an Deck stand, schaute sich der Kapitän die Nummern auf den Fußringen näher an. Der Kapitän stellte im Internet fest,  dass Fritz eine Renntaube  aus  Malta  ist. Per E-Mail berichtete die Besatzung den Familien davon, und Pauls Mutter Edda aus Jevenstedt nahm sogar Kontakt mit dem Präsidenten des  maltesischen Zuchtverbandes auf. In der Antwort hieß es, man solle der Taube Futter und Wasser geben und nach drei Tagen würde sie sich wieder auf dem Weg machen. Nur irgendwie hat niemand Fritz davon erzählt – der war nämlich bereits seit fünf Tagen an Bord.

Weil die Reliant nun den Atlantik überqueren sollte, war die Besatzung sich einig, dass Fritz an Land muss. Paul brachte die Taube bis an das Heck des 149 Meter langen Schiffes, von wo aus die Verbindung zum Land am kürzesten war, und setzte Fritz frei. Mit geradem Kurs flog er Richtung Land, doch kurz vorm Ufer drehte er ab und flog zum Schiff zurück. Fritz bestand auf die Weiterfahrt.

Ein Haus für Fritz von Pigeon

Das Schiff lichtetet den Anker und stieß in den Atlantik vor. Die Besatzung machte sich Gedanken, wie Fritz die Überfahrt am besten überstünde. Frederik verschwand in der Maschinenwerkstatt. Am Abend kam er mit einem kleinen Holz-Häuschen wieder auf die Brücke. Jetzt hatte Fritz ein Zuhause auf dem Schiff.

Er fuhr mit über den Atlantik und durch den Panama-Kanal. Aber als die die Fähre im Pazifik ankam, wurde es ihm eines Tages doch zu laut: Bei einem Probealarm auf dem Schiff ergriff er die Flucht. Die Mannschaft fährt nun allein weiter nach Vancouver und hofft, dass Fritz von Pigeon ein neues Zuhause gefunden hat.

 

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